Rezension

Lachsfischen im Jemen erzählt die Geschichte des britischen Fischereiexperten Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor), der aus seinem gemütlichen Regierungsjob gerissen wird, um für einen angelbegeisterten Scheich Lachse im Jemen anzusiedeln. Während er sich zu Beginn nur auf Druck der Pressesprecherin des Premierministerin, die eine positive Geschichte aus dem Nahen Osten will, dem Projekt widmet, lässt er sich bald von der Begeisterung des Scheichs und seinen Gefühlen für die Anwältin Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) mitreissen.

Eine skurrile Geschichte, hochwertige Besetzung und ein Regisseur (Lasse Hallström), der diverse gelungene Literaturverfilmungen inszeniert hat, was soll bei der Verfilmung des Romans von Paul Torday schon schiefgehen? Doch trotz günstiger Vorzeichen vermag die Story den Zuschauer nicht wie ein Gebirgsbach mitzureißen, stattdessen fühlt man sich an einen Kanal erinnert: Eher träge und schnurgerade.

Die Liebesgeschichte könnte nur durch Ansagen aus dem Off offensichtlicher angekündigt werden und auch sonst plätschert die Handlung zunächst nur gemächlich dem vohersehbaren Finale entgegen. In der zweiten Hälfte des Films wird es durch diverse Subplots zwar dramatischer, durch die stets vorherrschende Wohlfühlatomsphäre kommen aber kaum Zweifel auf, dass am Ende doch alles gut wird. Die eine oder andere Nebenhandlung hätte man sich sparen können, da der Film teilweise überladen wirkt. Fans von Romantikkomödien werden deutlich besser bedient als Anhänger des britischen Humors, da das Potential McGregors und Amr Wakeds als progressiver Scheich deutlich zu selten abgerufen wird.
Die penetrante Schleichwerbung für den bekannten Elektrohersteller stört mit Abstand am meisten; gefühlt alle Bildschirme und Laptops tragen das entsprechende Logo prominent in die Kamera und Unterhaltungen zwischen Premier und Sprecherin werden konsequent per WhatsApp geführt. Filme müssen finanziert werden, aber bitte nicht derart plump und aufdringlich.

Lachsfischen im Jemen ist eine nette Romantikkomödie und für einen DVD-Abend gut geeignet. Leider vermag der Film das in Story und Darstellern definitiv vorhandene Potential für eine großartige Komödie nicht auszureizen. So bleibt er nur ein überdurchschnittlicher Liebesfilm mit Sympathieabzug für ätzende Schleichwerbung.

von Florian Bonn

Foto: © Concorde Video