Rezension

Danko Rabrenovic ist ein Jugoslawe, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Er moderiert seine Radiosendung „Balkanizer“ beim Westdeutschen Rundfunk und spielt in der Punkband „Trovači“. Sein Hörbuch besteht insgesamt aus 30 Kurzgeschichten aus dem gleichnamigen Buch „Balkanizer“. Die Geschichten zeigen die deutsche Gesellschaft aus dem Blickwinkel eines Fremden und führen alle typisch-deutschen Marotten in der Reihenfolge ihrer Peinlichkeit vor. Angefangen vom getrennt zahlen über unrasierte Achseln bis hin zum Monate im Voraus durchplanten Terminkalender. Selbst das Arsenal deutscher Schimpfwörter findet er langweilig: „Wer der Welt Begriffe wie ‚Landesrechtsmodernisierungsgesetzesentwurf‘ schenkt, könnte auch beim Schimpfen durchaus zulegen.“

Aber auch die Bewohner des Balkans kriegen einiges ab. Danko lächelt sarkastisch über die deutsche Gesellschaft  und kann sich dennoch nicht entscheiden, ob er mittlerweile mehr deutsch oder jugo ist. Das typische Schicksal vieler Einwanderer: In Deutschland ist alles blöd, aber zu Hause noch blöder. Menschen, die keine tiefen Wurzeln an einem Ort schlagen, sind die sogenannten „mobilen Flachwurzler“.

Leider kommen in den Kurzgeschichten kaum Dialoge vor und die monotone Stimme des Erzählers wirkt trotz interessantem Akzent oft langweilig, auch eine musikalische Untermalung findet man bei diesem Hörbuch kaum. Diese Tatsache ist wirklich schade, denn wenn Danko mal doch zur Gitarre greift und auf Serbisch, Kroatisch oder Mazedonisch singt, dann hört es sich an wie paradiesischer Luxus für die Ohren. Das Hörbuch lohnt sich für jeden, der Schwierigkeiten damit hat, ausländische Mitbürger zu akzeptieren, denn dann sieht hoffentlich auch jeder Deutsche seine Welt mal mit anderen Augen.

von Anastasia Statsenko

Foto: © Random House Audio