„Deutsch für alle!“ – Studenten des Faches Deutsch als Fremdsprache geben für internationale Studierende und Asylbewerbern Deutschunterricht und lernen so die Welt der Integration kennen.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Beziehungen zu internationalen Studierenden sowie Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern, hat die Referentin des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) Christin Weitzmann das Projekt „Regenbogen“ im Dezember 2011 ins Leben gerufen. Nach einem Jahr der Planungs- und Vorbereitungsphase wurde das Vorhaben im letzten Jahr vorgestellt. Das Projekt richtet sich vor allem an Studierende des Faches Deutsch als Fremdsprache (DAF), die sich die Arbeit auch im Rahmen des Bachelor-Pflichtpraktikums anerkennen lassen können.

Unter dem Motto: „Deutsch für alle!“ geben die Studierenden im Lektorat des Studienkollegs und im Flüchtlingsheim Greifswald Deutschunterricht. Im Lektorat werden Konversationskurse angeboten, im Flüchtlingsheim gibt es verschiedene Angebote wie einen Alphabetisierungskurs, ein Deutsch-Anfängerkurs und eine Hausaufgabenhilfe für Kinder.

Sichtstunde im Lektorat

Für die Gestaltung des Deutschunterrichts sind die DAF-Studenten selbst verantwortlich. Sie treffen die Entscheidung über den Inhalt und den Aufbau. Trotz der hohen Eigenverantwortung, die die Studierenden tragen, sind sie nicht völlig auf sich alleine gestellt. So werden ihnen Unterrichtsmaterial und Leitfäden zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter des Lektorats kommen sogar zur Sichtstunde, bewerten die „Deutschlehrer“ und geben Verbesserungsvorschläge. Inhaltlich werden das Studium, der Alltag und die Kultur in Greifswald thematisiert, auch der Umgang mit den Behörden wird besprochen. Gerade für die Kursteilnehmer im Lektorat ist es von Bedeutung, da sie sich entweder auf ein Studium in Deutschland vorbereiten oder erst noch dafür qualifiziert werden müssen.

Neben der Didaktik machen die Studierenden eine ganz andere Erfahrung. Unterschiedliche Kulturformen, wie die Kultur Afrikas oder des Orients, treffen im Flüchtlingsheim aufeinander, dem gegenüber steht die eigene Kultur, die die Studierenden mitbringen – das kann zunächst einmal eine ziemlich beängstigende oder überfordernde Aussicht sein. Aus diesem Grund werden die infrage kommenden Studenten durch das Flüchtlingsheim geführt, bevor sie dort anfangen, Deutsch zu unterrichten. So wird eine erste Vertrautheit mit der Situation der Asylanten hergestellt, die dann eine Vertrauensbasis für die ersten Unterrichtsstunden bietet. Sollten dennoch Berührungsängste bei den Studierenden bestehen, so werde diese durch die freundliche Atmosphäre schnell beseitigt, erzählt Christin. Die Bewohner kommen alleine auf einen zu, vor allem diejenigen, die schon ein bisschen Deutsch können, um sich zu unterhalten.

Nach und nach nimmt das Gefühl der Fremdheit auf beiden Seiten ab. Zu vielen Gelegenheiten bringen dann beide Seiten einander die jeweils unvertraute Kultur nahe, wie durch gemeinsame Feste: Im Dezember organisierte der AStA eine kleine Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim. Hierfür haben die Mitglieder des Regenbogenprojekts Geschenke für die Kinder gesammelt und Plätzchen gebacken. Während die Plätzchen gut ankamen, waren die meisten Bewohner von der klassischen Weihnachtsmusik nicht so begeistert.

Im Flüchtlingsheim herrrscht eine familiäre Atmosphäre

Ohne lange zu zögern haben die Bewohner den Studierenden ihre Musik nahe gebracht, die Kinder begannen zu tanzen. Musik verbindet. Bei Augenblicken wie diesen bleibt es nicht, auch in vielen alltäglichen Situationen in den Kursen merkt man deutlich, dass viele Bewohner Interesse zeigen. „Man kann regelrecht sagen, dass nicht die Flüchtlinge integriert werden, sondern wir Deutschen“, erzählt Christin.  Aufgrund der familiären Atmosphäre bleiben einige DAF-Studenten nach ihrem Praktikum ehrenamtlich dabei.

Dennoch bleibt es wichtig, dass die DAF-Studenten lernen, das aufgebaute Vertrauensverhältnis auf einer professionellen Ebene zu gestalten. „Man muss nur ab und zu den Punkt finden, wo man sagt, jetzt ist gut. Einige kommen dann auch und wollen etwas erklärt haben oder eine Beratung, das dürfen wir nicht“,  so Christin.

Insgesamt kommt das Projekt „Regenbogen“ bei den Bewohnern sehr gut an. Natürlich erreicht man nicht jeden, aber ein Anfang ist gemacht und „eigentlich hätte es mittlerweile zum Selbstläufer werden können“, berichtet die AStA-Referentin. Doch der Betreiberwechsel des Flüchtlingsheims durch European Homecare im November 2012 sorgte bei den Mitgliedern des DAF-Projekts für Unruhe. Das Weiterbestehen des Projektes blieb lange fraglich. Während die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und früheren Mitarbeitern sehr gut verlief, hat das Programm des DAF-Projekts eine Umstrukturierung erfahren. Die vielen Unsicherheiten haben dazu geführt, dass nicht mehr die Mitarbeiter des Flüchtlingsheims die Unterrichtsstunden für die Studierenden bestätigen. „Der Kontakt zu den früheren Mitarbeitern war ein bisschen familiärer, deswegen konnte man das besser nachvollziehen“, erzählt Christin.  Nun handhabt man die Angelegenheit wie im Lektorat, wo die DAF-Studenten von allen Teilnehmern nach jeder Unterrichtstunde eine Unterschrift bekommen. Ist ihre Pflicht erfüllt, können sie damit zum Lektorat gehen und sich eine Praktikumsbestätigung holen; für die Arbeit im Flüchtlingsheim macht das vorläufig der AStA. Auch in Zukunft wird man im Flüchtlingsheim Deutschunterricht geben können, die Kurse zur Hausaufgabenhilfe für die Kinder sollen sogar ausgeweitet werden. Nur um das Lektorat ist es nicht gut bestellt. Die Kurse werden zu wenig besucht. Dafür gibt es erfreuliche Nachricht aus Wolgast: Nach mehrfachen Anfragen hat man beschlossen, dass DAF-Projekt Regenbogen auf das Flüchtlingsheim in Wolgast auszuweiten.

von Preciosa Alberto

Fotos: Charlotte Saebsch