Rezension

Ende Dreißig, unverheiratet, Karriereflaute und zu allem Überfluss: SPECKRÖLLCHEN! Frederike Engelbrecht bleibt aber auch nichts erspart und das alles 326 Tage vor ihrem runden Geburtstag. Und was tut man dagegen?

Ganz genau: man wird scheinschwanger! Wie, noch nie davon gehört? Fräulein Engelbrecht auch nicht – jedenfalls bis zu diesem verhängnisvollen Tag. Man nehme eine Eierscheibe, einen unvorteilhaften Anzug, eine Prise Begriffsstutzigkeit und schon haben wir den Salat! Auf dem Meeting ihrer Versicherungsfirma passiert es dann. In einem Augenblick der Unbedachtheit richtet man sich mit Argusaugen auf Friederikes Bauch. Peinlich! Da will man am liebsten weglaufen oder zumindest von den kleinen Röllchen ablenken. Das denkt auch die Protagonistin und so betitelt sie im Eifer des Gefechts das neueste Projekt der Firma als ihr Baby. Alles halb so wild, lässt sich noch alles aufklären! Als sie jedoch völlig ahnungslos auf die Frage hin, wann es denn so weit wäre, natürlich im Sommer, ist es um sie geschehen. Frederike ist schwanger und das ganz ohne Liebhaber!

„Du sollst nicht falsch Zeugnis von dir geben.“

Das Missverständnis aus dem Weg zu räumen, verpatzt sie. Fortan schlittert die liebenswürdige Ich-Erzählerin von einer „Schwangerenkatastrophe“ in die nächste. Voller Elan und kackfrech berichtet Frederike von ihrem neuem Leben. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige! Wie leicht man es als Schwangere hat. Man kann so viel essen wie man will, man kann so viel schlafen wie man will und noch viel wichtiger: Der sonst so bissige Chef wird zum sanftmütigen Hündchen. Na also; ist doch alles bestens, wenn da nur nicht die schrecklichen Nebeneffekte wären. Anfangs in lustvoller Völlerei gelebt, entdeckt Frederike schnell die Schattenseiten des Schwangerseins. Die Liste der Verbote wird immer länger, genauso wie die Liste ihrer Lügen.

„Selig sind die Barmherzigen. Prost!“

Charmant erzählt Heike Abidi die Geschichte einer Enddreißigerin, die kurz vor ihrer Midlife-Crisis gehörig den Kopf gewaschen bekommt. Und der Leser schlägt sich die Hände über den Kopf und denkt sich: Um Himmelswillen, was macht sie da bloß nur? Fast könnte man die Protagonistin für Zwanzig halten. Einmal Flausen im Kopf, immer Flausen im Kopf. Wie erwartet nimmt auch die Suche nach ihrem Traummann eine überraschende Kehrtwende und belebt die Geschichte von Neuem. Klischees über die Schwangerschaft werden aufgegriffen und ordentlich auf die Schippe genommen, dies sorgt nicht nur bei Frau für Amüsement, sondern auch für den Mann. Für Lacher ist auf jeden Fall gesorgt und die Message ist eindeutig: Wahrheit wird völlig überbewertet.

von Presciosa Alberto

Foto: © Knaur Verlag