Im Caspar-David-Friedrich-Institut im Bereich der „Bildenden Kunst“ zeichnen sich seit einiger Zeit Probleme ab, für die sich bisher keiner richtig zuständig zu fühlen scheint.

Der Lehrstuhl für „Angewandte Kunst“, derzeit besetzt von Professor Felix Müller, ist bis 2015 befristet und entfällt danach. So bleiben nur noch zwei der vormals drei Professuren erhalten. Angesichts des Finanzlochs der Universität (moritz berichtete in Heft 104) ist das Auslaufen der Befristung jedoch nicht überraschend. Dennoch stellt sich die Frage, ob so die Studienqualität weiterhin geleistet werden kann.

Eindeutige Regelung fehlt

Professoren sind nach neuer Regelung für 18 Semesterwochenstunden  (SWS) angestellt, nach alter für zwölf Stunden. Die neue Regelung kommt durch das Landeshochschulgesetz zu Stande. Darin heißt es, mit Kunstprofessoren sei so zu verfahren wie an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock. An der HMT ist unter anderem Einzelunterricht Programm. An Kunsthochschulen und -akademien findet die individuelle Betreuung jedoch als Coaching in Klassen statt. Dabei lernen die Studenten nicht ausschließlich vom Professor, sondern auch voneinander. Sie regen sich gegenseitig an und geben ab und zu auch den Lehrenden neue Impulse. Der Professor korrigiert im Einzelgespräch, gibt Tipps, zeigt Möglichkeiten auf und hilft bei Problemen. Er erforscht selbst durch künstlerisches Arbeiten die unzähligen Möglichkeiten und kann somit den Studenten praktisch Strategien und Methoden für weitere Projekte vermitteln. In Vorlesungen und Seminaren wird hingegen hauptsächlich theoretisches Wissen übermittelt. Die Praxis braucht Zeit. Bei zwei SWS muss man wie im schulischen Kunstunterricht schon aufhören, ehe man richtig mit dem Arbeiten beginnen kann.

Die 18 Stunden an Akademien wurden ursprünglich eingeführt um die Künstlerprofessoren zu mehr Engagement vor Ort zu motivieren, da einige ihre Aufgaben nicht voll erfüllten. Weiterhin sind an den Hochschulen wesentlich mehr Professoren pro Bereiche tätig.

Im Landeshochschulgesetz von Mecklenburg-Vorpommern wird aber nicht erläutert, wie die Betreuung im Kunststudium auszusehen hat. In anderen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, müssen die Professoren im künstlerischen Bereich 15 bis 20 Studierende im Jahr betreuen, damit sie ihren Lehrauftrag erfüllen. Durch das Einführen der 18 Stunden-Reglung am Caspar-David-Friedrich-Institut wird ihm Akademiestatus anerkannt. Somit müssten sogar mehr Professoren angestellt werden, um die 150 bis 200 Studierenden im Bereich Bildende Kunst angemessen zu betreuen. Momentan steht die Modul- und Seminarstruktur dem Klassenverband an Kunsthochschulen in Widerspruch. Ebenfalls problematisch ist, dass für diese Form des Unterrichts in Greifswald nicht genügend Atelier- und Werkstattplätze vorhanden sind.

Strukturen und ihre Überraschungen

Durch die Bachelorstrukturen im Studiengang Bildende Kunst wird den Studierenden des Fachs die Möglichkeit genommen, ihren Master beziehungsweise die Meisterklasse an den Kunsthochschulen ablegen zu dürfen. Aufgrund des Zweitfachs und der zu erfüllenden General Studies wird nicht die nötige Intensität im Kunststudium erreicht. Als Bewerber weiß man das nicht unbedingt und bekommt Probleme, wenn man sich nach erfolgreichem Abschluss woanders bewerben möchte.

Vor allem die Studierenden des Lehramts Kunst und Gestaltung erleiden einen starken zeitlichen Engpass. Sie müssen im Grunde vier Teilstudiengänge absolvieren: das Kunststudium, die Kunstgeschichte, das Lehramt-zweitfach und die Erziehungswissenschaften. Dementsprechend wenig Zeit bleibt ihnen zwischen den einzelnen Veranstaltungen.

Eine Stundenumverteilung von der wegfallenden Professur ist nicht möglich. Die Bildende Kunst deckt sehr viele Bereiche der Kunst ab, die Malerei und Grafik, Neue Medien sowie Plastik und Theoretisches Wissen beinhalten. Fällt einer davon weg, wie wird dieser ersetzt? Aufgrund der Anstellungen würde man die Stunden nur auf den Professor für Theorie und Praxis abwälzen können. Anscheinend wurde hier von den Stunden wissenschaftlicher Professoren ausgegangen. Diese leisten acht SWS über Veranstaltungen ab, den Rest in der Forschung. Letzteres würde bei dem Künstler entfallen. Also packt man die Stunden der einen Professur einfach auf die andere mit drauf und hat damit fast die 18 Stunden beisammen. Nebenbei lässt sich dann auch das Geld für eine Professur einsparen. Wie bereits zuvor geschildert ergeben sich die 18 Stunden bei Kunstprofessuren aber durch andere Arbeitsweisen. Außerdem sind die Bereiche der einzelnen Professuren sehr umfangreich. Der Professor für Theorie und Praxis muss bereits mehrere Werkstätten betreuen, unter anderem Keramik, Bildhauerei, Metall- und Holzbearbeitung. Die Professur, welche wegfallen soll, lehrt Malerei, Zeichnung, Druckgrafiktechniken wie Lithografie und Grafik-Design. Die beiden Bereiche zusammen zu führen ist, als möchte man Süßwasserfische gemeinsam mit Salzwasserfischen in einem Becken halten. So müsste ein einzelner Professor hier in Greifswald an drei verschiedenen Standorten mit mehreren Werkstätten gleichzeitig arbeiten. Es ist fraglich, ob dies überhaupt mit einem entsprechenden Zeitmanagement machbar wäre.

Dabei würde sich aber als weiteres Problem ergeben, dass 18 SWS umgesetzt als Seminarstunden der Praxis an Fachhochschulen entspräche, nicht der einer Universität.

Was die Zeit bringen mag

Professor Ulrich Puritz, Lehrstuhl für Bildende Kunst für Theorie und Praxis, geht Ende März nächsten Jahres in Pension. Die Vorstellungsgespräche für seine Nachfolge sind bereits in Gange wegen der anschließend folgenden, zeitaufwändigen Gutachterarbeit. Die Ausschreibung deckt aber schon beide Bereiche im Falle des Professurwegfalls ab. Eine wünschenswerte Lösung für das Institut wäre aber dennoch die drei Professuren so wie gehabt bei zu behalten und auch eine einheitliche Regelung für die Lehrform zu finden, mit der alle einverstanden sind.

Bleibt es beim Wegfall der Professur Angewandte Kunst, muss die Zahl der annehmbaren Neuanfänger reduziert werden. Allerdings ist die Zahl der Studenten, die ein Studium des Bachelor of Arts „Bildende Kunst“, des Masters of Arts „Bildende Kunst“ und des Lehramts „Kunst und Gestaltung“ beginnen, auch immer von ihrer Eignung abhängig, wodurch die Zahlen ohnehin einer Schwankung unterliegen. Mit weniger Studenten wäre aber ein Akademie-Status eventuell leichter umsetzbar. Jedoch müssten dafür auch die Studienbedingungen angepasst werden. In Anbetracht dessen, dass die Universität eigentlich mehr Studenten nach Greifswald locken möchte, ist es fraglich, ob wirklich alles richtig durchdacht und von der Universität so gewollt ist.
Wie es weiter geht, ob die Status-Frage geklärt wird und die Professur erhalten bleibt, ist im Moment nicht abzusehen.

von Lisa Sprenger

Grafik: Lisa Sprenger