Das Pommersche Landesmuseum hat seine neue Sonderausstellung „Akt und Landschaft“ mit Bildern von Klaus Ender eröffnet. Bis zum 11. August sind die vornehmlich auf Rügen entstandenen Werke in Greifswald zu sehen.

Wiedererkennungswert ist uns bei dieser Ausstellung ganz wichtig“, betont der Kurator von „Akt und Landschaft“, Mario Scarabis. Damit sind nicht die Frauen, die der Fotograf Klaus Ender abgelichtet hat, gemeint, sondern die typische Landschaft von der Insel Rügen – besonders die Strände mit ihren Kreidefelsen springen einem ins Auge.

Klaus Ender ist 1939 in Berlin geboren. In den 60er Jahren hat es den jungen Hobbyfotografen in den Norden auf die Insel verschlagen. Er arbeitete dort als Bäcker, während er die ersten Aktaufnahmen von Frauen an den vielen FKK-Stränden Rügens schoss und einen Fotoclub in Sassnitz leitete. Auch Landschaftsaufnahmen reizten Ender, weshalb er die beiden Themen miteinander verband – vorrangig in schwarz/weiß. Bis in die 70er Jahre lebte und fotografierte er auf Rügen, bevor es ihn nach Potsdam verschlug und er 1981 die DDR verließ und nach Österreich auswanderte. Öfter ist er mit der Staatssicherheit aneinandergeraten, „denn gerade als freier Fotograf wurde einem das Leben schwer gemacht“, berichtet Scarabis. „Daher ließ er sich darauf ein, als inoffizieller Mitarbeiter zu arbeiten, allerdings fertigte er nie Berichte an von seinen vielen Reisen.“ Auch dieses Thema wird in der Ausstellung thematisiert.

Im Mittelpunkt stehen aber die Fotografien und von diesen besonders die Werke aus den 60er und 70er Jahren. „Wir wollten genau diese Art zu fotografieren zeigen – die Aktmodelle gehen in der Landschaft auf. Die Frauen stehen im Mittelpunkt, dennoch ist in den Bildern einiges mehr zu sehen“, beschreibt Scarabis die Auswahl der Werke, „Wer sich etwas in der Landschaft von Rügen auskennt, wird viele Orte wiedererkennen.“ Darunter zählen nicht nur die Aufnahmen von den Stränden und Wäldern, sondern auch eine Bilderserie, die in dem Jagdschloss von Granitz aufgenommen wurden. Viele Aufnahmen von Ender wurden in Zeitungen wie dem Magazin oder dem Eulenspiegel bereits ab Anfang der 60er Jahre abgedruckt. In den 80er Jahren folgten noch viele weitere Magazine. Eine vielfältige Auswahl ist im Museum ausgestellt.

Fotografien aus fünf Jahrzehnten

Die Ausstellung zeigt aber auch Fotografien aus den Jahrzehnten danach. Nachdem er nach Österreich auswanderte, reiste der leidenschaftliche Fotograf viel. Dabei fällt auf, dass es Ender immer wieder in Gegenden zog, die Ähnlichkeiten zur Landschaft von Rügen hatten. Letztendlich zog es ihn genau dort wieder hin – er lies sich 1996 wieder auf Rügen nieder. Mittlerweile konzentriert sich der über 70-jährige verstärkt auf Landschaftsaufnahmen. Scarabis sagt, dass die Aktfotografie für den Künstler heute viel schwieriger geworden ist. Dies liege unter anderem an der Gesetzeslage, welche das Fotografieren von Aktmodellen komplizierter mache. Seine neueren Aufnahmen zeigen die Veränderung in dem Bereich deutlich. Er arbeitet vornehmlich mit professionellen Fotomodellen zusammen, die eine ganz andere Körpersprache haben, als die Frauen auf den älteren Aufnahmen. Der Kurator Scarabis findet: „Die Bilder aus den 60er und 70er Jahren wirken viel natürlicher und weniger gestellt.“ Dies ist auch ein Grund, warum Scarabis diese Aufnahmen in den Mittelpunkt der Ausstellung stellt. Aber auch der Fotograf selber hat seine Probleme mit den Neuerungen in der heutigen Zeit. Auf seiner Internetseite schreibt er folgendes über seine alten Aufnahmen: „Schauen Sie sich die Bilder so an, wie ich sie empfand und aufgenommen habe – ganz ohne Piercing, ohne Tätowierung und ohne aalglatte Rasur – eben ganz Natur!“

Der Name der Ausstellung ist nicht neu. Bereits in der DDR sorgten Ender und Gerd Rattei mit „Akt und Landschaft“ dafür, dass Aktbilder salonfähig wurden. Die Ausstellung 1975 brach damals die Besucherrekorde und reiste durch die Republik. Der Hobbyfotograf erreichte die Menschen auch über seine Bücher, in denen er verständlich Tipps und Tricks der Fotografie vermitteln konnte.

FIAP-Auszeichnung für Ender

Für das Titelbild der Ausstellung „Die Woge“ von 1969 erhielt Ender eine Auszeichnung der Fédération Internationale de l‘Art Photographique (kurz genannt: FIAP) – dem Dachverband für Amateur- und Profifotografen. Es ist eines der bekanntesten Werke des Künstlers und stammt aus einer kompletten Serie, die den Titel „Das Mädchen und das Meer“ trägt. Die Ausstellung ist eine Reise durch fünf Jahrzehnte der Aufnahmen von Klaus Ender. Einem Fotografen, dem es gelungen ist die Themen Akt und Landschaft zu verbinden, einem Künstler, der viel experimentiert und der mit der Region verbunden ist. Die Fotografien sind bis zum 11. August 2013 immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Pommerschen Landesmuseum zu sehen. Der Eintritt kostet sechs beziehungswiese vier Euro.

von Johannes Köpcke

Foto: © K laus Ender