Hans-Jürgen Jauernig

Ein alter Seebär ist Hans-Jürgen Jauernig. Er ist einer der Kapitäne der Sund- und Boddenreederei Stralsund, unter deren Flagge die Fahrgastschiffe „Stubnitz“ und „Breege“ in Greifswalder Gewässern fahren. Der gebürtige Thüringer lebt seit 1964 an der Küste und war bis 1992 Nautischer Offizier bei der Volkswerft Stralsund. Seit 20 Jahren betreibt er nun mit seiner Frau die kleine Reederei.

War es schon immer Ihr Lebenstraum gewesen, zur See zu fahren?
Ja, das stand bei mir seit dem achten Lebensjahr fest. Dass ich allerdings einmal ein Fahrgastschiff fahre und den Leuten etwas über die Gegend erzähle, das hätte ich mir vor 22 Jahren nicht träumen lassen. Da habe ich immer noch gedacht: In der Volkswerft kann ich bis zur Rente arbeiten.

Haben Sie viele Seefahrerabenteuer gelesen oder wie entstand dieser Lebenstraum?
Meine Verwandten in Thüringen hatten eine Wassermühle. Die war zwar zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr in Betrieb, aber der Bach floss ja noch. Und wenn ein Achtjähriger da Ferien macht, was macht der dann wohl? Der spielt am Bach. Und womit spielt er am Bach? Nicht mit Autos, mit Schiffen. Und so mag das vielleicht entstanden sein. Ich kann es nicht genau sagen; ich wollte jedenfalls immer aufs Wasser und dabei bin ich geblieben und habe mich davon nicht abbringen lassen. Die einzige Forderung meines Vaters war, dass ich mindestens Offizier werde. Ihm hätte ja die technische Laufbahn  gefallen, aber mir nicht. Mir hat die Nautik gefallen, weswegen ich auch Kapitän wurde.

Wo sind Sie herumgekommen?
So sehr viel rumgekommen sind wir als Fischer nicht. Wir sind natürlich in Norwegen, Schweden und England gewesen, das war eben unser Einzugsbereich. In der Zeit in der Volkswerft in Stralsund, bei der Erprobung der Schiffe waren diese zwar größer – das größte, das ich gefahren bin, war 7 000 Tonnen – aber da legten wir nirgendwo an. Es wurde geprobt, dass zum Beispiel das Schiff das Netz auf 3 000 Meter Tiefe runter bekommt und ob die Echolote das anzeigen. Wir sind zwar bis zum Nordatlantik, aber wir haben keine Häfen angelaufen.

Fahren Sie, wenn Sie in den Urlaub fahren, auch auf See?
Wissen Sie, seitdem wir dieses Unternehmen haben, haben wir ein- oder zweimal Urlaub in Bayern und Österreich im Winter gemacht und sind einmal im Herbst ins Rheinland an die Mosel gefahren. Zu mehr hat es nicht gereicht. Im Winter muss das Schiff fertig gemacht werden, so um Weihnachten, Neujahr – da wissen Sie, was Sie von Weihnachten und Neujahr haben und auch, was sie an Urlaub haben. Ich sag mal so: Hiermit machen Sie keine goldenen Uhren. Wenn das ein lukratives Geschäft wäre, können Sie sich sicher sein, dass man eine kleine Reederei wie die unsrige rausgedrängt hätte. Da es aber nicht so lukrativ ist, haben wir unsere Ruhe. Aber es ist natürlich schwer, sich zu halten. Bloß wenn wir uns alle hinsetzen und auf Hartz IV warten – wer bezahlt denn das dann? Es müssen ein paar noch etwas tun. Und wir sind noch so erzogen worden, dass wir etwas tun müssen.

Haben Sie Stammgäste?
Ja, auf jeden Fall haben wir unsere ‚Wiederholungstäter’. Wir sind vorher in Stralsund gefahren. Dort waren es vermehrt die Touristen, die mitgefahren waren und einige Stralsunder. Hier in Greifswald habe ich das Gefühl, das es in erster Linie Greifswalder sind, die mit ihren Gästen fahren. Dazu kommen Institutionen wie das Klinikum und die Uni. Außerdem sind wir auch als Fährlinie nach Ludwigsburg aktiv. Man kann die Fahrräder mitnehmen und dann mit uns quer rüberfahren über die Dänische Wieck.

Haben Ihre Kinder auch den Berufsweg eingeschlagen?
Leider nicht. Wir sind eine Patchworkfamilie. Meine Kinder sind schon über 40 Jahre alt, die haben alle ihr Auskommen. Die Kinder meiner Frau sind in dem Alter, in dem sie ausgelernt haben und hier arbeiten könnten. Das hatten sie auch schon getan, aber es war nichts Langfristiges. Wir haben da also wenige Chancen, einen Nachfolger zu finden. Aber  zum Glück ist meine Frau jünger als ich, sie wird das noch eine Weile machen und vielleicht findet sich dann noch jemand.

Herr Jauernig, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Katrin Haubold und Anne Sammler.