Zweimal im Jahr werden die Touristenzahlen für den Ostseeraum bekannt gegeben – zu Beginn und zum Ende der Saison. Doch was passiert in Greifswald, um die Touristen her zu locken? Darum kümmern sich Christina Spierling und David Heiling vom Greifswalder Fremdenverkehrsverein.

Wenn Sie Ihre Arbeit an einer Situation festmachen würden, wie würde diese aussehen?
Heiling:Letztes Jahr haben wir uns einen Marketinggag ausgedacht, der Greifswald tatsächlich in die internationale Presse katapultiert hat! Wir haben Rotspon (ein roter Fasswein, der in der damaligen Hansezeit im Fass transportiert und auf den Seewegen in die Hansestädte zur Reife gelangt ist; Anm. d. Red.) in einer Gitterboxpalette in der Dänischen Wieck versenkt, was laut Winzern durch das leichte Schaukeln unter gleicher Temperatur zu einer schnelleren Reifung führt. Und dann, als wir mit der dpa (Deutsche Presseagentur) die kostbaren Flaschen bergen wollten – schwupps, waren sie nicht mehr da! Daraufhin wurde international über Greifswald geredet, was ja letzten Endes unser Ziel war. Die Flaschen wurden letztlich einige Wochen später an der nun richtigen Stelle geborgen und waren der Verkaufsschlager schlechthin. Somit haben wir zwei Dinge kombiniert: Greifswald bekannt machen und neue Souvenirideen entwerfen.

Was sind die Schwerpunkte der Touristeninformation?
Spierling: Die Greifswalder Touristeninformation beschäftigt sich zum einen mit dem direkten Kundenkontakt – die Leute, die in die Touristeninformation und in das Rathaus marschieren und sich nach Stadtführungen erkundigen, ein Hotel suchen, Souvenirs kaufen wollen oder Ausflugstipps einholen möchten. Die Geschäftsstelle des FVV (Fremdenverkehrsverein, Anm. d. Red.) koordiniert die Arbeit des Vereins und hat die Aufgabe, projektbasierte Themen rund um den Tourismus zu erarbeiten und umzusetzen. Immer wiederkehrende Projekte sind zum Beispiel Touristikmessen in Deutschland und Europa, wo wir Greifswald vertreten. Außerdem gibt es viele Kongresse und Tagungen in Greifswald selbst. Dort repräsentieren wir dann 21 Hotels und 55 Privatunterkünfte in Greifswald, die uns angeschlossen sind und koordinieren, dass jeder Gast ein Bett bekommt. In Greifswald vermitteln wir damit 75 Prozent aller Betten! Bei sehr großen Tagungen müssen wir auf das Greifswalder Umland zurück greifen, wo wir 50 Prozent aller Unterkünfte vertreten. Das reicht von Stralsund nach Lubmin! Ein weiteres Standbein sind Stadtführungen – diese vermitteln seit dem letzten Jahr nicht mehr nur Daten und Fakten, sondern sollen vielmehr unterhalten und somit auf das Zielpublikum zugeschnitten werden. Eine Gruppe Jugendlicher ist da eher für einen spaßigen Stadtrundgang zu allen Kneipen zu haben, als eine Gruppe älterer Damen und Herren, die andere Fragen haben, wie beispielsweise jene zur berühmten Backsteingotik, nach Fischbrötchen oder einem frisch gezapften Bier.

 

„Schwupps, waren die Flaschen nicht mehr da.“

 

Was sind  Herausforderungen der Touristik vor Ort?
Heiling: Man mag es kaum glauben, aber ein Problem sind die öffentlichen Toiletten. Es gibt zwar viele Restaurants mit Toiletten, aber diese sind nicht ausgeschildert und die Hemmschwelle ist groß, in ein Restaurant zu gehen, nur um die Toilette zu nutzen. Hier würde ich mir wünschen, und das haben wir auch schon vorgeschlagen, das Prinzip der „netten Toilette“ zu übernehmen. Dabei werden existierende Toiletten der Gastronomie von der Stadt bezuschusst, und die Öffentlichkeit erhält im Austausch ein flächendeckendes Netz öffentlicher Toiletten.

Gibt es einen touristisch Unterschied zwischen Ost und West?
Heiling: Das kann man so nicht pauschalisieren. Es gibt durchaus Unterschiede im Touristikgeschäft, aber diese betreffen eher das, was eine Stadt zu bieten hat. Das Ruhrgebiet vermarktet sich eher als Industriemetropole, Berlin und Hamburg als vielseitige Stadt mit Kultur und Programm für jeden Geschmack.
Spierling: Und wir sind eben an der Ostsee, zwischen den beiden Urlaubsinseln Rügen und Usedom. Finanziell haben wir hier in Mecklenburg-Vorpommern natürlich geringere Ressourcen als in anderen Regionen Deutschlands und müssen unsere Projekte dementsprechend anpassen.

Was sind denn Ihre aktuellen Projekte?
Spierling: Wir haben ein Messeprojekt, in dem wir die Stadt Greifswald touristisch auf über zehn Messen im In- und Ausland vertreten. Darüber hinaus erweitern wir die Homepage, den Ticketverkauf, erstellen das Gastgeberverzeichnis für 2015, organisieren das Event 16. Greifswalder Tisch und entwickeln neue Souvenirartikel. Außerdem wird erstmals im Juni ein Hotelierstammtisch stattfinden. Ferner werden in Kooperation mit Greifswald-TV Kurzfilme zur Stadtgeschichte und den Sehenswürdigkeiten erstellt. Auch wird über die Uni-Broschüre der Jakobsweg vermarktet. Zudem wird eine Autogrammstunde mit Hansa-Spielern in der Touristikinformation stattfinden.

von Leonard Mathias

Foto: Privat