Man stelle sich vor, jeder allein lebende Mensch erhält eine 12 m² große Wohnung, die ihm nach seinen beruflichen Bedürfnissen zu geteilt werden würde. Aufgrund der Größe wäre diese Option kostengünstig, platz- sowie zeitsparend – und kein bisschen individuell.

So oder so ähnlich könnte die Zukunft aussehen. Dabei handelt es sich aber nur um eine Spinnerei aus der Gegenwartsfeder, welche aber bei näherer Betrachtung gar nicht unmöglich scheint, denn immer mehr steigt das Problem des schwindende Angebot von finanzierbaren Wohnungen.

Dies geht aus dem zweiten Bericht über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland hervor, der durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Oktober 2012  dem Bundeskabinett vorgelegt wurde. In diesem heißt es, dass in einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen steigende Preise und Mieten zu verzeichnen sind. Darunter fallen auch weniger wirtschaftsstarke Ballungsräume.

Miete um 10,4 Prozent gestiegen

Weiterhin dokumentiert man die Städte, die im Jahre 2011 die höchsten Mietpreissteigerungen verzeichnen. Großstädte wie Berlin und Hamburg, aus denen viele Greifswalder Studenten kommen, weisen einen Anstieg von 7,5 bis 7,6 Prozent auf. Darüber liegen Freiburg und Bremen mit 8,1 und 8,8 Prozent. Dennoch handelt es sich hierbei immer noch nicht um die Spitzenreiter der Statistik, denn der erste Platz geht an Greifswald mit durchschnittlichen 10,4 Prozent Mietanstieg.

Die Ursachen seien die wieder gestiegene Nachfrage nach Wohnraum aufgrund des Wirtschaftswachstums in den Jahren 2010 und 2011 sowie die zunehmenden Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten, wodurch man Wohnungen als Kapitaleinlage nutze. Dabei seien die Folgen zum Beispiel regionale Wohnungsengpässe, die in Greifswald besonders die Studenten und Geringverdiener zu spüren bekommen.

Wohnungen verwohnt und klein

„Es heißt ja nicht umsonst, dass Umziehen ein Studentenhobby in Greifswald ist. Viele müssen zuerst in für sie unzumutbare Verhältnisse ziehen, da sie eine Bleibe brauchen. Sie suchen aber währenddessen weiter nach neuen Wohnungen. Aber die guten Wohnungen sind hier schneller weg als man schauen kann. Man muss Glück haben“, schätzt der Recht-Wirtschaft-Personal Student Stephan S. die derzeitige Wohnsituation ein. Er selbst lebt nun schon seit fast fünf Jahren in Greifswald. Dabei ist es seiner Meinung nach kein Problem von mangelnden Wohnungsangeboten, sondern eher ein Problem im Preis-/Leistungsverhältnis. „Teilweise sind die Wohnung echt verwohnt und klein. In der Miete spiegelt sich das aber auf keinen Fall wieder. Die Mieten sind viel zu hoch für die angebotenen Wohnungen.“

Betrachtet man hingegen den Mietspiegel aus dem Jahre 2012, könnte man die Annahme von Stephan bestätigen. Man unterscheidet die Wohnung hinsichtlich Quadratmeterpreis, Baujahr, Beschaffenheit und Ausstattung. Bei der Ausstattung schaut man auf verschiedene Ausstattungkriterien, um eine Einteilung in einfach, normal und gut vorzunehmen. Darunter fällt zum Beispiel, ob die Wohnung ein gefliestes Bad, mit Badewanne und separater Dusche hat, oder ob zum Beispiel Teppich beziehungsweise Parkett verlegt ist.

Der Quadratmeterpreis einer 50 bis 65 m² großen Wohnung, die zwischen 1969 und 1990 in Greifswald erbaut wurde und eine einfache Ausstattung besitzt, liegt bei durchschnittlich 3,91 Euro/m². Bei einer vergleichsweise gleichen Wohnung mit guter Ausstattung bezahlt man 4,64 Euro/m². Wenn dieses Haus jedoch 2002 erbaut wurde, so steigt der Quadratmeterpreis bei gleicher Größe und guter Ausstattung auf 7,41 Euro/m², was eine Kaltmiete in Höhe von 370,50 Euro bedeutet.

Ältere Menschen sind von der prekären Wohnungssituation ebenfalls betroffen, da Greifswald nicht nur einen Zuwachs an jungen Studenten verzeichnet. Nachdem rund 70 Millionen Euro in die Renovierung des Ostseeviertels investiert wurden, wurde das Plattenbauviertel besonders bei der zunehmend älteren Bevölkerung attraktiver. Gründe hierfür könnten in der immer älter werdenden Bevölkerung liegen (moritz berichtete in mm 103), wodurch sich der Pflegebedarf erhöht und die Nähe zum Klinikum und anderen ärztlichen Einrichtungen zur Urbanisierung beiträgt.

Ob es daher noch möglich ist für einen Studenten aus einfachen Familienhaus oder einer Oma mit kleiner Rente sich den zunehmenden Mietpreisen zu stellen, liegt in der ungewissen Zukunft.

von Ulrike Günther

Grafik: Maximilian Dörrbecker