Rezension

Dies ist eine wahre Geschichte über drei junge Russen, die nach dem Mauerfall nach Berlin kommen. Sie sind jung und haben nichts, nur eine „bessere Aussichtslosigkeit“. Sie finden aber dafür jede Menge Spaß, die große Liebe und lebenslange Freundschaft. Die Verfilmung des Bestsellers „Russendisko“ von Wladimir Kaminer zeigt die romantischen, unbeschwerten Zeiten nach der Wiedervereinigung.

Die hochkarätige Besetzung mit Friedrich Mücke, Christian Friedel und Matthias Schweighöfer funktioniert einwandfrei und bringt den frischen Blödsinnsgeist einer Männerfreundschaft zur Geltung. Die gleiche Besetzung wie in „Friendship!“ erreicht die gleiche Wirkung: Der Zuschauer wird in die unbekümmerte Jugend mitgerissen. Der Film lohnt sich auch wegen der Kulissen: Wo heute in Berlin Mitte die Hipster ihre Saabs parken und die Mieten unbezahlbar sind, waren vor 20 Jahren olle Kneipen und leerstehende Wohnungen mit DDR-Schick. In einer dieser Kneipen eröffnet Wladimir (Matthias Schweighöfer) seine Russendisko, um die große Liebe seines Lebens Olga zurück zu erobern. Damit bringt er das beste Stück der russischen Kultur, nämlich das Feiern, nach Berlin. Denn die Russen feiern nun mal gern viel und ausgelassen. Die Musikauswahl ist sehr authentisch. Mit viel Liebe zum Detail sind die kleinen Animationseinlagen gestaltet. Nichtsdestotrotz wirkt die Kameraarbeit leicht gekünstelt und die Ausstattung des Films ein Hauch zu glamurös für die damalige Zeit.

Besonders bemerkenswert ist jedoch die autobiographische Authentizität der Geschichte, denn die Veranstaltung im Café Goga existiert heute noch und die Liebesgeschichte im Film hat auch im realen Leben ein Happy End.
Leider ist der Film ein wenig langatmig und alle Gags sind, wie das so oft der Fall ist, bereits im Trailer vorgegriffen. Auch das Bonusmaterial lässt Wünsche offen: Ein Interview mit dem Autor Wladimir Kaminer oder ein Einblick ins echte Café Goga bleiben leider aus, viele Outtakes wiederholen sich. Der Film erreicht seine Zielgruppe in den Fans des russischen Autors, ist jedoch kein Produkt für ein breites Publikum.

Die Geschichte von drei Musketieren in Berlin der 90er Jahre hat das richtige Lebensgefühl und die für Russland typische unbekümmerte, verrückte Mentalität mit einer kleinen Prise Melancholie.

von Anastasia Statsenko

Foto: © Paramount