Fritz

Samstag, 4. Juni 2033, morgens halb fünf in der Nähe von Greifswald: Durch Zufall entdecke ich auf dem Weg nach Hause etwas blaues im Feld. Zuerst denke ich, die zwei Flaschen Bier, die ich getrunken habe, sind mir doch zu stark zu Kopf gestiegen. Doch das Blaue bewegt sich und entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gesprächiger Besucher aus dem All. Ich darf ihn Fritz nennen.

Wieso bist du nach Greifswald gekommen?
Wir sind auf der Suche nach Wesen, die uns ähnlich sind und haben dabei diesen blauen Planeten entdeckt, den ihr Erde nennt. Es gibt hier ein paar schöne Fleckchen, das muss ich schon sagen. Es ist ein schöner Platz um Urlaub zu machen.

Womit bist du überhaupt hergekommen?
Wir haben Gefährte, die recht schnell sind. Eure Blitzer hätten keine Chance, etwas aufzunehmen, selbst wenn wir im gemächlichsten Modus fahren würden (kichert). Aber ich finde es spannend, mit welch langsamen – wie nennt ihr es noch gleich – Autos ihr unterwegs seid. Dieser Huxley Drive 6000, der bei euch als das schnellste Auto der Welt gilt, ist gerade zu lachhaft langsam. Obwohl es auch etwas schönes hat: So hat man mehr Zeit, die Umgebung wahrzunehmen.

Woher kannst du eigentlich unsere Sprache?
Ja, glaubst du denn, wir kommen unvorbereitet (lacht)? Wir haben euch natürlich studiert: Wann ihr esst und was, was ihr den ganzen Tag treibt – und natürlich auch, wie ihr miteinander kommuniziert. Und das haben wir schon eine ganze Weile getan, schließlich muss man ja schauen, worauf man sich einlässt. Diese US-Amerikaner zum Beispiel, die haben eine komische Vorstellung von Außerirdischen und sind unserem Volk auch ein klein wenig zu kriegerisch und misstrauisch. Deswegen haben wir uns dagegen entschieden, bei ihnen zu landen – obwohl das anscheinend ein großer Traum ihrerseits ist, dass sogenannte Aliens bei ihnen landen. Wir haben uns dann erst einmal auf Greifswald geeinigt. Hier wohnen wenig Menschen und eure Streitkräfte bräuchten so lange, dass wir uns in Ruhe umschauen könnten und trotzdem längst wieder über alle Berge wären, ehe sie hier wären.

Wie müssen wir euch denn nennen und woher kommt ihr?
Eine Bezeichnung für uns dürft ihr euch überlegen. Wir haben keine Klassifizierung wie ihr und unsere Namen sind für euch unaussprechlich. Deswegen darfst du mich ja auch Fritz nennen, den Namen finde ich schön. Es gibt nur uns in unserer Heimat, nichts anderes. Und wir übernehmen alle Arbeiten. Wir sind sehr wandelbar und haben uns für diesen Ausflug extra Lungen angelegt. Kiemen können wir uns auch wachsen lassen – das habe ich übrigens noch vor. Mich würde es unglaublich interessieren, wie es im Meer aussieht. Und woher wir kommen, verrate ich auch nicht. Ihr könnt uns zwar noch nicht entdecken – eure Technik ist zwar gut, aber so gut nun auch wieder nicht – aber wir haben uns dazu entschieden, darüber Stillschweigen zu bewahren. Ihr habt uns in unser Studienphase ja schon manches mal überrascht – nicht, dass ihr in zwei Jahren etwas erfindet, womit ihr lange und weit ins Weltall reisen könnt.

Womit haben wir euch denn überrascht?
Nun, ihr habt es in den letzten Jahren geschafft, umzudenken und ökologischer zu werden. Wir dachten schon, wir müssten die Erde als Studienplatz aufgeben, denn zeitweise sah es so aus, dass ihr diesen Planeten zu Grunde richten würdet. Und ihr konntet den dritten Weltkrieg verhindern. Wie gut, dass ihr China und Brasilien besänftigen konntet. Außerdem ist eure Technik schon weit ausgereift im Vergleich zu anderen Orten im Universum, die wir besuchten. Das war auch teilweise der Grund, dass wir zu euch gekommen sind.

Wie zufrieden seid ihr mit eurer Suche?
Ihr seid uns in gewisser Weise ähnlich und dann auch wieder nicht. Äußerlich unterscheiden uns Welten. Es hat schon Vorteile, so wandelbar zu sein, sonst hätten wir hier nicht überleben können, auch wenn wir sehr ausdauernd sind. Aber ihr seid genauso strebsam wie wir. Das gefällt uns.

Fritz, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Katrin Haubold (anscheinend Langzeitstudentin geworden).

Foto: Florian Bonn