Kolumne

Ironie, lateinisch ironis – eisern, ist eine Erscheinung, die mir nun seit vielen Jahren ein treuer Begleiter ist. Die vielen verschiedenen Variationen machen sie für mich so unglaublich attraktiv und ich möchte gern ein wildes Wochenende mit ihr in Barcelona oder einem anderen angesagten Hotspot verbringen. Ich möchte mit ihr angeben und mich so großartig fühlen, wie ein richtiger Weltenbummler. Ich glaube, wer der Ironie nicht mächtig ist, dem fehlt ein Stück des goldenen Lebens, dem fehlt vielleicht auch eine gehörige Portion Intelligenz oder vielleicht sogar Potenz.

Ich hörte oft, die Ironie ist eine getarnte Form der Lüge, ein Ausdruck von Verbittertheit und dass sie auch stinkt, wenn man sie zu oft gebraucht. Aber Ironie ist so viel mehr. Oft schon hat sie mich vor unendlichen Gesprächen gerettet, die inhalts- und belanglos waren. Sie zeigt mir den Weg und auch die Menschen, denen ich begegnen will, mit denen ich sprechen möchte – ganz philosophisch, wie ich es nun einmal bin. Wenn ich nun sagte, „Ich bin der Tollste“, so sah ich Menschen, die sich wegdrehten und hörte oft das harte Z der Arroganz, das hinter vorgehaltener Hand hervorgetuschelt kam.

Welcher Mensch sagt öffentlich: „Ich bin der Tollste“? Der muss doch arrogant sein. Das finde ich auch, aber die Ironie ist auch in der Stimme zu erkennen, in der Mimik, Gestik, in allem Drum und Dran. Die Wahrheit ist meist weniger ernst als man vermutet. Arrogant bin ich manchmal tatsächlich, ich tue es meistens heimlich, weil es mir peinlich ist.

Die Ironie schützt mich oft davor die Haltung zu verlieren, die Fassung und auch mein Selbstvertrauen. Am Ende wollen wir doch alle ein gutes Bild abgeben; wir wollen stark wirken und leidenschaftlich und motiviert und viele auch potent, philosophisch oder neuerdings auch vegetarisch. An dieser Stelle liebe Grüße an alle Fleischfresser.

Ironie wirkt weder bescheiden noch überheblich; wer sie richtig betreibt, der kann Gelächter ernten oder Gleichgesinnte leichter finden. Ironie verbindet, aber sie trennt auch, denn nicht jede Form ist gleich, nicht jedes Wort ist gleich gesagt und manchmal ironisiert man aneinander vorbei und es ist ebenso peinlich wie der erste Kuss. Für mich ist es tatsächlich ein Gefühl des Kusses, ohne das man sich berührt; nur die Worte stellen eine Bindung dar, eine innige Berührung, einen Code, der persönlich ist und nicht abgepackt und zugänglich für jeden Menschen.

Wem ich mit Ironie begegnen kann, den schätze ich, den kenne ich und will ich auch nicht mehr missen. Es ist ein Kompliment, das ich so vergeben kann, das selten so bewertet wird. Oft setze ich auch an und sehe in verdutze Augen, die wütend sind oder traurig und manchmal auch fast weinerlich. Die Natur der Ironie bringt Missverständnisse mit sich, aber sie bringt auch Augenblicke, die ich anders nicht erlebt hätte.
Dieser kleine Moment, in dem der Gegenüber fieberhaft überlegt, ob es nun ernst ist oder nicht, verschönert mir ein wenig den Smalltalk des Gehetzten. Das Lachen, das ertönt, wenn Ironie verstanden wird, ist unvergleichlich und auch die Stille, die entstehen kann, ist von solcher Tiefe, dass sie gleichermaßen magisch wie auch bedrückend ist.

Es ist nicht leicht des Anderen Ironie zu erfahren, es ist ein weiter Weg, aber einer, der sich lohnt. Ein Weg, der zu einer Art dritten Dimension der Emotionen führen kann, die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte.

von Max Devantier