Die klassische Lehre im heimischen Hörsaal scheint nicht mehr das Hauptaugenmerk aller Universitäten zu sein. Immer häufiger erschliessen sie den Handel mit dem eigenen Namen als Wirtschaftszweig. Sei es auf einem T-Shirt gedruckt oder als Gütesiegel auf einem Campus am anderen Ende der Welt.

Das Universitäten freudig ihr heimisches Merchandiseangebot ausbauen, ist nichts Neues. Längst hat sich das stolze Tragen von T-Shirts mit dem ehrwürdigen Universitätslogo und das heitere Verschenken der gekennzeichneten Tassen zu Weihnachten an die ganze Verwandtschaft etabliert. Warum auch nicht: Meist sieht das Ganze schick aus und besonders die Großeltern sind ganz stolz darauf, wo ihre Enkel denn studieren. Seit einigen Jahren scheint es, dass das Motto „Universität als Marke“ auf eine ganz andere Ebene gehoben wurde. Die Zeiten, in denen die Studenten der „besseren“ Universitäten stolz erhobenen Kopfes durch die historischen und mit Efeu berankten Gebäude geschlendert sind, neigen sich scheinbar nun dem Ende.

Harvard-Campus in Shanghai

Bereits im Juli 2008 kündigte die Universität Harvard an in Shanghai ein Büro eröffnen zu wollen. Daraus ist inzwischen das Harvard Center Shanghai, eine Außenstelle der Harvard Business School, geworden. Nun können die Volkswirte von morgen ihren Horizont in Shanghai erweitern, ohne das Gütesiegel „Harvard“ von ihrer Ausbildung streichen zu müssen. Man bleibt eben gerne unter sich und, unabhängig vom Ort, seiner Zunft treu. Dabei wird der Universitätsname so offensichtlich als Markenname benutzt wie noch nie zuvor. Frei nach dem Motto: So lange der Name stimmt, folgt die Qualität der Lehre und Forschung automatisch. Harvard blieb mit diesem Projekt jedoch kein Einzelfall und inzwischen kann festgestellt werden, dass sich um genügend Bewerbungen an diesen Außenstellen keinerlei Sorgen gemacht werden muss. Die Universitäten werden bei ihren Expandierungskursen durch die starke Nachfrage nur bestätigt.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob dieses Vorgehen auf Dauer nicht ein Attraktivitätsverlust der einst so beliebten Ursprungsorte der wohl bekanntesten Universitäten mit sich bringt. Wenn man den Elitecampus seiner Universität nach Wahl in den neuen Metropolen der Welt vorfindet, was bewegt einen dann noch dazu, in die verträumt kleinen Ursprungsstätten zu gehen? Das sonst so große Traditionsbewusstsein wird ganz progressiv herunter gebrochen und zwar wieder nur auf den Namen. Viele der Campusse haben sprichwörtlich selbst Geschichte geschrieben, so zum Beispiel Harvard  mit facebook, Stanford mit google oder auch etwas älter: Padua mit dem Thermometer. Werden diese Universitäten in Zukunft zu reinen Verwaltungsgebäuden, von wo aus die Fäden für die weltweiten Zweigstellen gezogen werden? Schade wäre dies allemal.

Gütesiegel EMAU ?!

Um sich über den heute attraktiven Marktwert von Universitätsnamen bewusst zu werden, muss man gar nicht erst in der Ferne suchen. Bei uns reicht auch ein Blick vor die eigene Haustür: Die Riemser Arzneimittel AG unterstützt seit September 2012 eine Stiftungsprofessur an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität (EMAU). Und wenn man sich heute über diese besagte Arzneimittel AG informieren möchte, kommt man um eine Pressemitteilung zur besagten finanziellen Unterstützung gar nicht herum. Wie ein eigens kreierter Werbebanner prangt die Pressemitteilung mit vollständiger Universitätsnamensnennung auf der Hauptseite. Auch in Vorpommern scheint der Handel mit Universitätsnamen angekommen zu sein. Fest steht ohne Frage: Schaden tut es bestimmt nicht, sich das universitäre Gütesiegel aus dem Ärmel ziehen zu können.

Aber auch in Sachen universitäre Außenstelle steht unsere Universität den Eliteunis dieser Welt in Nichts nach: Seit 2002 darf sich die EMAU in die Reihe von insgesamt 17 deutschen Universitäten einordnen, die ein Dependance im Ausland haben. Das Joint Education and Training Centre sitzt in Hanoi, Vietnam, und bietet unter anderem vietnamesischen Studenten die Möglichkeit sich auf ein Studium in Greifswald vorbereiten zu können. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis man in Hanoi auch einen kompletten Bachelorabschluss der Universität Greifswald absolvieren kann. „Dort studieren, wo andere Urlaub machen“ bekommt dann gleich noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

von Nathalie Rath

Grafik: Lisa Sprenger