Rezension

Der findige Gourmet hat es längst erkannt: Es handelt sich um Sushi. Denn um diesen Gourmettrend der letzten Jahre dreht sich der Film „Sushi in Suhl“. Allerdings verlagert er seine Handlung in vergangene Zeiten: Es ist die Geschichte von Rolf Anschütz, der in der DDR das erste und für 15 Jahre auch das einzige japanische Restaurant besaß.

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Ursprünglich wollte der Produzent Carl Schmitt einen Dokumentarfilm über den Koch Anschütz machen, entschied sich jedoch, einen Spielfilm zu drehen. Und der kann sich sehen lassen. Der Film zeigt, was man durch harte Arbeit, den Glauben an sich selbst, aber auch ein bisschen Glück erreichen kann. Die Liebe zum Essen ist das zentrale Thema – und die lässt sich auch durch die Bemühungen und Reglementierungen der DDR-Obersten nicht kaputt machen.

Anschütz (Uwe Steimle) führt mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) die HO-Gaststätte „Waffenschmied“ in Suhl, die thüringische Hausmannskost anbietet und ihre Lebensmittel von der Handelsorganisation (HO) zugeteilt bekommt. Durch eine Gutenachtgeschichte für seinen Sohn entdeckt er seine Faszination für Japan und das japanische Essen. Mit Feuereifer beginnt er, seine eigene japanische Küche aufzuziehen – was nicht ohne Reibereien mit Ingrid und natürlich der HO bleibt. Doch mit vielen Ideen und Improvisationstalent schafft es Anschütz und sein Japanrestaurant wird über die DDR-Grenzen hinaus berühmt. Zugleich sieht die DDR-Führung mit dem Restaurant die Möglichkeit, die außenpolitischen Beziehungen zu Japan zu verbessern.

Für heutige Zeiten unvorstellbar wirken die Szenen der HO-Führung, die das Restaurant für politische Zwecke nutzen will: Anschütz wird nach Japan eingeladen? – nein, die DDR müsse ihn in das Land schicken; Anschütz soll einen Orden vom japanischen Kaiser bekommen? – das geht nicht, zuvor müsse er einen (vor allen Dingen größeren) Orden der DDR verliehen bekommen. Witzig und beeindruckend sind auch die Improvisationen: Da werden die Kimonos aus Kittelschürzen genäht und kurzerhand gibt es eben Chichigayu Koi Makisu – Sushi aus  Milchreis und Karpfen. Der Film ist absolut empfehlenswert, denn er gewährt einen Einblick in die Lebensumstände in der DDR und vergisst dabei nie die Liebe zum Essen.

von Katrin Haubold

Foto: © StarCrestMedia