Kurz und knackig klingt er – zumindest in der abgekürzten Variante. Ausgeschrieben lockt der Hochschulentwicklungsplan nicht viele hinter dem Ofen hervor. Es lohnt sich, einen Blick auf ihn zu werfen – wird doch auf seiner Grundlage die Ausrichtung der Universität beschlossen.

Der  Hochschulentwicklungsplan (HEP) bildet den Ausgangspunkt, auf dem die Zielvereinbarung zwischen dem Land und der Universität geschlossen wird, die für vier Jahre gilt. In ihr sind die Vorsätze festgehalten, die sowohl die Universität als auch das Land in diesem Zeitraum einhalten und erreichen wollen. Auf deren Grundlage berechnen sich auch die Gelder, die die Universität vom Land erhält – abhängig von den erreichten Zielen. In der letzten Zielvereinbarung waren das unter anderem der Erhalt des Lehramts und des Diploms für die Betriebswissenschaftslehre sowie die priorisierte Sanierung der alten Kliniken, sodass dort dann der Campus für Geistes- und Rechtswissenschaften entstehen kann. Doch auch weniger Positives wie 64 Stellenstreichungen wurden festgesetzt.
Doch noch bearbeiten die Senatsmitglieder den HEP für die kommende Periode. In der Junisitzung des Senats findet die dritte und damit letzte Sitzung statt, auf der er dann auch beschlossen werden soll. Seit April also debattieren die Senatsmitglieder teilweise recht hitzig, wie der Entwicklungsplan auszusehen hat. „Der HEP ist dazu da, der Landesregierung zu zeigen, worüber wir verhandeln wollen“, erklärte Professor Claus Dieter Classen, Professor für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht, in der Senatssitzung vom 21. Mai 2014. Das zentrale Problem, das die Debattierenden im Hinterkopf behalten müssen, ist das Haushaltsdefizit der Universität Greifswald. „Einen klaren Konkurrenznachteil stellt die im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittliche Grundfinanzierung der Universität bezogen auf die Ausgaben pro Professur dar“. Das wird im HEP deutlich gemacht, indem man das statistische Bundesamt zitiert. Auch sonst finden sich viele Hinweise, dass man Geld vom Land braucht, um die Ziele zu erreichen beziehungsweise um auf dem Level weiterarbeiten zu können, auf dem man ist.
Ein kontroverser Punkt ist das Lehramt. In der letzten Zielvereinbarung wurde festgehalten, dass an der Universität Greifswald wenigstens 1 500 Studenten eine Ausbildung zum Lehrer erhalten können. Das wird jedoch nicht erreicht. Die studentischen Senatoren sehen das Problem darin, dass man fast nur geisteswissenschaftliche Fächer miteinander kombinieren kann. „Durch die Wiedereröffnung ergeben sich eine Reihe von Vorteilen für alle Beteiligten“, erklärt Senatsmitglied Milos Rodatos, „Die im Hochschulentwicklungsplan festgehaltenen Fächer Sozialkunde und Mathematik sehen wir als einen Kompromiss zum jetzigen Zeitpunkt.“ Der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Klaus Fesser, steht dem skeptisch gegenüber, wie er auf den Senatssitzungen erklärte. Es müssen neue Vorlesungen und Seminare – neben den schon bestehenden für die Bachelor- und Masterstudenten – angeboten werden, wofür man neue Stellen braucht. Für ein Lehramt in Sozialkunde müsste man ein bis zwei Stellen schaffen, für die Mathematik etwa wären dies vier bis sechs Stellen – oder anders ausgedrückt: 14 000 Euro würde ein Mathematik-Lehramtsstudent pro Jahr zusätzlich kosten.
Neben der Lehre steht natürlich auch die Forschung im Mittelpunkt des HEP. Um konkurrenzfähiger zu werden und das Ansehen zu steigern, soll die Universität sich eher auf Grundlagenforschung spezialisieren. Desweiteren sollen angefangene Kooperationen wie etwa mit dem Friedrich-Loeffler-Institut auf Riems weitergeführt und ausgebaut werden. Neben dieser Zusammenarbeit sind im HEP noch weitere Forschungserfolge aufgezählt, die die Bedeutung der Universität für die Region, das Land und auch für Deutschland untermauern: Das Medizinische Forschungsfeld GANI_MED etwa. Doch im HEP wird nicht nur Positives hervorgehoben. Die schlechte Auslastung einiger Studiengänge wird angesprochen, so seien Skandinavistik, Kirchenmusik aber auch die Physik mit unter 50 Prozent ausgelastet – das ist für die Universität deutlich zu gering, zumal einige dieser Fächer zu Forschungsschwerpunkten gehören.
Am 18. Juni soll der HEP beschlossen werden und dient dann als Vorlage für die Verhandlungen mit dem Land. Bis jedoch die Zielvereinbarung endgültig festgesetzt wird, sind die Bäume wieder grün.

von Katrin Haubold

Grafik: Corinna Schlun