Ambitioniert und extravagant – wie erhellend Unentschlossenheit sein kann, zeigt dieser junge Brite. Unterschiedlichste Musikrichtungen vereint er wie in einem Schmelztiegel zu einem interessanten Sound, der kaum zu beschreiben ist.

Was erhält man, wenn man Queen und Mumford & Sons in einem Topf wirft, kräftig umrührt und mit einer Prise Dudelsackeinfluss garniert? Dem 27-Jährigen britischen Songwriter Charles Costa, genannt „King Charles“, hat genau dies auf seinem Album „LoveBlood“ gemacht.  Man könnte meinen, das Resultat führe zu blutenden Gehörgängen – aber nein. Das Ergebnis ist ein besonderer und einzigartiger musikalischer Ohrenschmaus, der nur von einem Mann kommen kann, der seinerseits an eine Mischung aus Freddy Mercury und Ludwig XIV. erinnert. Erschienen ist das Album zwar bereits 2012, aber es bietet den idealen Soundtrack für den kommenden Frühling und Sommer. Songs wie „Mississippi Isabel“ oder „Love Lust“ laden geradezu ein, sich auf den getreuen Drahtesel zu schwingen und eine Fahrradtour zum Strand oder Hafen zu machen, um sich in herrlichem Sonnenschein dem süßen Nichtstun hinzugeben.

Energiegeladene Tracks wie „Lady Percy“ oder „LoveBlood“ hingegen liefern eine gut gelaunte musikalische Begleitung für die Jogging-Runde über den Wall. Wenngleich das Album bei näherem Hinhören anmutet, als habe der Mann ein ernsthaftes Frauenproblem, schafft er es dennoch seine Songs mithilfe von einer gehörigen Portion Selbstironie und Komik leicht und süß wie Wassereis daherkommen zu lassen ohne dabei kitschig zu wirken. Unterstützt wird er gelegentlich von namenhaften Musikern wie eben Mumford & Sons, die ein Feature zu „The Brightest Lights“ beigesteuert haben. Doch auch vor seinem Debüt als Solokünstler war er musikalisch aktiv. Zwischen Schulchor und Cello üben beginnt er mit 17 eigene Songs zu schreiben und bald folgt die Gründung einer eigenen Band.

Bis zur Trennung 2008 touren „Adventure Playground“ mit Künstlern wie Noah and the Whale und Laura Marling. Auch die deutsche Musikszene wird langsam auf den Ausnahmemusiker aufmerksam. Ende Januar dieses Jahres beispielsweise war er bei ARTE-Tracks zu sehen, wo auch schon Ellie Goulding oder Moneybrother zugegen waren. King Charles‘ musikalischer Mix aus Exzentrik und einem Hang zum Experimentellen hat eine Sound-Wundertüte hervorgebracht, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Liebhaber von Folk und Country kommen ebenso auf ihre Kosten, wie Freunde von Pop und HipHop. Klingt seltsam, aber: Die Mischung macht‘s! Eben wegen diesem schwer zu definierenden Stil lohnt es sich King Charles und „LoveBlood“ eine Chance zu geben und den Musiksommer etwas früher und ein wenig königlicher einzuleiten.

von Sarah Schieder

Foto: © Universal music