„ Gehen Sie ins Ausland!“, ermuntern Sara Behr und Ekaterina Nikitina aus dem International Office. Nur rund 150 Studenten trauen sich pro Jahr am ERASMUS-Programm teilzunehmen. Ab diesem Jahr gibt ein neues Programm: ERASMUS+.

Was versteht man unter ERASMUS+?
Das neue Programm ist jetzt nicht mehr nur für Studenten sondern fasst auch die anderen Programme für Auszubildende, Lehrer, Erwachsene zusammen. Eine weitere Neuerung ist zum Beispiel, dass man auch ein Praktikum machen kann, wenn man schon Absolvent ist, und das bis zu einem Jahr nach dem Beenden seines Studiums. Hiefür muss man sich bewerben solange man noch immatrikuliert ist. Interessant ist auch, dass man in jedem Studienzyklus für zwölf Monate ins Ausland gehen kann: Im Bachelor,  im Master oder als Doktorand. Das heißt, dass auch Ex-Erasmus-Studenten an dem Programm teilnehmen können. Dazu kommt noch die höhere Förderung. Der allgemeine Ablauf wird sich für Studierende aber nicht ändern.

Wie gestaltet sich die Finanzierung für Studenten?
Die Finanzhilfe hängt von den Lebenshaltungskosten des jeweiligen Ziellandes der Studierenden ab. Es gibt drei Ländergruppen: mit niedrigen, vergleichbaren und höheren Kosten. Dementsprechend beträgt die monatliche Förderung für ein Studium je nach Land – 150, 200, oder 250 Euro. Das ist ein Zuschuss, ein Programm, das Studenten fördert, und möglichst vielen die Chance bieten soll ins Ausland zu gehen, weshalb die Förderung nicht so hoch ist. Daher geben wir immer noch Hinweise darauf, dass die Möglichkeit besteht Auslands-BaföG zu erhalten. Denn auch Studenten, die keinen Anspruch auf Inlands-BaföG haben, können eventuell im Ausland unterstützt werden, da die Bemessungsgrenze höher liegt.

Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
In jedem Fachbereich gibt es ERSAMUS-Fachkoordinatoren, mit denen wir eng zusammenarbeiten und an die sich Studierende zunächst einmal wenden sollten. Wir sagen immer, dass sich Interessierte zum Wintersemester ein Jahr vor Ihrem geplanten Aufenthalt bei dem entsprechenden Fachbereich informieren und bewerben sollen. Dort findet dann eine interne Auswahl statt. Im Januar bekommen wir dann eine Liste mit den ausgewählten Studenten und es beginnt die Bewerbung an der entsprechenden Universitäten im Ausland.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?
Jeder Fachbereich hat ein eigenes Bewerbungsverfahren. Normalerweise wird aber ein Motivationsschreiben verlangt. Gute Kenntnisse der Unterrichtssprache sollen vorhanden sein. Auf die Noten wird natürlich auch geschaut. Viel wichtiger sind allerdings ein großes Interesse des Studierenden und der akademische Wert, den das Auslandssemester für diese mit sich bringen sollte.

Kann man über das ERASMUS auch ein Auslandspraktikum machen?
Man kann sich selbstständig überall für ein Praktikum bewerben. Sobald Sie einen Praktikumsplatz für einen Zeitraum zwischen zwei und zwölf Monaten gefunden haben, melden Sie sich bitte bei uns und wir prüfen dann die Fördermöglichkeiten. Das einzige Kriterium dafür ist, dass das Praktikum einen Bezug zum Studium haben muss. Praktika werden etwas höher als ein Studium bezuschusst. Die Förderung wird ebenfalls nach drei Ländergruppen gestaffelt und beträgt 250, 300 oder 350 Euro pro Monat.

 

„Der weltweite Austausch wurde von der EU zu spät eingeführt.“

 

Ändern sich mit ERASMUS+ die Verträge mit den ausländischen Universitäten?
Die Verträge werden mit den jeweiligen Fachbereichen geschlossen, aber natürlich greifen wir auf alte Kooperationen zurück. Die Fachbereiche dürfen auch jederzeit neue Verträge abschließen, wenn Interesse besteht. Auf bestehende Verträge wird dies aber keine Auswirkungen haben.

Werden die Interessen der Studenten bei Vertragsabschüssen denn auch berücksichtigt?
Natürlich, dennoch liegt der Schwerpunkt auf den Lehrplänen der jeweiligen Universitäten und darauf, wie nachhaltig die Verträge sind. Diese müssen nämlich wechselseitig funktionieren. Es ist schwierig renommierte Hochschulen für Verträge zu gewinnen, da Greifwald für ausländische Studierende nicht immer attraktiv genug erscheint. Aber wir setzen alles daran, auch solche Kooperationen zu ermöglichen.
Wir sind natürlich aufgrund der Ausrichtung der Universität mehr auf den Ostseeraum und das Baltikum spezialisiert, weshalb in diesen Bereichen auch mehr Verträge bestehen. Mit diesen Universitäten haben wir nicht nur ERASMUS Partnerschaften, sondern auch direkte Universitätspartnerschaften.

Wird es denn zukünftig auch Verträge mit den USA geben?
Da der weltweite Austausch von der EU-Kommission verspätet eingeführt wurde und es noch viele Probleme gibt, wird das höchstwahrscheinlich erst nächstes oder übernächstes Jahr möglich sein.

Gibt es bei einem selbstorganisierten Auslandssemester an einer Universität, zu der keine Partnerschaft besteht, auch die Möglichkeit einer ERASMUS Förderung?
Es muss immer ein Vertrag bestehen. Solch einen abzuschließen ist aber jederzeit möglich, weshalb wir den Studenten immer raten zu ihrem Fachkoordinator zu gehen. Vielleicht kennt dieser dort jemanden und manchmal kommen auch auf diese Weise Verträge zustande.

von Lea Hagstotz & Oliva Rzetkowska