Dass man einerseits Traditionen beibehalten und ein wenig frischer Wind andererseits nicht schaden kann, zeigt das Theater Vorpommern mit den diesjährigen Ostseefestspielen. Mehrere Standorte, moderne Familienmusicals mit Elvis-Touch und ein klassisches Popkonzert sollen die Besucher vor die Open-Air-Bühnen locken.

In diesem Jahr werden bei den Ostseefestspielen weder Shakespearedramen noch gefühlvollen Operetten zu sehen sein. Stattdessen setzt Dirk Löschner, der Intendant des Theaters, auf moderne Stücke mit klassischen Akzenten: „Die Ostseefestspiele starten in diesem Jahr in eine neue Zukunft. Früher wurden häufiger Opern oder klassische Stücke aufgeführt, was eher ein erwachsenes und kulturinteressiertes Publikum angesprochen hat.“

Mit den modernisierten Ostseefestspielen möchte man sich nun mehr auf  junge Familien konzentrieren. Denn es sind vor allem Eltern mit ihren Kindern, die ihren Sommerurlaub an der Ostsee verbringen. „Deshalb haben wir unser Angebot auf das jüngere Publikum zugeschnitten“, erklärt der Intendant des Theaters. Mit gleich zwei großformatigen Musicalaufführungen für die ganze Familie will das Theater die Hauptgruppe der Ostseebesucher für sich gewinnen. „Denn mit unserem Jahresprogramm richten wir uns trotz Angebote für Jugendliche und Kinder schon eher an Erwachsene. Von daher sind die Ostseefestspiele auch als besonderes Highlight zu sehen“, ist Dirk Löschner der Ansicht. Aber auch Fans der Konzertkultur sollen nicht zu kurz kommen. „Es gibt ein Crossover-Konzert mit unserem philharmonischen Orchester Vorpommern unter  der Leitung von Egbert Funk und dem Putensen-Beat-Ensemble mit Thomas Putensen an der Spitze“, so Dirk Löschner. Dieses Konzert sei schon  im vergangenen Jahr mit großem Erfolg aufgeführt worden, weshalb es jetzt zu einer Neuauflage komme. Neben Klassik, Pop und Jazz erwarten den Zuschauer bei diesem Crossover-Konzert auch einige rockige Töne. Anlässlich der Ostseefestspiele hat der Sänger, Pianist und Komponist Thomas Putensen, Lieder zum Thema Ostsee und Sommer neu vertont. „Einige der Stücke kennt man bereits, zum Teil stammen sie aber auch aus seiner Feder“, verrät der Intendant.

Familien im Fokus

Neben den „Ostseeballaden“ bilden die beiden Familienmusicals „Die Abrafaxe und das Geheimnis der Zeitmaschine“ sowie der beliebte Klassiker „Zauberer von Oz“ mit rund 35 Aufführungen den Hauptpart der Ostseefestspiele. Bei „Die Abrafaxe und das Geheimnis der Zeitmaschine“ handelt es sich sogar um eine Uraufführung, die am 14. Juni in Greifswald Premiere feiert. Geschrieben wurde das Stück von Sascha Löschner, dem Dramaturg des Theaters; die Musik komponierte Sebastion Undisz. „Ich fand die Abenteuer, die die Abrafaxe erlebt haben, als Kind ziemlich spannend“, erzählt Sascha Löschner, „und auch heute ist der MOSAIK-Comic nach Mickey Mouse der auflagenstärkste in Deutschland.“
Deshalb war es für den Dramaturg des Theaters naheliegend, die sympathischen Helden auch in Greifswald lebendig werden zu lassen. Mit einer Zeitmaschine folgen die drei Comicfiguren Abrax, Brabax und Califax einem Bösewicht ins Jahr 1973 nach Hawaii – und geraten mitten in die Vorbereitungen zu Elvis Presleys berühmtem Konzert „Aloha from Hawaii“. Doch die Zuschauer dürfen sich nicht nur auf sommerabendliche Aloha-Musik von Elvis freuen, sondern auch auf ein Revival des King of Rock`n`Roll: „In unserem Ensemble ist einer der besten Elvis-Imitatoren, die man unter deutschen Schauspielern finden kann. Und der freut sich, dass er das auch endlich mal zeigen kann“, verrät Dirk Löschner. Die Zeitreise führt die Abrafaxe anschließend weiter in das alte Rom, wo sie den Bösewicht vermuten – man darf also auf gute Unterhaltung hoffen. Bei guter Resonanz ist auch eine Fortsetzung für die Ostseefeste im nächsten Sommer geplant.

Aloha-Stimmung an der Ostsee

4.2.7Das zweite Familienmusical ist die bekannte Geschichte der jungen Dorothy, die in einen Wirbelsturm gerät und sich mit ihren vier Wegbegleiter, der Vogelscheuche, dem ängstlichen Löwen und dem Blechmann auf die Suche nach dem berühmten Zauberer von Oz machen, denn jeder der vier braucht Hilfe: die Vogelscheuche möchte einen Verstand, der Löwe Mut und der Blechmann ein Herz – und Dorothy wieder nach Hause zu ihrer Familie. „Der „Zauberer von Oz“ ist einfach ein wunderbares Märchen und eine der ganz großen Geschichten für Kinder aller Zeiten seit über hundert Jahren“, findet Dirk Löschner. Deshalb solle auch dieses Musical bei den Ostseefestspielen nicht fehlen.

Aber nicht nur inhaltlich stellen sich die Ostseefestspiele neu auf, denn neben Greifswald und Stralsund wird ein großer Teil des Programms auch auf Rügen, Usedom und in Ribniz-Damgarten zu sehen sein. „Wir möchten in der ganzen Region präsent sein und werden deshalb mit einer großen Open-Air- Bühne immer wieder umziehen“, erklärt Löschner das neue Konzept. Denn in den vergangenen Jahren habe sich herausgestellt, dass es ein Problem bei der Anreise gäbe: „Der Weg nach Stralsund kann schon mal eine Stunde dauern. Gerade Familien, die den ganzen Tag über am Strand waren, überlegen dann eher, ob man überhaupt so früh losfahren möchte, um pünktlich da zu sein, oder ob man es nicht lieber sein lässt. Und da haben wir gesagt, wir müssen näher an unser Publikum ran – wir müssen auf die Inseln.“ Aus diesem Grund gibt es auch finanzielle Unterstützung des Wirtschaftsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Denn schließlich ermöglicht dies der Tourismuswirtschaft auf den Inseln auch, ihren Besuchern mit den Ostseefestspielen ein kulturelles Highlight anzubieten. Ein paar Umsetzungsschwierigkeiten bei dem Konzept der wandernden Open-Air-Bühne gab es dennoch. So muss ein Theater mit festem Ensemble seinen Mitarbeitern im Sommer tarifmäßig Urlaub geben. „Wir haben nun den Sparten getrennt Urlaub gegeben, was bedeutet, dass wir erst mit dem einen Stück durch alle Orte ziehen und dann mit dem anderen“, lautet die Lösung des Theaterintendanten. Das sei zwar etwas aufwendiger, merkt Dirk Löschner an, doch es wäre die Bedingung gewesen, um das neue Konzept überhaupt durchzusetzen. Ein privates Unternehmen sei da etwas freier in seiner Gestaltung. Mit der umherziehenden Bühne und dem neuen familienfreundlichen Programm möchte das Theater die Zahl von 20 000 Besuchern, die die Ostseefestspiele bisher erreicht haben, steigen. Immerhin gibt es pro Vorstellung 1 400 Plätze – man könnte also mit bis zu  60 000 Plätzen von Juni bis August aufwarten. „Wir haben jetzt so kalkuliert, dass wir in der ersten Spielzeit eine Auslastung von 40 Prozent auf jeden Fall erreichen wollen, um nicht in die roten Zahlen zu kommen. Das sollte erreichbar sein, aber natürlich freuen wir uns über jedes Prozent mehr“, so der Intendant des Theaters.

Auch prominente Besucher wie Angela Merkel sind eingeladen. Insgesamt sieht Dirk Löschner den Ostseefestspielen auch im Hinblick auf die Möglichkeiten des Theaters optimistisch entgegen: „Wir sind das ganze Jahr über in allen drei Sparten sehr, sehr gut aufgestellt mit einem qualitativ hochwertigen Programm und ich denke, wenn wir das mit den Ostseefestspielen als gute-Laune-Sommerabend-Abenteuer komplementieren, dann sind die Ressourcen dieses Theaters schon ziemlich gut genutzt.“

von Sabrina v. Oehsen

Bilder: Privat