Rezension

Alleine im Iglo, ganz romantisch und mitten im arktischen Nichts, haben  es sich Mann und Frau am Feuer gemütlich gemacht.  Als es auf einmal klopft. Ein seltsamer Gast tritt ein. Augenscheinlich möchte er sich nur ein wenig am Feuer aufwärmen, doch mit der Zeit wird klar: Der will länger bleiben. Fröhlich packt er seinen Joint aus, holt seinen Flachmann hervor und grölt dazu ein paar Lieder. Der Geduldsfaden vom Gastgeber ist kurz vorm Zerreißen, als dieser auch noch raus in die Kälte zum Holzhacken muss. Hätte er seine Frau mal nicht alleine zurück gelassen, denn nun überschlagen sich die Ereignisse. Ein wildgewordener Eisbär, ein notgeiler Polizist; Lug, Betrug und obendrein noch Verrat. Das Ende ist ein blutiges.

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Das Drama im ewigen Eis ist ohne großes Drumherum auf den Punkt gebracht und auf hundert Seiten recht schnell gezeigt. Ja, gezeigt, nicht erzählt. Denn bei „Der Pinguin“ handelt es sich um einen Comic, der ohne auch nur einen einzigen schriftlichen Dialog auskommt. Walter Moers demonstriert hier auf beeindruckend schlichte Weise, dass auch ein kleines Bild eine komplexe Botschaft unmissverständlich übermitteln kann, wie zum Beispiel „Nein Danke, ich nehme keine Drogen, welcher Art sie auch immer sein mögen.“ Moers, der sonst der Meister des Leseflusses in Romanen wie „Käpt`n Blaubär“ oder „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ ist, geht hier gewissermaßen back to basics.  Zurück zu Comiccharakteren wie „Das kleine Arschloch“ oder „Adolf, die Nazisau“. Der Pinguin erschien bereits 1997, damals noch in schwarzweiß. Aber Blut, das nicht rot zu sehen ist, war dem Autor dann doch zu undramatisch. Und brutal ist der Humor schon, nichts für Mädchen mit Pferdepostern oder schnell pikierte Großtanten.  Der Pinguin ist auch nichts, was Weltliteraturfans zur Buchbesprechung mitbringen würden, aber dafür ist er auch gar nicht gemacht. Er zeigt eine Geschichte, wie sie abstruser nicht sein könnte, die uns aber dennoch zum Schmunzeln bringt, da man die Ereignisse schon irgendwie nachvollziehen kann.  Schön ist auch, dass der Comic selbst in Indien im Bus herumgereicht werden könnte und ihn jeder sofort verstehen würde. Super! Ein Pinguin für die Völkerverständigung.

von Laura-Ann Treffenfeld

Foto: © Patmos