Kommentar

Die Chancen für einen Politikwechsel stehen in Greifswald derzeit gut. Während das konservativ-bürgerlich-liberale Lager bislang eine hauchdünne Mehrheit mit einem Sitz für sich behaupten konnte, ist dieser nun in das links-linksliberal-grüne Lager gewandert. Dadurch, dass die bürgerliche „Kompetenz für Vorpommern“ mit dem Parteiausschluss Frank Hardtkes aus der CDU einer Zusammenarbeit mit eben jener eher abgeneigt sein dürfte, ist ein Wechsel hin zu einer sozial-liberal-grünen Kommunalpolitik in greifbare Nähe gerückt. Entscheidend ist hierbei, ob und wie es der SPD, der Partei Die Linke. sowie Bündnis 90/Die Grünen und Piraten gelingen wird, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Gemeinsame Schnittmengen einer produktiven Zusammenarbeit gibt es viele. Auf der Ebene der Hochschulpolitik und innerhalb der Jugendverbände der einzelnen Parteien findet bereits seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit statt. Warum das Ganze nicht in die kommunale Ebene hineintragen? Ein Wandel im politischen Denken ist zwingend notwendig. Die CDU-Majorität hat lange genug die Fäden in der Hand gehalten und sich gerade im Bereich der Jugend- und Sozialpolitik nicht mit Ruhm bekleckert.

mm112_8_PoTa_bürgerschaft_FlorianPositiv ist die deutliche Verjüngung des Stadtparlaments. Neben dem Hochschulpolitiker-Duo Erik von Malottki (SPD) und Milos Rodatos (Piraten) ist zudem Luisa Heide (SPD) in die Bürgerschaft eingezogen. Der Einzug der drei ist in jedem Fall zu begrüßen, schließlich wurde die Greifswalder Studierendenschaft bislang eher schlecht als Recht durch Franz-Robert Liskow (CDU) repräsentiert, dessen Engagement derart überwältigend war, dass man sich fragen musste, zu welchem Zweck er überhaupt in der Bürgerschaft sitzt.

Mit dem Einzug jener drei – gerade in Anbetracht des bisherigen Engagements Malottkis und Rodatos‘ – kann erwartet werden, dass in Zukunft studentische Interessen innerhalb der Bürgerschaft auch tatsächlich Gewicht gegeben wird. Den jungen Kommunalpolitikern bleibt vor diesem Hintergrund zu wünschen, dass sie sich gegenüber mancher alter Herren durchsetzen und neue Impulse setzen können.

von Marco Wagner