Seid ihr schon mal durch Greifswald gelaufen und dachtet, dass euch alles durch ein Buch bekannt vorkommt? Dass ihr manches schonmal in „Harry Potter“ gelesen habt? Woher kommt dieses Gefühl?

mm108_kultur_32_HGWartsI_BellaGeht man durch Greifswalds Straßen, kann man, neben vielen Fahrradfahrern, auch eine Menge Autos sehen, die die folgenden drei Buchstaben auf ihrem Kennzeichen tragen: HGW, HGW, HGW – das steht für die Hansestadt Greifswald. Wie es der Zufall will, bilden genau diese drei Buchstaben die Abkürzung für HoGWarts – die Schule für Hexerei und Zauberei aus der Buchreihe „Harry Potter“. Dies ist aber lediglich der erste versteckte Hinweis auf die Gemeinsamkeiten, die vor allem Studenten aus Greifswald auffallen könnten.

Folgt man den Straßen, führen sie in die Innenstadt und nach kurzer Zeit steht man auf einem der beiden alten Plätze, der als Rubenowplatz betitelt wird. Der Platz liegt dem Hauptgebäude der Universität gegenüber und wird wegen seiner gemütlichen Bänke, dem idyllischen Wasserbecken und der Wiese mit den Bäumen, die angenehmen Schatten spenden, nur zu gern von den Studenten für eine Verschnaufpause zwischen den Vorlesungen und Seminaren genutzt.

Die vier Gründungsmitglieder

Auf dem Rubenowplatz findet man jedoch nicht nur Flecken, um sich von dem Alltagsstress zu entspannen. Hier steht nämlich auch die gleichnamige Statue: das Rubenow-Denkmal. Auf ihr abgebildet sind unter anderem die vier bedeutendsten Personen der Region, die die Fakultäten repräsentieren. Anzuführen sind hier Johannes Bugenhagen, welcher die Theologie vertritt. David Mevius ist der juristischen Fakultät zuzuschreiben, Professor Friedrich August Gottlob Berndt Stellvertreter der medizinischen Fakultät und Ernst Moritz Arndt verkörpert die philosophische Fakultät. Nur die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät ist keinem Vertreter zu zuweisen. Scheinbar zufällig hat auch die Schule für Hexerei und Zauberei vier Gründungsmitglieder und spaltet sich dadurch auch in vier verschiedene Zweige auf: die Häuser von Godric Gryffindor, Helga Hufflepuff, Salazar Slytherin und Rowena Ravenclaw.

Doch hinter diesen Personen steckt noch eine weitere verborgene Parallele: Die Fachbereiche von Friedrich August Gottlob Berndt, welcher als Gründungsmitglied der Greifswalder Universität für die medizinische Fakultät steht, und Salazar Slytherin, Namensgeber des allzu verhassten Hauses Slytherin, haben eine weitere Gemeinsamkeit. Das Fachgebiet von Friedrich August Gottlob Berndt – die Medizin – war ein zu damaliger Zeit noch kaum etablierter Bereich, bei welchem mit Medikamenten experimentiert und vielBlut vergossen wurde. Das Fachgebiet von Salazar Slytherin war die Schwarze Magie. Beide Bereiche sollten zum Schutz und Wohlwollen der restlichen Menschheit genutzt werden. Doch haben sie eine eher negative, düstere Seite, die anderen Menschen möglicherweise mehr schaden als helfen kann. Bei einem Blick vorbei an dem Rubenow-Denkmal ist das Hauptgebäude der Universität zu sehen. Normalsterbliche können dieses Gebäude nur in Begleitung einer dazu berechtigten Person betreten. Jedoch sind in den Führungen nicht alle Räume und Treppen inbegriffen. Hier stellt sich die Frage, ob die Universität etwas zu verbergen hat, etwa versteckte Räume, geheime Dokumente, seltsame Kreaturen, Treppen, die sich des Nachts drehen odermöglicherweise sogar den Stein der Weisen.

mm108_kultur_33_Figuren_BellaGeheime Gänge und verbotene Räume

Vielleicht werden nicht nur wegen der historischen Wertschätzung die alten Uni-Gebäude in der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen von Greifswald erhalten, sondern auch aus dem Bestreben heraus, die Geheimnisse der Universität an einem sicheren Ort aufbewahren zu können. Deshalb werden die alten, im gotischen Stil errichteten Backsteinhäuser der Universität immer wieder restauriert. Gerade im Herzen der Universität, in ihrem Hauptgebäude, müssten sie bei so viel Geheimhaltung etwas zu verbergen haben, wenn nicht einmal die Studenten es ohne Überwachung betreten dürfen.

Ein weiteres Gebäude, in dem allerdings keine Führungen stattfinden, befindet sich auf der anderen Seite des Hauptgebäudes, auf dem Alten Campus. Diente es früher als Zentrum der Physik, führt heute nur noch eine Treppe auf der Außenseite des alten Hauses hoch bis zur Sternwarte, welche für dieLehre von Astronomie, dem Fachbereich von Professor Trewlawny, genutzt wird. Seltsamerweise wurde jedoch noch nie jemand gesehen, der das Gebäude betreten – oder verlassen – hat. Das erinnert doch stark an die Verbotene Abteilung der Bibliothek. In dieser Abteilung stehen zwar Bücher, doch kein Schüler darf diese betreten und niemand hat eine Ahnung, was sich darin verbergen könnte. Denn niemand soll seine Geheimnisse lüften.

Sind manche Gebäude, Gemälde, Gänge und Räume der Universität in Greifswald ebenso wie ihre Pendants in Hogwarts mit Geheimnissen verbunden, so assoziiert man sowohl hier, als auch in der Welt von Harry Potter einige Dozenten mit ihrem Ruf und ihrem Lebenswerk. Wie der vorübergehend eingesetzte Schulleiter Hogwarts existieren auch in Greifswald Dozenten, die hohes Ansehen und den damit verbundenen Respekt von den Studierenden genießen, weil sie auf ihren bestimmten Fachgebieten gelehrte Meister sind. Unter anderem ist durch sie die Universität und auch Greifswald heutzutage in Deutschland bekannt. So gewann Hogwarts ebenfalls durch die Persönlichkeit von Dumbledore Ansehen.

Quidditch in Greifswald

Neben den Autokennzeichen, den vier Gründungsmitgliedern, den mysteriösen Gebäuden und den herausragenden Persönlichkeiten findet sich auch unter den angebotenen Sportarten von der Uni Greifswald und dem Schulsport der Schule für Hexerei und Zauberei eine vom Aufbau sehr ähnliche Disziplin. Gemeint ist hier der Hochschulsport Jugger und der Schulsport Quidditch. Bei Jugger geht es um zwei gegnerische Mannschaften, in welchen sich die Spielteilnehmer mit Schaumstoff-Schlägern auf dem Spielfeld schlagen. Das eigentliche Ziel dieses Spiel ist es, den im Spiel befindlichen Ball auf die eigene Seite zu bringen, um dadurch das Spiel zu gewinnen und zu beenden. Dies könnte eine Abwandlung des Quidditch sein. Beim Quidditch gibt es auch zwei gegnerische Teams, die unter anderem mit Schlägern bewaffnet sind und das eigentliche Ziel ist es, einen kleinen fliegenden Ball, den Schnatz zu fangen. Wenn der Sucher einer Mannschaft diesen kleinen Ball gefunden und gefangen hat, ist das Spiel beendet und seine Mannschaft erhält 150 Punkte. Dies sind also zwei zum Verwechseln ähnliche Sportarten, die abermals zeigen, wie vielseitig die Parallelen zwischen der fiktiven Schule und der realen Hochschule sind.

Auch wenn wir alle wissen, dass es sich bei der Schule für Hexerei und Zauberei um eine erfundene Schule in einer ebenfalls fiktiven Geschichte handelt, sind die Studenten der Universität in Greifswald ihr doch etwas näher, als wir vielleicht bisher angenommen haben. Wenn wir in das Auditorium    Maximum in der Rubenowstraße 2 durch die enorm große Tür eintreten und auf dem Weg auf den Treppen nach oben die allseits bekannte Anfangsmelodie von Harry Potter vor uns her summen und uns in einen der alten und knarrenden Hörsäle setzen, von denen wir nicht wissen, ob möglicherweise bereits hinter der nächsten Tür ein alter Karzer liegt, löst es doch ein magisches Gefühl aus.

von  Yasmin Müller

Fotos: Isabel Kockro