Im Dezember 2012 verabschiedete der Akademische Senat der Universität Greifswald Wirtschaftspläne für die Jahre 2014 und 2015. Darin wurde festgestellt, dass der Finanzbedarf der Universität die in der Zielvereinbarung zwischen dem Land und der Universität zugesagten Zuschüsse des Landes um 7,7 (2014) beziehungsweise 8,9 Millionen Euro (2015) übersteigt.

Den Mehrbedarfsanmeldungen der Universität Greifswald begegnen die Vertreter der Landesregierung insbesondere mit folgenden Aussagen:
1. Die Hochschulen des Landes haben Rücklagen in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro. Die sollen sie erst einmal abbauen, danach kann man über Mehrbedarfe sprechen.
2. Während die Hochschulen pro Jahr 1,5 Prozent mehr bekommen, müssen die anderen Behörden des Landes weiterhin pro Jahr ein Prozent ihres Personals abbauen. Das schürt ohnehin Neid.
Hierzu ist folgendes zu sagen:
In der Tat hatten die Hochschulen des Landes zum Ende des Jahres 2012 Rücklagen in der genannten Höhe, die Universität Greifswald in Höhe von circa 6,5 Millionen Euro. Bei diesen vermeintlichen Rücklagen handelt es sich aber im Wesentlichen um Rückstellungen, das heißt um bereits durch Verpflichtungen gebundene Mittel. Von unseren Rücklagen in Höhe von 6,5 Millionen Euro zum Jahreswechsel sind lediglich 60 000 Euro frei verfügbar. Im Übrigen schrumpft die Rücklage der Universität Greifswald seit 2009 jährlich um 1,5 Millionen Euro. Das bedeutet, dass wir seitdem für die Wahrnehmung unserer Aufgaben mehr Geld benötigen, als uns in der Summe aus Landeszuschuss und eigenen Einnahmen zur Verfügung steht.

Rücklagen in Höhe von 30 Millionen Euro

Das Investitionsbudget der Universität ist mit unter 400 000 Euro drastisch unterfinanziert. Alleine im letzten Jahr lagen unsere investiven Ausgaben bei fast 1,3 Millionen Euro, obwohl nur die dringendsten (Re-)Investitionen vorgenommen wurden. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einem jährlichen Mehrbedarf zwischen 450 000 Euro, wenn nur die dringendsten Bedarfe gedeckt werden, und 1,5 Millionen Euro für den wirtschaftlichen Bestandserhalt.
In Umsetzung eines Verfassungsgerichtsurteils hat das Land Mecklenburg-Vorpommern (MV), wie die anderen Bundesländer auch, angekündigt, die Professorengehälter rückwirkend zum Januar 2013 anzuheben. Zudem sieht der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst der Länder Gehaltssteigerungen um 2,65 Prozent in diesem und um 2,95 Prozent im nächsten Jahr vor. Daraus resultieren Mehrkosten von circa einer Millionen Euro in diesem und knapp zwei Millionen Euro im nächsten Jahr.  Hinzu kommen weitere Kosten für die Übernahme des Tarifabschlusses auf die Beamten.
Das heutige Globalbudget der Universität beruht auf der Fortschreibung der bis 2004 praktizierten detaillierten Aufstellung einzelner Kostenarten. Als Personalkosten sind darin jedoch nur die Bruttogehälter der Beschäftigten berücksichtigt. Seit 2008 müssen wir aber für die neu eingestellten Beamten zusätzlich 20 Prozent ihres Bruttogehalts an den Pensionsfonds des Landes abführen, im letzten Jahr waren dies über 500 000 Euro, der Gegenwert von circa neun bis zehn Stellen für wissenschaftliche Nachwuchskräfte.

Neid von den anderen Behörden

Neid innerhalb des öffentlichen Dienstes darf kein Kriterium für politische Entscheidungen sein. Die Zahl der Studenten an den Hochschulen des Landes stieg, laut dem Statistischen Amt MV, von gut 13 000 im Wintersemester 1992/93 auf über 40 000 im Wintersemester 2011/12, die entsprechenden Zahlen für die Universität Greifswald sind 3 590 zu 12 450. Die Studierendenzahl hat sich also grob verdreifacht. Dem gegenüber sank die Bevölkerungszahl des Landes zwischen 1995 und 2011 von über 1,8 Millionen auf rund 1,6 Millionen. Vor diesem Hintergrund ist es inhaltlich plausibel, wenn sich die Etats und Stellenpläne der Hochschulen und die der öffentlichen Einrichtungen mit bevölkerungsbezogenen Aufgaben gegenläufig entwickeln.
Der Anteil unserer Studenten, die aus anderen Bundesländern kommen, steigt kontinuierlich. Dadurch schafft die Universität Greifswald Nachfrage nach Wohnraum, Lebensmitteln et cetera, durch die die regionale Wirtschaft stabilisiert und gestärkt wird. Darüber hinaus ist jeder Student aus einem anderen Bundesland Botschafter der Studien- und Lebensbedingungen in MV.
Abschließend stellt sich die Frage, ob MV seine wirtschaftliche Entwicklung weiterhin auf Landwirtschaft, Tourismus und Werften ausrichten will, oder ob es der bayrischen Blaupause folgend den Weg zum wissenschaftsgetriebenen Technologie-Standort begehen will. Letzteres bedarf, das hat das bayerische Beispiel gezeigt, strategischer Investitionen in Lehre und Forschung an den Hochschulen.

Gastbeitrag von Doktor Wolfgang Flieger

Foto: © Pressestelle Universität Greifswald