Verständlich darstellen ist gar nicht so einfach. Diesem Prinzip hat sich die Sendung“ Quarks & Co.“ verschrieben – und damit auch der kleine Bruder „Quarks & Caspers“.

„Haben Sie mal auf die Uhr gesehen? Es ist schon kurz vor 2013.“ Es ist Dienstag 21 Uhr, es ist Zeit für die letzte Folge im Jahr 2012 von „Quarks & Caspers“ – für mich einer der wenigen Gründe, den Fernseher einzuschalten. „Quarks & Caspers“ ist der kleine Bruder von „Quarks & Co.“, einer schon seit 1993 bestehenden Wissenschaftssendung des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Eigentlich war Ralph Caspers als Urlaubsvertretung für den Moderator von Ranga Yogeshwar gedacht. Aber bei einem Mal blieb es nicht, mittlerweile gibt es mehrere Folgen mit dem quirligen Kindskopf. Besonders gern nutzt man als Konzept der Sendung Rankings à la „ Zehn Dinge über …“, bei denen die Zuschauer die Reihenfolge der Beiträge bestimmen können. So auch bei der letzten Folge von 2012: „100 Dinge, die wir Anfang des Jahres noch nicht wussten“.

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Auch damit beschäftigt sich die Wissenschaft: Ein Forscher aus Cambridge hat es geschafft, den Fall des Pferdeschwanzes zu berechnen. Wichtig hierbei sind die Eigenschaften des einzelnen Haares wie Länge, Dicke oder Gewicht. Herausgekommen ist der sogenannte Rapunzelkoeffizient.

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Bei Schimpansen wurde entdeckt, dass Affen sich an ihren Hinterteilen erkennen. Sehen Sie den Hintern, können Sie das passende Gesicht zuordnen – „eine Art Po-Memory also“.

Sowohl bei „Quarks & Co.“ als auch „Quarks & Caspers“ sollen laut WDR „die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich präsentiert“ werden. Diesem Anspruch werden die Sendungen gerecht. Komplizierte Forschungen werden in kleinen, verdaulichen Häppchen dargestellt, sodass man einen Überblick bekommt, aber nicht überfordert wird. Über 100 Forschungsergebnisse konnten die Zuschauer das letzte Mal abstimmen und zeigen, welches sie als wichtige Erkenntnisse des Jahres 2012 ansehen. Zu sehen gab es das kleinste Mammut, das so groß war wie ein Pony, neue Forschungserkenntnisse zum Autismus oder das leichteste Material der Welt: Aerographit. Die Erstplazierte, die Entdeckung des Higgs-Teilchens bei Genf – obwohl man sich noch nicht sicher ist, ob man wirklich das Higgs-Boson entdeckte – bekam neben einem Pokal sogar einen eigenen Song im Stil von „Gangnam Style“ des koreanischen Sängers Psy. Das Lied hätte man sich allerdings sparen können, da es wie ein verkrampfter Versuch wirkt, um cool und hip rüberzukommen. Lieber sollte man sich auf die Stärken der Sendung konzentrieren: Witzige Computeranimationen, informative Grafiken und interessante Selbstversuche und Experimente – und gute Moderatoren.

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Diesen Frosch haben Forscher in Papua-Neuginea entdeckt. Er ist das kleinste aller Wirbeltiere und wird nicht mal halb so groß wie eine amerikanische Ein-Cent-Münze.

Die Übergänge zwischen Moderation und Beiträgen sind einfallsreich. Entspannt führt Caspers durch die Sendung. Er nimmt sich selbst nicht so ernst, lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen – er hat einfach einen Lausbubencharme, dem man schwer widerstehen kann.

von Katrin Haubold