Sie waren, nach den Wahlen, die zweiteinfachste Form der politischen Partizipation. Zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern gingen Massen auf die Straßen gegen den Staat, gegen Atomkraft oder für den Erhalt des Regenwalds. Heutzutage finde ich mich auf einer Demonstration mit optimistisch geschätzt 40 anderen politisch Aktiven wieder, die sich für mehr Geld gegen die Unterfinanzierung der Universität einsetzen. Für unsere Generation ist es wohl das Höchste der politischen Partizipation, wenn sie auf einen „Like“-Button klicken, doch das verändert nichts an unserer Universität, geschweige denn in der Nation. Laut einer Studie sind heute nur die Menschen mit einem höheren Bildungsniveau diejenigen, die sich politisch engagieren. Da muss ich mich an unserer Universität doch sehr wundern. Um mich herum sehe ich nur noch Studenten, denen es wichtiger ist, ihren Bachelor in der Regelstudienzeit zu absolvieren, als etwas zu verändern. Für Engagement ist keine Zeit mehr. Jeder von uns muss so schnell wie möglich in das Arbeitsleben. In unserer heutigen Welt der nahezu gleichgestellten Abschlüsse müssen wir uns doch irgendwie anders abheben von den hundert anderen Bewerbern. Dass gerade das Engagement neben dem Studium ein Plus auf dem eigenen Lebenslauf sein kann, muss erst wieder in die Köpfe dringen.

von Anne Sammler

Montage: Katrin Haubold