Unistress, Panik vor den Klausuren, lästige Bibliotheksbesuche und muntere Kochabende mit der WG wird es wohl weiterhin geben. Doch wie verändert sich der Uni-Alltag, wenn man die Zeit vorspult? Hier ein kleiner Vorschlag meinerseits.

Da soll man sich nun also überlegen wie die Uni im Jahr 2033 aussehen wird. Tja, schwer zu sagen, wenn man selbst gerade in den letzten Atemzügen des Bachelors steckt. Mir sind dennoch ein paar Dinge eingefallen. Los geht also die Zeitreise.

Zunächst einmal, liebe Zeitreisende, stellt euch vor, dass der neue Campus in der Loefflerstraße bereits existieren könnte. Ja, ihr habt richtig gelesen. Leider werden die Studenten von später nicht häufig die Gelegenheit haben diesen wahr zu nehmen, geschweige denn zu genießen. Seit der Bachelor nur noch zwei Jahre dauert, bewegen sich die Lernwilligen auf Fließbändern, wie man sie bereits von heutigen Flughäfen kennt, über die Flure und Außenanlagen. Der Weg zu Fuß ist kaum noch möglich, da jeder mit hochtechnisch ausgestatteten Brillen durch die Uni-Welt wandert, um den Lernstoff noch irgendwo unterzubringen. Stetig flimmern PDF oder andere Dateiformate über die Gläser und speziell entwickelte Augentropfen verhindern Langzeitschäden. Unterstützend sind die Bücher und Aufsätze der schlausten Menschen selbstverständlich nur noch digital zu beziehen. Die Bibliothek ging ebenfalls mit der Zeit und hat sich ein wenig verändert, um es milde auszudrücken. Die Bücherregale und der staubige Geruch mussten überdimensionalen Tablets weichen, die jedem die Möglichkeit bieten, die nötige Literatur auf die eigene Technik zu übertragen. Leseplätze findet man nur noch vereinzelt, denn der Student von später steht, geht oder erledigt wichtige Dinge während des Bücherverzehrs. Die Papierversionen lagern nun in unterirdischen Archiven; Einsicht bekommen Studenten nur noch per Antrag, selbstverständlich in Form eines Online-Formulars. Einzelnen sind die wundersamen Bücher noch aus ihrer Kindheit bekannt, doch für den Uni-Alltag werden sie nicht mehr benötigt.

Mit Aufputschmitteln und Segways in die Uni

Eine traurige Entwicklung hat ebenfalls die Infrastruktur unseres kleinen Studienorts miterleben müssen. Greifswald hat seinen Status als Fahrradstadt eingebüßt. Die alten Drahtesel sind Segways, Hightech-Rollern mit Elektroantrieb, gewichen. Seitdem düsen die Studenten durch die Innenstadt, denn Effizienz ist in diesen Zeiten das A und O. Die Studentencafés sind dementsprechend ruhig, obwohl Koffein und andere Aufputschmittel Hochkonjunktur haben. Beispielsweise bekommt mittlerweile jeder Ersti ein Starterkit, in dem neben der Techno-Brille auch gleich die ersten Einheiten Ritalin enthalten sind. Kondome und Zahnbürsten sind aus den Erstibeuteln verschwunden. Dafür verteilt die Rathaus-Apotheke nun Proben der gängigsten Einstiegsdrogen. Ohne künstlichen Schlaf geht im Jahr 2033 gar nichts mehr.

Die Mensa hat diesen enormen Zeitdruck natürlich auch bemerkt und spätestens nachdem das Gebäude am Beitzplatz schon 2019 wieder eingestürzt ist, gab es Handlungsbedarf. Das nette Personal wurde gegen eine ganze Reihe Automaten getauscht. Jeder Hungrige stellt sich nun vor einem der Essensmonster auf, je nachdem welches Mahl gewünscht ist. Nachdem die Karte durch das Lesegerät gezogen wurde, fällt ein vorgeformtes Tablett aus dem Gerät und wird danach automatisch befüllt. Lecker sieht anders aus, aber dafür gibt es kein Gramm zu viel und kein Gramm zu wenig. Gegessen wird im Stehen, das geht laut Studien schneller.

Besonders spannend sind die Vorlesungen, wenn man sie denn weiterhin so nennen wird. Um die Qualität der Lehre zu erhöhen, lesen nun auch renommierte Dozenten aus aller Welt in unserem Audimax. Die Hologramm-Technik macht es möglich. Hinter jedem Pult finden sich in 17 Jahren in den Boden eingelassene Scheiben, aus denen Lichtkegel das genaue Abbild der Dozenten projizieren. Für uns Zeitreisende ein seltsames Bild, doch in der Uni von morgen bereits Alltag. Studenten, die den alten Zeiten nachhängen und Angst vor den Strahlen haben, tragen silbern schimmernde Anzüge. Die Mode war ja schon immer wandelbar.

So könnte das nun ewig weitergehen, doch an dieser Stelle muss ich unseren kleinen Ausflug erst einmal beenden. Ihr dürft nun die Kapsel verlassen und die Gegenwart genießen, solange ihr noch könnt und eventuell entspringen eurer Phantasie ja auch noch ein paar Horrorszenarien.

von Lisa Klauke-Kerstan

Grafik: Kim-Aileen Kerstan