Rezension

Bis in die Puppen schlafen, abends mit Freunden in die nächstbeste Kneipe gehen und natürlich die Liebe seines Lebens findet man auch noch in der Uni – so sieht doch das typische Studentenleben aus. Im ersten Semester sieht man dann aber schnell, dass es doch nicht ganz so rosig ist. Trotzdem läuft Benjamin Brückner genau in die typischen Klischees rein, zeigt diese auf und zieht sie ins Lächerliche.
Jedes der Themen wird behandelt, egal ob es um den Studiengang, die einzelnen Institutionen oder sogar das Leben in den Studentenwohnungen geht. Man merkt, dass er selbst vor kurzem erst die Hörsäle der Universität besucht hat. So erschreckend ist doch, dass viele seiner Thesen auf einer gewissen Wahrheit beruhen.

„La Familia, La Cosa Nostra – der Fachschaftsrat, kurz FSR genannt, ist neben dem StudentInnennInInesInnenenrat eine weitere zwielichtige Illuminaten-Organisation und Auffangbecken für orientierungslose ehemalige Klassensprecherstreber und Dauerbesserwisser. Ähnlich wie die Tempelritter stehen sie im Verdacht, die Drahtzieher einer Kommandoverschwörung zur Niederreißung der akademischen Herrschaftsstrukturen zu sein. Hier gedeiht die Ellenbogenmentalität wie die Reispflanze im Wasser.“

Egal, ob man das Buch morgens in der ersten Vorlesung oder abends auf einer langweiligen Party im nicht mehr ganz nüchternen Zustand liest, mit Schriftgröße 16 schafft man es immer, die einzelnen Buchstaben zu erkennen. Zusätzlich wird der Text mit Illustrationen unterstützt. Die Zeichnungen zeigen ebenfalls die alltäglichen Szenen von Studenten – sarkastisch und mit schwarzen Humor. So saugen die Studenten an der Brust von Lady BAföG um über die Runden zu kommen. Auch die Zeichnungen lassen den Leser ein Schmunzeln über die Lippen bringen.

„Das Humboldt‘sche Bildungsideal beschreibt das Studium als ein mündiges selbstständiges Streben, eine Tätigkeit des freien Denkens. Und doch thront über alledem ein Herrscher – König Alkohol. In jeder erdenklichen Variante zeigt er sich dem Volke – in Bars, Studentenkellern, Supermärkten, Spätverkaufen, bei Freunden und bei Feinden. Es findet sich immer ein Grund zum Saufen. Insbesondere der Student muss seine Freizeit sinnvoll und geistbefreiend einteilen. Was die Leber plagt, erleichtert das Gehirn.“

Brückner schafft es, das Studentenleben auf die Schippe zu nehmen und es in seiner breiten Facette darzustellen. Mit Witz und Charme ist dieses Buch ein idealer Begleiter durch das Studium und kann so manch langweiligen Unitag interessanter gestalten.

von Corinna Schlun

Foto: © Engelsdorfer Verlag