Für die Ska-Punk Band „Feine Sahne Fischfilet“ geht es derzeit heiß her: Im November wird ihr neues Album veröffentlicht, gleichzeitig verbuchte sie der Verfassungsschutz als linksextremistisch, was in der alternativen Szene Wellen schlägt.

Jetzt mit 100% mehr Überwachung durch den Verfassungsschutz“, schreiben Feine Sahne Fischfilet auf Facebook. Damit antworten die sechs Street-Punker zynisch auf die knapp zwei Seiten, in denen das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern in seinem Verfassungsschutzbericht 2011 die Band als linksextremistisch einstuft. „Wir leben auch in einem der Bundesländer, in dem die Nazis sehr aktiv sind und gut ausgebaute Strukturen haben. Deshalb liegt unser Hauptaugenmerk ganz klar in der antifaschistischen Arbeit“, erklärt Monchi, Sänger der Kombo. Klarnamen der Bandmitglieder werden „wegen Nazis“ nicht herausgegeben. Ursprünglich kommen alle sechs Musiker aus Greifswald und dem ehemaligen Landkreis Demmin. Dort wählten bei den Landtagswahlen fast acht Prozent die NPD. Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren erleben die Bandmitglieder Konfrontationsversuche: Vor vier Jahren wurden in ganz Mecklenburg-Vorpommern mehrere tausende Aufkleber verteilt, auf denen der gespaltene Kopf des Sängers zu sehen war. „Die Nazis hassen uns halt“, so der Demminer. Vor einem ihrer Konzerte nahe Rostock wurden im Veranstaltungsraum die Fenster demoliert und ein Buttersäureanschlag verübt.

Alternativen zur provinziellen Großraumdisko

Auf ihrem dritten Album „Scheitern und Verstehen“, das die Band beim Hamburger Label Audiolith nun veröffentlicht, werden unter anderem der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) thematisiert oder warum die Band sich nicht mit Deutschland identifiziert: „Seien es der Verfassungsschutz, der Nazigruppen aufbaut oder dass der Staat tagtäglich Menschen abschiebt“, erläutert Monchi. Für den Verfassungsschutz ist dies unter anderem ein Grund Feine Sahne Fischfilet die Auflösung staatlicher Strukturen anzulasten. „Thematisch ist es so, dass wir in unseren Liedern über Dinge singen, die wir so wahrnehmen, erleben und erleben mussten“, sagt Monchi.

Für Lars Lewerenz, Geschäftsführer vom Audiolith Label, geht es darum, mehr Aufmerksamkeit für den Eintrag im Verfassungsschutzbericht 2011 zu generieren: „Es ist eigentlich alles unfassbar und deshalb auch irgendwie lustig, wenn es nicht so finster wäre“, erklärt Lewerenz. Damit meint der 35-Jährige auch, dass der Skandal um den NSU und seine Aufklärung mit drei Absätzen im Verfassungsschutzbericht abgearbeitet werden, wenngleich sich einer der Morde 2004 auch in Rostock ereignete. Für das Landesinnenministerium lasse sich die Band wietaus extremistischer als die NSU einordnen.

Seit Weihnachten 2011 arbeiten Feine Sahne Fischfilet und das Hamburger Label Audiolith, das Bands wie Egotronic, Bratze oder die Rostocker von Supershirt beherbergt, zusammen. Offiziell präsentiert wird ihr Album „Scheitern und Verstehen“ Anfang November in Demmin, gepaart mit politischen Vorträgen: „Wenn der einzige Jugendclub die Bushaltestelle ist und die einzige Ausgehmöglichkeit für das Wochenende die nächste schäbige Großraumdisse ist, dann kotzt du zwangsläufig als alternativer Jugendlicher ab“, so die Überlegung der Band. „Wir hätten uns damals über so einen Tag gefreut“, sagt Monchi.

Für den Aktions- und Releasetag Anfang November kamen noch keine Drohungen vonseiten rechter Gruppen. „Man muss sich halt organisieren, einbringen und Position und Stellung für seine Meinung beziehen, auch wenn es mal Gegenwind gibt“, so der Sänger abschließend.

von Luisa Pischtschan