Martina Scharfe

Eine der wenigen kleineren Buchhandlungen in Greifswald ist die Buchhandlung Scharfe. Im Jahre 1991 übernahm Martina Scharfe das Geschäft, in dem sie mit zwei Kolleginnen arbeitet. Geboren wurde sie in der Altmark, seit 1984 lebt sie in Greifswald. moritz sprach mit ihr über ihre Lieblingsbücher und die Besonderheiten des  kleinen Buchladens in der Langen Straße.

Wussten Sie von klein auf, dass sie später etwas  mit Büchern zu tun haben wollten?
Ich habe immer sehr gern gelesen. Ich wusste im Prinzip nicht, was ich später einmal machen will. Das es in Richtung Buchhandel geht, war mehr ein Zufall. Ich habe den Laden nun schon 20 Jahre, davor habe ich 21 Jahre in anderen Buchhandlungen gearbeitet – es muss schon die richtige Entscheidung gewesen sein (lacht). Es ist schön, Hobby und Beruf miteinander verknüpfen zu können.

Lesen Sie alle Bücher, die Sie im Laden haben?
Nein (lacht). Da bräuchte man ein zweites Leben oder mindestens die Hälfte des Jahres Urlaub. Wir lesen in die Bücher rein. Wir sind zu dritt und jeder liest etwas anderes. Das ist ganz gut, denn jeder hat so seine Richtung, sodass man sich untereinander austauschen kann. Wenn man etwas für jemanden sucht, berät man sich, was passen könnte. Man kann nicht alle Bücher lesen – leider.

Wann haben Sie sich entschlossen, den Laden zu übernehmen?
Das war 1991 nach der Wende. Es war nicht nur eine freie Entscheidung, sondern die Umstände waren so, dass der Laden verkauft werden sollte. Ich habe dann die Alternativen abgewogen. Arbeitslos wollte ich nicht werden und deswegen dachte ich mir: Probier ich es doch einmal. Und es hat alles geklappt, mit dem Kredit, mit dem Mietvertrag und und und. Das war mehr so ein Schubs in die Richtung, man hätte es natürlich auch sein lassen können.

Sind Sie glücklich damit?
Das schwankt manchmal. Die finanzielle Belastung und der Druck sind sehr groß, als kleine Buchhandlung gegen die großen Buchhandlungen und Internetanbieter zu bestehen. Wir haben auch einen Internetshop seit über einem Jahr, die bestellten Sachen kann man dann bei uns abholen. Aber es ist doch schwierig.

Was macht Ihre Buchhandlung so besonders?
Dadurch, dass wir nicht den großen finanziellen Background wie große Ketten und auch nicht so viel Platz im Laden haben, wählen wir schon sehr bewusst aus, was wir in unser Angebot mit reinnehmen. Wir haben sehr viele Stammkunden, die gern kommen und sich sehr gern beraten lassen – sei es zum Geburtstag, sei es für den Ehemann. Da geben wir uns sehr große Mühe und haben auch gute Erfolge damit. Die Kunden kommen immer wieder und man weiß dann schon: Das könnte für den etwas sein, das könnte für den etwas sein. Ebenfalls sind wir auf die Musikalien spezialisiert; wir haben Kontakte zur Musikwissenschaft, zur Musikschule und zur Kirchenmusik sowie zu den vielen Chören, die es in Greifswald gibt. Das ist so ein Alleinstellungsmerkmal. Man muss wirklich ein bisschen Ahnung davon haben und ich habe eine Kollegin, die sich sehr gut damit auskennt. Dann versucht man halt, ein bisschen individueller zu sein im Service. Aber die Kunden entscheiden, ob das ausreicht.

Kommen viele Studenten zu Ihnen?
Wir haben keine Studienliteratur vorrätig, wir können sie natürlich bestellen. Aber aufgrund der Größe des Ladens und dass wir zwei Buchhandlungen in Greifswald haben, die Studienliteratur führen, haben wir uns dagegen entschieden. Man muss nicht zusätzlich Konkurrenz aufbauen, das wäre gar nicht möglich. Einige Studenten bestellen etwas, die meisten gehen glaub ich schon in die anderen Buchläden. Die Postkarten werden allerdings von den Studenten sehr gut gekauft. Ein Teil kommt sicherlich immer mal vorbei und stöbert, doch der Großteil wird in die großen Buchhandlungen gehen.

Haben Sie einen Autor, den sie besonders gerne lesen?
Es gibt einige Autoren, von denen ich immer alles lese, was ich bekommen kann. Das ist zum Beispiel Martin Suter. Er ist Schweizer und schreibt immer über sehr unterschiedliche Sachen. Den mag ich sehr gern. Und sonst gab es Dick Francis, da habe ich auch alle gelesen. Aber das schwankt, da gibt es mehrere.

Frau Scharfe, Vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katrin Haubold.

Foto: Katrin Haubold