Rezension

In naher Zukunft… Wir beginnen einen Tag in Franks (Frank Langella) Leben. Er ist liebenswert griesgrämig, ein Dieb und macht seinen Kindern mit egoistischem Starrsinn das Leben schwer. Zudem leidet er an altersbedingter Demenz. Soviel zu Frank.

Sein Sohn Hunter (James Marsden) verordnet ihm eines Tages einen Roboter. Robot ist als Betreuer programmiert, beschert Frank eine gesunde Bewirtung sowie tägliche Aufgaben und besitzt eine kindliche Naivität. Bisweilen nimmt Robot sogar die Rolle eines philosophischen Erziehers ein, wenn Frank auf der Liege ruhend den künstlichen „Butler“ fragt, ob er die Gartenarbeit nicht im Schnellmodus erledigen kann und dieser weise entgegnet: „Manche Dinge benötigen Zeit.“ Und es passiert, was passieren soll. Zwischen Robot und Frank entwickelt sich allmählich eine Art Beziehung. Ob der technische Hausgehilfe sich dabei nur scheinbar von Frank dazu manipulieren lässt, einen Coup zu starten oder ob er den geplanten Diebstahl naiv akzeptiert – im Tausch gegen eine gesunde Mahlzeit von Franks Seite – bleibt dem Zuschauer überlassen.
Die (vielleicht programmierte) Naivität von Robot ist es aber, die dem Film den nötigen Charme verleiht. Mit seinen trockenen Antworten auf Franks mürrische Kommentare wird Robot zum Sympathieträger und dient zudem als Spiegel seines menschlichen Kompagnons. Als Frank damit konfrontiert ist, zum Selbstschutz Robots Speicher zu löschen, werden seine Ängste auf ihn projiziert. Der Verlust der Erinnerung, wie es Frank seit einigen Jahren widerfährt, würde auch für Robot ein Verlust der Persönlichkeit und damit den Tod bedeuten.

Die Kameraführung und Bildgestaltung fügen sich in ruhige, mittellange Halbtotalen, die den Figuren den nötigen Raum lassen, um sich darin physisch und emotional zu bewegen. Die Extras der aktuell noch 14,99 Euro teuren DVD bestehen lediglich aus Trailern. Der Preis dürfte sich in den nächsten Wochen jedoch wie gewöhnlich senken.

Auch wenn der Gedächtnisverlust im Alter ein trauriges Thema ist, schafft es der Film, das Tragische mit dem Komischen zu verbinden. „Robot & Frank“ setzt damit um, was der filmische Urvater der Tragikomödie Charlie Chaplin einst weissagte und das nach fast 100 Jahren noch Gültigkeit besitzt: „Life is a tragedy when seen in close-up, but a comedy in long-shot.“

von Stephanie Napp

Foto: © SENATOR Home Entertainment