Für kurze Zeit sah es, als würde der Bachelorstudiengang „Landschaftsökologie und Naturschutz“den Bach runter gehen. Nun scheint die Gefahr gebannt.

Ist die „Landschaftsökologie und Naturschutz“ in Gefahr? Das seit den 1990er Jahren bestehende Studienfach wird von der Michael-Succow-Stiftung unterstützt. Michael Succow lehrte an der Universität Greifswald und gründete den Studiengang. Allerdings kamen Gerüchte auf, dass er die Stiftung nach Eberswalde verlegen wollte. Denn es sah kurzzeitig so aus, als würde das Lehrangebot stark eingeschränkt werden.
Beim Greifswalder Landschaftsökologiestudium werden naturwissenschaftliche Ansätze mit umweltethischen und ökonomischen Vorgehensweisen kombiniert. Es besteht aus drei Säulen: „Angewandte Zoologie und Naturschutz“, „Umweltethik“ und „Umweltökonomie“.

Kurzzeitig sah es aber so aus, als würde im nächsten Semester nur noch die Säule „Angewandte Zoologie und Naturschutz“ bestehen.  Schon seit dem Sommer des letzten Jahres ist die Professur für Umweltethik nicht mehr besetzt (webMoritz berichtete am 24. Mai 2012). Und Doktor Volker Beckmann, Landschaftsökonom an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät (RSF), hatte  am 11. Dezember 2012 einen Ruf an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erhalten.

Nachdem Konrad Ott, der ehemalige Professor für Umweltethik, an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wechselte, musste sich der Fakultätsrat der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (MNF) mit der Ausschreibung einer neuen Professur befassen. Zwei Mal lag ein Ausschreibungstext den Mitgliedern vor und beide Male wurde er abgelehnt. Im November des letzten Jahres waren die Semesterwochenstunden zu hoch angelegt worden, zudem wurde mit einer sogenannten „nackten Professur“ gearbeitet. Das bedeutet, dass kein Geld für weitere Mitarbeiterstellen eingeplant war. Im Januar 2013 kam die überarbeitete Fassung; diesmal waren die Semesterwochenstunden heruntergesetzt, allerdings war die Professur immer noch „nackt“. Aus diesem Grund entschied der Fakultätsrat, dass dieser Ausschreibungstext so nicht angenommen werden könne; die Professur braucht eine Mitarbeiterstelle. Die Biologie, zu der die Unweltethik zählt, wurde beauftragt, eine Stelle zu schaffen. Leider gab es bis zum Redaktionsschluss noch keine Reaktion auf Anfragen, woher das Geld für die Mitarbeiter genommen werden soll und ab wann man mit einer Neuausschreibung rechnen könne.

Auf der Universitätshomepage wird der Studiengang angepriesen als „im Aufbau befindlicher Forschungsschwerpunkt“. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die Universität scheinbar nicht um ihn kümmert. „Da es ein interdisziplinärer Studiengang ist, fühlt sich keiner außerhalb unseres Instituts für Botanik und Landschaftsökologie für uns zuständig“, beklagt Antje Gärtner, die im siebten Semester Landschaftsökologie studiert. Denn die Studierenden besuchen Vorlesungen von Dozenten aus der MNF, der RSF und der Philosophischen Fakultät. So auch die von Beckmann. Nachdem er den Ruf erhielt, war es lange nicht klar, ob er die Universität Richtung Halle verlässt oder hier bleibt. Als das Vorlesungsverzeichnis am 15. Februar 2013 herauskam, war er nicht mehr aufgeführt. Doch nun steht fest: Er bleibt. Am 25. Februar bekam er den Ruf, seit dem  7. März  2013 ist er nun Lehrstuhlinhaber der „Allgemeinen Volkswirtschaftslehre und Landschaftsökonomie“ in Greifswald. „Bei einer solchen Entscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle. Zusammengenommen war das Angebot der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald aus meiner Sicht besser als das Angebot der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Greifswald bietet für meine Ausrichtung ein sehr gutes Forschungsumfeld. Die interdisziplinäre Ausrichtung der Professur in Lehre und Forschung sagt mir zu“, begründet er seine Entscheidung.

Nun bleibt abzuwarten, wann die letzte freie Professur, die für die Landschaftsökologen wichtig ist, besetzt wird. Rektorin Hannelore Weber erklärte der Ostseezeitung: „Ich sehe den Studiengang nicht gefährdet.“ Nach einem Gespräch mit ihr teilte auch Succow mit, dass der Studiengang vorerst in Greifswald bleibe. Er sei „vorsichtig optimistisch.“

von Katrin Haubold

Foto: Ralf Roletschek; Fotomontage: Katirn Haubold