Im moritz-Magazin vom Mai 2008 haben wir uns schon einmal mit den Stundenlöhnen von Studenten beschäftigt. Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Zeit, zu schauen, was sich bisher geändert hat.

Bei vielen Studenten reicht das Geld vorne und hinten nicht aus, um die laufenden Kosten für Miete, Lebensmittel und Studium zu decken. Zudem steigen zusätzlich die Lebenshaltungskosten deutlich.  So war Greifswald mit einer Mietsteigerung von über zehn Prozent im letzten Jahr Spitzenreiter in ganz Deutschland. Auch Strom wird immer teurer, besonders aufgrund der gestiegenen Umlage für erneuerbare Energien.  Sparen ist eine Möglichkeit gegenzusteuern – falls das überhaupt möglich ist, denn aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel leben Studenten in der Regel schon auf Sparflamme. Um sich auch einmal etwas zu gönnen, aber vielmehr um sich ihre Existenzen zu sichern, haben die Studenten die Möglichkeit, sich neben dem Studium etwas hinzu zu verdienen.

Die studentischen Hilfskräfte an der Universität können sich glücklich schätzen. Im Mai 2008 lag der Stundenverdienst bei 7,35 Euro und hat sich seitdem kontinuierlich auf zuletzt 8,50 Euro erhöht.  Der Grund ist in einem Tarifvertrag zwischen den Bundesländern mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu sehen. Bei den meisten anderen Studentenjobs greifen keine Tarifverträge, sodass in der Regel die Stundenvergütung auch geringer ist. Aber trotzdem gab es bei den Studentenjobs außerhalb der Universität teilweise deutliche Lohnsteigerungen.

Eine deutliche Verbesserung gab es für die studentischen Beschäftigten im Cinestar im Vergleich zu 2008. Damals verdienten sie nur 3,60 bis 4,60 Euro die Stunde, mittlerweile sind es 6,50 Euro und demnächst wird der Lohn auf 7,00 Euro erhöht. Zusätzlich dürfen die Studenten außerhalb ihrer Arbeitszeit sämtliche Kinofilme sehen und diejenigen, die in Führungspositionen sind, also eine Schicht leiten, bekommen noch einen Aufschlag von 1,50 Euro pro Stunde.

Gute Bezahlung für Werkstudenten

Eine annehmbare Bezahlung kann man weiterhin als Werkstudent in einigen Unternehmen erzielen. Eine Tätigkeit als Werkstudent bietet die Möglichkeit schon einmal in ein Berufsfeld und ein Unternehmen hineinzuschnuppern und vielleicht auch erlernte Kenntnisse aus dem Studium anwenden zu können. So zahlte die Riemser Arzneimittel AG auf der Insel Riems zwischen Greifswald und Stralsund einem Werkstudenten 7,50 Euro die Stunde. Hier fallen allerdings Kosten für die Auto- oder Busfahrten an, die berücksichtigt werden sollten.

Auch bei dem Call-Center Wittcall haben sich die Stundenlöhne nach oben entwickelt. Lagen sie 2008 noch zwischen 5,70 und 6,00 Euro, sind es inzwischen 6,50 Euro bis 7,49 Euro, wobei Toilettenpausen inzwischen mitbezahlt werden, die Raucherpausen allerdings weiterhin nicht. Der Verdienst entspricht also etwa dem beim Kino.

Wenig Veränderung im gastronomischen Bereich

In der Gastronomie, in der traditionell viele Studenten tätig sind, hat sich weniger verändert. Der Lieferservice von BurgerKing zahlt weiterhin 5,00 Euro die Stunde. Dafür ist man dann aber auch bei Wind und Wetter mit einem Lieferwagen unterwegs, ähnlich wie beim Pizzalieferanten Smileys. Dort wurden 2008 zwischen 3,60 und 4,10 Euro pro Stunde gezahlt, mittlerweile sind es mindestens 4,10 Euro. Im Restaurant „Alter Fritz“ wurden 2008 noch 5,11 Euro bezahlt. Seit Mitte letzten Jahres sind es 6,50 Euro. In dem Restaurant und der Cocktailbar „Domburg“ wurden 2008 5,00 Euro plus Umsatzbeteiligung gezahlt, inzwischen sind es bis zu 7,00 Euro, je nach Umsatz. Damit haben sich die Stundenverdienste in der Gastronomie unterschiedlich nach oben entwickelt. Es muss berücksichtigt werden, dass Trinkgelder hinzukommen.
Derzeit lohnt es sich also fast in eine Stadt zu fahren, die weniger von Studenten geprägt ist als Greifswald, um dort zu arbeiten und mehr zu verdienen. Nachfrage bestimmt den Preis. In einigen Bereichen verdient man in Berlin oder Hamburg tatsächlich mehr Geld. In der Regel kann man problemlos und für einen guten Stundensatz Babysitten oder ähnliche private Dienstleistungen anbieten. Dazu gehört auch die Nachhilfe für Schüler oder Studenten, die sich in niedrigeren Semestern befinden. Dabei kann man dann auch noch einen zusätzlichen Lerneffekt erzielen. Indem man älteren Lernstoff anderen Studenten erklärt, bleibt dieser auch weiterhin im eigenen Gedächtnis.

Aktuell wird in Deutschland über einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde diskutiert, wie ihn SPD und Grüne fordern, die Linke sogar 10,00 Euro. Die Union favorisiert hingegen branchenspezifische Mindestlöhne, sieht damit aber zumindest Handlungsbedarf. Viele Studenten in Greifswald wären über einen Stundenverdienst von 8,50 Euro sicherlich sehr erfreut. Zusammenfassend kann man sagen, dass die meisten Stundenverdienste gestiegen sind, vor allem was studentische Beschäftigte in der Universität, im Kino und Call-Center angeht. In der Gastronomie gab es Steigerungen oder die Verdienste blieben gleich. Aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten wären auch in den Gastronomiebetrieben, bei der die Stundenlöhne nicht geändert wurden, höhere Stundenverdienste wünschenswert.

von Loulou Frankenstein und David Vössing

Grafik: David Vössing