Genau diese Frage stellte sich mir, als ich auf „rentaRentner.de“ stieß. Freunde hatten mir von dieser Seite erzählt, auf der ältere Leute ihr Wissen und Können anbieten, um dem Trott des Älterwerdens zu entfliehen und ihre Rente ein wenig aufzubessern.

Die Internetplattform ist so eingerichtet, dass sich Leute ab 50 Jahren kostenlos anmelden können, um ihre jeweiligen Fähigkeiten in den Bereichen Beraten, Handwerken und körperliche Arbeit, sowie Beibringen und Unterstützen weiterzugeben. Diese Überbegriffe gliedern sich wiederum in weitere Teilbereiche auf, unter denen man dann den für sich in Frage kommenden Rentner in seiner jeweiligen Umgebung suchen kann.

„Nicht verzagen – Rudi fragen“

Leider ist der Trend in Greifswald noch nicht angekommen, aber ich gebe nicht auf und suche, was ich in meiner Nähe so finde. Bei meiner Suche stoße ich auf Künstler, Architekten und andere Menschen mit interessanten Lebensläufen. So entdecke ich den sympathisch wirkenden Herrn aus Stralsund, dessen Motto lautet „Nicht verzagen – Rudi fragen“ und eine ältere Dame namens Rosi aus Berlin, deren Enkelkinder meinen, sie sei eine ganz Liebe. Doch wie kam es überhaupt zu der Seite?

Die Idee für „rentaRentner.de“, das im August letzten Jahres online ging, entwickelte der ehemalige Germanistikstudent Jonas Reese bereits Ende 2006. Damals stand sein Vater kurz vor der Pensionierung und gleichzeitig vor der Entscheidung, was er nun mit seiner freien Zeit anfangen sollte. Gemeinsam mit Lutz Nocinski starteten sie dann durch, nachdem Lutz den Aufbau der Seite vorerst alleine ins Rollen brachte.
Leben können die beiden Entwickler aber vorerst nicht von ihrer Idee. Im Gegenteil, auf den Betrachter der Homepage wirkt es, als setzen sie ihren Glauben nicht in den vielleicht zu erzielenden Umsatz, sondern in die Idee an sich, denn die Seite ist nicht nur für die „Rentner“ kostenlos. Auch als Suchender kann man kostenlos stöbern. Wie hoch dann der Preis für die jeweils gefragte Leistung ist, handelt man dann unter sich aus. Dadurch wird eine Haftung ausgeschlossen, denn Reese und Nocinski stellen lediglich die Oberfläche zur Verfügung und fungieren nicht einmal als Vermittler, wie man aus einem Spiegelartikel vom 17. November 2012 erfährt. Dadurch wird den Rentnern, sowie denen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen möchten, gleichzeitig eine gewisse Anonymität gegeben. Erkennbar ist dies auch daran, dass die Profile der Anbieter schlicht gehalten sind. Sie brauchen nur wenige Informationen angeben und müssen auch kein Foto von sich hochladen.

Was mich persönlich an der Seite angesprochen hatte, war ein kleiner Comic über Tobias und Karl, die erklären, wie das Konzept von „rent aRentner.de“ funktioniert. Karl verkörpert dabei einen Mann, der seit kurzem im Ruhestand ist und neben seinen Hobbys einfach auch gerne mal wieder das Gefühl hätte, gebraucht zu werden. Tobias hingegen sucht jemanden für seine Steuererklärung, da er selbst keine Zeit dafür aufbringen möchte. Jedoch kostet ihn ein noch tätiger Steuerberater viel zu viel Geld und so sucht er bei der Seite „rentarentner.de“, die ihm kürzlich ein Freund empfohlen hatte und trifft dabei auf Karl.

Oma zum Kuchen backen gesucht

Das Szenario, das nun möglich ist, ist weniger ungewöhnlich, als ich es auf den ersten Blick vermutete. Vielleicht ist es ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft und der Zusammenarbeit von jung und alt. Leider suche ich immer noch vergeblich nach einer kleinen, rüstigen Omi, die mir einen Kuchen backt. Aber ich finde beim weiteren Stöbern Frau Reese aus Bad Kreuznach, die mit einem Spruch wirbt, der mich auf den Gedanken bringt, sie mal anzuschreiben: „Wenn Sie richtig ticken, kann ich für Sie stricken“.

von Ulrike Günther

Grafik: Ulrike Günther