Rezension

Sich auflösende Straßen und Wälder, längst ausgestorbene Tiere und Fahrerlose E-Busse, die einem nach dem Leben trachten – seit dem Tod seines Vorgängers und Erfinder des sagenumwobenen Simulators scheint Marc Lapierre an Verfolgungswahn zu leiden. Dabei ist doch alles nur Illusion?  Er hält den Schlüssel zur Macht in der Hand. Wer sollte ihn da schon aus dem Weg räumen wollen? Lappiere kennt sich schließlich mit dem Simulator aus, er weiß, wozu er fähig ist. Und sein Chef Kowalski braucht ihn noch. Wenn da nur nicht diese ständigen Schwindelanfälle wären und das plötzliche Verschwinden seines Freundes, den niemand gekannt haben will. Zudem hinterlässt ihm sein Vorgänger Blinzle eine Zeichnung über Achilles und die Schildkröte. All diese Dinge verunsichern den Protagonisten.

Lapierres Welt steht Kopf und nicht nur seine, sondern auch die des Lesers. Holprig und vollkommen unverschleiert fällt der Leser ins Geschehen. Die ersten fünf Kapitel lesen sich mühselig und von einem spannenden Thriller ist weit und breit nichts zu spüren. Auch später wird der Spannungsbogen immer wieder durch widersinnige Einschübe gebrochen. Natürlich gibt es einen Wissenschaftler, welcher eine geniale Maschine entwickelte, weswegen er verrückt wurde und ganz plötzlich auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Und natürlich muss sich der Protagonist in die Tochter des Verstorbenen verlieben. Eine kreativere Verpackung wäre wünschenswert gewesen.

„Social Ingeneering […] Die Gentechnik erschafft neue Menschen. Wir erschaffen eine neue Gesellschaft!“

Dennoch kann der Autor Marco Lalli mit dem eigentlichen Thema punkten und animiert den Leser nicht aufzugeben. Die Welt, in der Lapierre lebt, scheint von unserer gar nicht so weit weg. Alles läuft nur noch über die Technik, keine echten Bücher mehr, Bio-Nahrung als Rarität, die europäische Union auseinandergefallen und die Welt steht ganz im Zeichen der Marktforschung. Marktforschung als Weltmacht, eine gruselige Vorstellung, die in Lapierres Welt zur Realität wird. Und hier kommt der Simulator ins Spiel – er schafft eine Parallelwelt.

„jede Bewegung Illusion […] Wie die Wirklichkeit blieb sie uns ein Schritt voraus, unerreichbar.“

Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion beginnen zu verwischen. Auch die Zeichnung über Achilles will nicht aus seinem Kopf. Wer ist wem überlegen? Lapierre jagt einem Phantom hinterher, dessen Schatten sein eigener sein könnte. Es scheint ganz so, als sei tatsächlich. Schlussendlich sieht sich Lapierre dazu gezwungen seine ganze Welt, ja sogar seine eigene Existenz anzuzweifeln.
Fazit: Inhalt Top, Schreibstil Flop.

von Preciosa Alberto

Foto: © Sociotrend GmbH