Laut einer Studie des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche BITKOM besteht der Großteil der Videospieler aus Abiturienten und Studenten. Ein Grund, die Videospiellandschaft mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

In den 70er Jahren noch als kleine Nische angesehen, heute größer als die Musikbranche – zumindest den Umsatzzahlen nach: Videospiele haben sich in den letzten 30 Jahren zu einem allgegenwärtigen Medium entwickelt.

In den 80er und 90er Jahren hat sich in der globalen Videospieleindustrie in Japan ein Monopol gebildet. Zwei der drei großen Konsolenhersteller Nintendo, Sega und Atari stammten aus Japan. Führende Hersteller heutzutage sind Sony, Microsoft und Nintendo. Die namhaften Entwicklerstudios wie Capcom, Konami, Square und Enix stammten alle aus Japan und bezauberten die Spieler weltweit Jahr für Jahr mit neuen innovativen Spieleansätzen. Mit „Super Mario Bros.“ von Nintendo erschien 1983 das erste Jump ‚n‘ Run. Dort gilt es als italienischer Klempner mit Schnauzbart die Prinzessin aus den Klauen einer bösen Schildkröte namens Bowser zu befreien. Der rote Klempner galt lange Zeit als Inspirationsquelle für viele später erschienene Jump ‚n‘ Runs.

Wie schon bei Filmen wurden auch die Spiele im Laufe der Zeit durch neue Technologien sowohl ansehnlicher als auch aufwendiger. Das ließ die Produktionskosten von Spielprojekten in den letzten Jahren stark ansteigen. Viele Spielehersteller trauen sich nicht mehr an gewagte Projekte, aus Angst, dass es in einem finanziellen Desaster endet. Seit neuestem lässt sich ein Zulauf in der Indie-Entwicklerszene beobachten. Unabhängige Hobby-Entwickler erschaffen teils allein oder in kleinen Teams Spiele mit simpler Grafik, aber erfrischender Spielemechanik. Aufgrund der positiven Resonanz der Spieler kann man vermuten, dass die Indieszene in der Videospielindustrie in den nächsten Jahren einen immer stärker werdenden Gegenpol zu den traditionellen Spielestudios darstellen wird. Ein weiteres interessantes Zukunftsthema ist die Bewegungssteuerung; durch die Wii-Mote  von Nintendo  2006 massentauglich gemacht, entwickelte sie sich im Laufe der letzten Jahre immer weiter. Anfangs eher lustig anzusehen, gelingt es heute, die Bewegungen der Spieler eins zu eins ins Spiel zu übertragen. Der Kinect 2.0 Sensor, der kürzlich von Microsoft vorgestellt wurde, überträgt mit einer eingebauten Kamera und verschiedenen Sensoren die Bewegungsabläufe der Spieler ins Spiel. Ob sich die Spiele tatsächlich so präzise steuern lassen, wie von Microsoft propagiert wird, wird man wahrscheinlich erst bei der Markteinführung Ende dieses Jahres erfahren.

Wieder Regen, auf nach Mittelerde!

Unter solchen Umständen scheint es nicht mehr so unrealistisch zu sein, dass in vielleicht 10 oder 20 Jahren ein ähnliches Szenario wie aus dem Film „Tron“ von 1982 möglich wäre und wir Spieler quasi ins Spiel „hineinteleportiert“ werden. Man stelle es sich so vor: Man ist ein Student im Jahre 2033 an der Universität Greifswald und hat die Idee, den Sommer in Greifswald zu verbringen; nur dumm, dass die Kommilitonen entweder alle nach Hause gefahren sind oder Urlaub auf dem Mond machen. Und nun sitzt man da und ist allein und vom Sommer hat man auch nichts, da es ständig regnet. Kein Grund traurig zu sein, man setzt sich einfach den virtuellen Helm auf, steigt in den Ganzkörperanzug hinein und verbringt seinen Sommer in Mittelerde oder Westeros.

Natürlich ist es schwer zu sagen, wie es in dieser Branche in 30 Jahren aussehen wird. Die Entwicklung eines Marktes, der sich ständig und rasant verändert, bleibt ein spannendes Zukunftsthema.

von  Mounir Zahran

Foto: © Nintendo