Rezension

Eine Kombination aus wunderschönen Naturbildern und einem Drama mit politischem Hintergrund – so könnte man den Film „Flucht aus Tibet – Wie zwischen Himmel und Erde“ beschreiben. Die Regisseurin Maria Blumencron verarbeitete ihre eigenen Erlebnisse zu einem Spielfilm: Sie wurde 1999 von der chinesischen Polizei verhaftet, als sie eine tibetanische Flüchtlingstruppe begleitete. Dass der Film auf einer wahren Geschichte basiert, verleiht ihm Glaubwürdigkeit.
Während ihrer Bergsteigtour in Tibet wird die deutsche Medizinstudentin Hanna unfreiweillig zur Fluchthelferin. Sie nimmt sich des Halbwaisen Tempa an, der Tibet verlassen soll. Zu Fuß geht es für die beiden und weitere Flüchtlinge durch das Himalayagebirge in Richtung Indien. Der Weg ist gefährlich, es ist kalt und außerdem ist noch das chinesische Militär hinter den Flüchtlingen her. Denn auch der Golden Boy, der rechtmäßige Nachkomme des Dalai Lama, ist verschwunden und wird von den Chinesen gesucht.

Schnulziges scheint einen bei dem Titel „Wie zwischen Himmel und Erde“ zu erwarten. Groß und pathetisch klingt er, doch der Film schafft es, bis auf einige heroische Szenen, den Kitsch zu umschiffen. Eine Liebe zwischen Hanna und Tashi, dem Fluchthelfer und Bergführer, wird angedeutet, jedoch nicht weiter ausgebaut. Viel eher wird Wert darauf gelegt zu zeigen, dass Hanna sich mehr und mehr verantwortlich für das Schicksal der Flüchtlinge fühlt.

Der Film behandelt ein schwieriges Thema, das die Frage aufkommen lässt, ob die chinesische Regierung vom dem Filmprojekt so angetan war. Laut dem Produzenten Jörg Bundschuh gab es zu keiner Zeit Druck von chinesischer Seite. Nur konnten keine chinesischen Darsteller genommen werden, da diese sonst in Schwierigkeiten geraten könnten. Der Film verzichtet aber auf eine zu starke Schwarz-Weiß-Malerei und erlaubt es zum Beispiel der Figur des chinesischen Majors Schwächen zu zeigen.

Der Dokumentarfilm „Good Bye Tibet“, den Blumencron 2009 drehte und der die Grundlage des Spielfilms darstellt, ist auch auf der DVD zu finden. Dadurch bekommt die vorher erlebte Geschichte im Film eine ganz andere Tiefe und lässt die Frage aufkommen, ob sich in den letzten zehn Jahren die Lage für die Tibeter entspannt hat.

von Katrin Haubold

Foto: © Euro Video