Im September 2013 dürfen 2,2 Millionen junge Deutsche zum ersten Mal den Weg zur Wahlurne antreten. Sie können an der Wahl des 18. Bundestags teilnehmen. moritz befragte Erstwähler, ob sie wählen gehen und was sie sich von der Wahl erhoffen.

Dietrich Wenzel, Mitglied des Studierendenparlamentes:

„Ich erwarte von der Bundestagswahl einen überaus spannenden Wahlkampf im Vorfeld, welcher wünschenswerterweise mit mehr Inhalten als Polemik ausgetragen werden wird. Da ich da aber so meine Zweifel habe, hoffe ich zumindest für die Tage nach dem Wahlabend auf eine konstruktive Regierungsbildung. Am Wahlsonntag werde ich natürlich nicht versäumen meine Stimme abzugeben, dies empfinde ich auch weiterhin als Privileg und Bürgerpflicht.

Da die neuzubildende Regierung für mich fraglos unter Leitung der Bundeskanzlerin Doktor Angela Merkel stehen wird, würde ich auch sehr gerne eine Fortsetzung der Schwarz-Gelben Koalition sehen.
Bei den Ressortministern kann es dann gerne mal die eine oder andere Überraschung geben, mit Ausnahme solcher, die fraglos bleiben müssen, ganz wichtig für mich: eine weitere Legislatur des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble.

Ich persönlich wünsche mir tatsächlich eher Kontinuität im Umgang mit vielen Themen, beispielsweise in der Euro-Krise wäre ein Kurswechsel, nur damit „sich etwas ändert“, sogar falsch. Europa ist gerade erst am Umdenken in Richtung des neuen, aber sehr richtigen Programms der Konsolidierung.

Ich freue mich auf einen Wahlkampf, der vielleicht nicht hauptsächlich die Belange der Studenten im Blick haben kann, uns aber dennoch als Bundesbürger betrifft.“

Benjamin Schwarz, Referent für Hochschulpolitik des Allgemeinen Studierendenauschusses:

„Klar gehe ich wählen! Ich hoffe, dass viele Studierende es ebenfalls tun werden. Denn nur die Partizipation der Bevölkerung kann zu politischen Veränderungen führen.
Ich erwarte von den Bundestagswahlen, dass viele Menschen zur Wahl gehen, damit die aktuell unsoziale Regierung abgewählt wird und es einen Politikwechsel gibt. Des Weiteren erwarte ich, dass wir Studierenden uns mit den hochschulpolitischen Positionen der Parteien befassen und die für uns richtige Entscheidung treffen.

Ich erhoffe mir von der neuen Bundesregierung, dass sie ihren Wahlversprechen Taten folgen lässt. Jedoch bin ich in diesem Punkt pessimistisch, da sich leider zu wenige Menschen mit der real existierenden Politik der Parteien befassen. Ich wünsche mir von der neuen Regierung, dass sie das Koorperationsverbot kippt und den sozialen Abbau beendet. Es wird Zeit, dass sich die Politik wieder an den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung orientiert. Es kann aus meiner Sicht nicht sein, dass Parteien an der Regierung sind, die gegen Mindestlohn oder für Kriegseinsätze der Bundeswehr stimmen, obwohl die Mehrheit der Bundesbürger anders denkt. Ebenfalls hoffe ich, dass die Bundestagswahlen dazu führen, dass es in Deutschland wieder eine starke linke Politik gibt. Aus meiner Sicht ist für uns Studierende am wichtigsten, dass endlich nötige Entscheidungen wie die BAföG-Regelsatzanhebung oder die Abschaffung des Koorperationsverbotes umgesetzt werden. Aber dazu müssen viele Menschen ihr Wahlrecht nutzen und ihre Interessen vertreten.“

Jeannine Sander:

„Ich gehe auf jeden Fall wählen!
Von der Bundestagswahl dieses Jahr erwarte ich erst einmal leider eine sinkende Wahlbeteiligung. Ich glaube zwar, dass das Interesse an Politik gar nicht so gering ist wie immer dargestellt. Viele erwarten nur keine Kursänderung oder denken, die Meinung der Bevölkerung wird nicht ausreichend repräsentiert, egal welche Partei regiert.

Zudem glaube ich, dass eine Regierungsbildung äußerst schwierig wird, da bestimmt keine Koalition außer schwarz/rot eine Mehrheit erlangt. Sehr gespannt bin ich darauf, ob sich kleine Parteien in der Bundestagswahl durchsetzen können, und ebenso darauf, wie sich die FDP entwickelt. Die neue Regierung sollte sich vor allem damit beschäftigen, Deutschland attraktiv für qualifizierte Arbeitskräfte zu machen. Außerdem sollten Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mehr in die Pflicht genommen werden, sich familienfreundlich weiterzuentwickeln. Und ganz wichtig: die Mittelschicht muss wieder gestärkt werden, damit sie nicht noch weiter schrumpft! Allgemein wäre es schön, endlich mal wieder klare Standpunkte der Parteien und ihrer Köpfe zu erhalten und nicht immer nur schwammige Aussagen zu hören.
Irgendwas wird sich auf jeden Fall ändern, die Frage ist nur was.“

Grafik: Katrin Haubold