Kunst nebenbei: Die Greifswalder Studentin Nastassja van der Weiden spricht mit moritz über abstrakte Malerei, ihre kommende Ausstellung und Körperkunst.

Schwungvolle, breite Pinselstriche und kräftige Farben dominieren das große Gemälde. Zugegeben, die Rosenranke ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Aber darum geht es Nasti van der Weiden auch nicht. „Es geht darum, was man sehen könnte. Ich sehe darin eine Rosenranke, aber man kann auch was anderes sehen.“ Die 21-jährige Studentin interessiert sich besonders für abstrakte und moderne Kunst und hat vor einigen Jahren selbst begonnen, Bilder zu malen. „Mit 16 habe ich mit dem Skizzieren und Zeichnen angefangen“, erinnert sich Nasti, die mit vollem Namen Nastassja heißt. „Aber mein Name ist eh schon so lang, deswegen nur Nasti“, erklärt die gebürtige Mainzerin, die in Greifswald Kommunikationswissenschaft und Anglistik/Amerikanistik im fünften Semester studiert.

Ursprünglich wollte sie Kunstgeschichte studieren, doch als sie die Zulassung für Kommunikationswissenschaft bekam, überlegte sie es sich anders. Besonders inspirierend findet sie informelle und abstrakte Kunst, wie die von David Link: „Die documenta hat mir auch sehr viel Spaß gemacht und ich gehe total gerne ins Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, das ist mein Lieblingsmuseum.“

In der Kunst ist alles erlaubt

mm103_Kultur_36_Nasti mm103_Kultur_36_Nasti2 Doch Kunst findet bei ihr nicht nur auf der Leinwand statt, sondern auch auf ihrem Körper, den sie künstlerisch verzieren lässt. Dabei haben die bunten und detailliert gestalteten Tattoos scheinbar alle ihre Bedeutungen, wie das Reh, das schüchtern aus ihrem Ausschnitt hervorlugt. „Für mich steht das Reh für Weiblichkeit, deshalb habe ich es mir stechen lassen, denn ich finde, dass man auch als emanzipierte Frau seine Weiblichkeit nicht verstecken muss. Man kann auch als emanzipierte Frau feminin sein.“ Ein weiteres interessantes Motiv stellt auch das Tattoo auf ihrer Wade dar, das Eva zeigt, die von der Schlange verführt wird, die verbotene Frucht zu essen. „Das hat mir Fabian Langes gestochen; von dem wollte ich schon immer mal ein Tattoo.“ Religiös sei sie aber nicht, sie fände nur die Geschichte der Erbsünde spannend. „Außerdem ist es ja auch irgendwie ironisch, dass ich mir als Frau Eva tätowieren lasse“, fügt sie schmunzelnd hinzu.
mm103_Kultur_36_postkarte2010 gründete Nasti mit ihrer Freundin Isabel de Oliveira das Kunstprojekt „Trash&Art“. „Wir suchen uns ein bestimmtes Thema aus, zum Beispiel Portraits und gestalten dazu Bilder“,  präsentiert sie die Idee, die hinter dem Kunstprojekt steht. „Deswegen hat man auch meist schon ungefähr im Hinterkopf, was man malen möchte.“ Da die beiden das Thema unabhängig voneinander interpretieren, kommt es zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. „Gerade das ist auch das Interessante, also wie unterschiedlich man etwas zu ein und demselben Thema darstellen kann“, findet Nasti. Das betrifft auch ihre Stile: Während ihre Freundin häufiger zu Kohle und Bleistift greift, tendiert die junge Anglistikstudentin zu farbigeren Alternativen. Egal ob Acryl, Öl, Aquarell mit Öl gemischt oder Sprayfarben, alles ist erlaubt. „ Ich setze mir hier keine Grenzen“, sagt Nasti, „es muss ja kein reines Aquarell sein, ich kann auch einen Aquarellhintergrund mit Acryl übermalen. Meistens liegt ein Bild sowieso länger, vielleicht ein Jahr, bis es fertig ist und innerhalb dieses Jahres habe ich die Leinwand mehrfach übermalt. Das, was dann letztlich das fertige Bild ist, ist dann das Ergebnis eines Prozesses.“ Vier ihrer fertigen Prozessergebnisse zeigt sie ab dem 26. Januar in einer kleinen Ausstellung um 17.30 Uhr in der Nähwerkstatt Kabutze. Ihre erste Ausstellung ist es allerdings nicht. „Mit Trash&Art habe ich bis jetzt schon drei Ausstellungen gehabt. Die letzte war in Mainz in einem Künstlercafé, in dem ich schon immer mal ausstellen wollte – und dann hingen da tatsächlich meine Bilder an der Wand. Das war echt ein schönes Gefühl“, erzählt sie lächelnd.
Auch in Zukunft will sie mit dem Kunstprojekt weitermachen. „Ich sehe Trash&Art als eine Art Label an, auch für andere Künstler, die vielleicht irgendwann mit ausstellen“, hofft sie.

Dieses Mal wird die Ausstellung allerdings nur aus ihren Werken bestehen. „Es sind vier große Bilder, 90 mal 90 cm, denn ich denke, dass vor allem abstrakte Kunst Raum braucht. Und es gibt Postkartendrucke, die man sich mitnehmen kann und ich würde mich freuen, wenn man sie nicht nur behält, sondern sie auch an andere verschickt.“

Auf die Frage, warum man zur Ausstellung kommen sollte, muss sie schmunzeln. „Vielleicht weil sich viele in meinem Studium fragen, was ich eigentlich so mache, weil ich ja äußerlich nicht wirklich reinpasse. Außerdem ist es ein Nachmittag in der Prüfungszeit, wo man sich mal mit etwas Schönem beschäftigen kann – also mit Kunst.“

von Sabrina von Oehsen

Fotos: Privat