Rezension

Stellt euch vor, ein Asteroid befindet sich auf Kollisionskurs mit der Erde, der Aufprall wird alles Leben vernichten. Klar, das braucht ihr nicht, darüber gibt es genug Filme. Aber anders als in „Armageddon“ scheitert die Rettungsmission, und ihr sitzt nun auf Mutter Erde und habt noch drei Wochen zu leben. Was würdet ihr machen? Diese äußerst interessante Perspektive greift „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ auf.

Protagonist Dodge (Steve Carell) ist ein apathischer Langweiler, der am Vorabend der Apokalypse von seiner Frau verlassen wird. Seine Reaktion ist genauso weiter zu machen wie zuvor. Während um ihn herum die Welt beginnt, im Chaos zu versinken, geht Dodge arbeiten, schaut in den Briefkasten und lässt nervige Kupplungsversuche seiner besten Freundin über sich ergehen. Dann lernt er seine Nachbarin Penny (Keira Knightley) kennen und erfährt, dass seine Highschool-Liebe ihn immer noch liebt. Gemeinsam mit Penny macht er sich auf den Weg zu ihr. Der Rest ist ein Roadmovie, der zu 100 Prozent dem Hollywood-Klischee folgt.

Dabei sind Dodge und Penny in einer erstaunlich ruhigen und friedlichen Welt unterwegs. Nicht einmal spannende Ansichten bieten sich ihnen, ganz zu schweigen von abenteuerlichen Situationen. Man könnte meinen, sie fahren an einem ganz normalen Sonntagmittag durch Amerika. Die eine oder andere Szene wirkt surreal oder etwas zynisch, aber alles in allem nimmt der Film sich viel zu ernst.

Was die Charakterentwicklung angeht, so werden jegliche Erwartungen enttäuscht. Immerhin, Carell schafft es, die Zuschauer voll mit seinem Charakter in den Bann zu schlagen: Das gleiche Gefühl der Langeweile und Apathie, das Dodge anscheinend durch sein ganzes Leben begleitet, überkommt auch mich. Knightley spielt ungewohnt ausdrucksschwach und lässt die Spleens von Penny kaum zur Wirkung kommen. Für einen Liebesfilm definitiv zu wenig Charakterspiel. Und auch bei den Nebencharakteren, die auftauchen, fragt man sich nur: Warum wurde für die Gage nicht einfach ein Pappaufsteller besorgt?

Sollte die Welt untergehen, solange ich lebe, so hoffe ich, dass es genauso wird, wie in diesem Film: Ohne existenzielle Fragen, Dramatik, Emotionen und Chaos. Dann kann ich den Weltuntergang nämlich in aller Ruhe verschlafen.

von Erik Lohmann

Foto: © Universal Studios