Kolumne

Zunächst muss ich anmerken, dass ich es bisher zu nichts gebracht habe, weder studiere ich diese Thematik noch bin ich Sprecher des Vereins für Generationeneinschätzung. Klar sind wir die Facebook-Generation, die stundenlang vor den Laptops und PC sitzt, wie sonst keiner – die einzige Branche im Übrigen auch, in der es gern gesehen wird, wenn rote Zahlen geschrieben werden. Wir sind natürlich auch die Kinder der Plastegeneration – die nämlich, denen eingetrichtert wird, dass wir die schiefen Bahnen, auf denen die Welt sich befindet, mit unserem Öko- und Biotrieb wieder geradebiegen müssen. Wir sind auch die ersten, wenn es darum geht individuell zu sein und trotzdem Kunde der x&y’s zu bleiben. Jeder von uns ist so sehr einzigartig, dass jeden Tag neue Nischen erfunden werden, in denen jeder sein eigener Chef ist. Chef sein, ja das ist auch so ein neuer Traum – jetzt wo alles möglich ist, wo jeder zu jeder Zeit und überall seine Ziele erreichen kann.

Mir erscheint, so ist alles noch viel weiter weg. Vor allem steigen die Selbstzweifel, wenn man weiß, dass man alles erreichen kann, aber die Schritte, die man tut, doch sehr klein sind. Wenn wir schon bei den Zweifeln sind, dann fällt einem auch bald auf, dass wir ständig am Nörgeln sind, am Weinen, rumflennen und besonders gern suhlen wir in Ausreden herum, die peinlich sind und fast schon lächerlich. Lässig sind wir zudem auch. Aber nicht nur das, sondern auch unzuverlässig, quasi eine Art böser Bruder der Lässigkeit. Aber lassen wir es alles ganz ruhig angehen, es herrscht ja keine Hektik, es ist fünf vor Zwölf und der Text muss heute noch fertig sein, Stress ist doch wie Essen und Trinken. Wenn wir dann mal wieder versagt haben, weil wir im Sofa versackt sind, dann kommen wir aber immer noch mit stolzgeschwellter Brust daher. Sowieso scheint die Reflexion irgendwann bei den meisten stehen zu bleiben und zurück bleibt ein arroganter Haufen Unbeständigkeit. Wenn uns das alles zu viel wird, dann gehen wir zum Psychologen – nicht, dass wir nicht krank wären.

Wir fühlen uns nur alle so, weil es okay ist. Heute kann man es ja machen, die und der gehen ja auch hin. Ich esse übrigens gerade ein paar Eier aus Käfighaltung, hab extra drauf geachtet, ja auch ich bin individuell. Abseits dieser menschlichen Missstände gedeiht die Technik wunderbar, wie eine Rose unterm Mistelzweig, wie Goethe wohl gesagt hätte. Die meisten Geräte finde ich ziemlich gut, sie sind praktisch, aber nicht lange haltbar. Der Kapitalismus sagt Hallo und lässt die Wegwerfgesellschaft in einem Glanz leuchten, der uns anmacht. Wir finden es gut, wenn wir jedes halbe Jahr eine neue Topmaschine mit nach Hause bringen. Statussymbol? Nein, wie kommst du darauf, ich finde die Funktionen einfach gut, schau mal ich kann auch ins Internet.
Nun hör ich mich an wie ein alter Mann, der nichts versteht, der sich abdreht und abwinkt, noch zetert mit sich selbst und dann zurück in die Stube geht. Was mir als alter Mann wirklich Sorgen machen würde, sind aber nicht diese Einzelfaktoren, nicht diese Technik und diese ständig wechselnden Trends.

Vielmehr ist es die Moral, über die ich mir Sorgen machen würde, der feste Glauben an eigene Regeln, der immer mehr zu schwinden droht. Wenn ich die Menschen sehe, wie sie der Grenzen ungeachtet aufeinander herumtrampeln, wie sie alles so hinbiegen, dass es schlussendlich passt und sie mit einem ruhigen Gewissen schlafen können, wie der Egoismus mit jedem Tag mehr überwiegt, dann möchte ich nicht Teil dieser Generation sein, dann wäre ich als alter Mann froh, dass ich davon nicht mehr viel mitbekomme.

von Max Devantier