Das Greifswalder Festival für nordische Kultur rückt wieder näher: Der Nordische Klang holt unter anderem die englische Künstlerin Kitty Von-Sometime mit ihrem „Weird Girls Project“ in die Hansestadt, um eine Performance und ein Musikvideo mit Greifswalder Frauen zu drehen.

Mal halb oder ganz nackt, mal als Hasen oder Meerjungfrauen verkleidet, aber immer irgendwie ausgefallen – das ist das „Weird Girls Project“ der auf Island lebenden Künstlerin Kitty Von-Sometime. Bei dem Dreh eines Musikvideos oder einer Performance sowie einem Fotoshooting treffen oft fremde Frauen aufeinander, die miteinander agieren sollen. Doch damit nicht genug – die Frauen wissen bis zum Drehtag der Episode kaum etwas darüber, was sie eigentlich erwartet.

Berit Glanz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Fennistik und Skandinavistik, verrät auch nur sehr wenig über den Dreh in der Hansestadt: „Die Greifswalder Episode wird viele Anspielungen auf Caspar David Friedrich beinhalten.“ Sie hatte den Einfall, die Konzeptkünstlerin Kitty Von-Sometime nach Greifswald zu holen. „Mir gefiel die Idee ein Kunstprojekt für den Nordischen Klang zu initiieren, bei dem sehr viele verschiedene Gruppen beteiligt werden“, so Glanz. Und so wirken – neben den Darstellerinnen – auch Maskenbildner, Fotografen, Kameraleute und Kostümbildner an der Entstehung des Videos und der Fotos mit. Die Musik stammt aus der Feder eines isländischen Komponisten. Um wen es sich dabei handelt, wird allerdings nicht preisgegeben. Schließlich soll es für die teilnehmenden Frauen eine Reise ins Unbekannte werden.

Den Körper wahrnehmen

Schon 16 Episoden wurden in den vier Jahren gedreht, die das Projekt besteht. Die meisten davon entstanden auf Island, aber es gibt auch Specials aus China und Mexiko. Bei jeder sind mindestens zwölf Frauen in teils wilden Kostümen zu sehen. Die erste Episode war allerdings nicht darauf ausgelegt, der Beginn einer Serie zu werden. „Je mehr ich kreiere, desto mehr will ich kreieren“, offenbart die Schöpferin Kitty Von-Sometime. Die Engländerin hat dieses Experiment erschaffen, um Menschen „außerhalb der Kunst Kunst werden, Kunst leben, Kunst fühlen zu lassen.“ Jede Episode sei auf deren Entstehung selbst fokussiert, aber auch drauf, wie die Frauen mit sich selbst, miteinander und mit den Kostümen umgehen. Ihr ist bewusst, dass viele Frauen des Spaßes wegen teilnehmen und um lustige Kostüme anzuziehen, das Konzept dahinter jedoch nicht sehen: Das Projekt soll das Selbstvertrauen und Körperbild der Frauen stärken, weswegen auch keine professionellen Schauspielerinnen oder Models in den Episoden auftauchen. Oft höre sie aber auch im Nachhinein, dass die Teilnahme einigen Frauen half, ihren Körper besser wahrzunehmen.

Schüchterne Greifswalder

Unter den Greifswalder Teilnehmerinnen befinden sich die beiden Studentinnen Hendrike Unteutsch und Lisa Plath. Warum sie sich bei dem Projekt beworben haben? „Ich hatte Bilder der Video-Projekte gesehen und fand die Kostüme und die Choreografie spannend. Die Aufnahmen sind total schön und gleichzeitig bizarr. Außerdem gefiel mir, dass so verschiedene Frauen im Mittelpunkt stehen“, erklärt Hendrike. Lisa hingegen findet, dass „es immer gut ist sich aus seiner comfort zone zu begeben und so zu erfahren, was man eigentlich alles erreichen kann.“ Anfänglich war der Andrang, bei der Greifswalder Episode dabei zu sein, nicht sonderlich groß, da die Frauen nicht wussten, was sie erwartet. „Inzwischen haben wir eine lange Warteliste von Interessierten“, freut sich Glanz.

Caspar David Friedrich trifft auf Kitty Von-Sometime und ihre „Weird Girls“ – ein Bild davon kann man sich am 3. Mai 2013 bei der Eröffnung des Nordischen Klangs machen. Im Rahmen des Festivals ist auch eine Gesprächsrunde mit der Künstlerin im Alfried- Krupp-Wissenschaftskolleg geplant sowie eine Ausstellung im Koeppenhaus zu älteren Episoden.

von Katrin Haubold

Foto: © Hellert