Worum geht es beim Minderheitenquartett?

Wie der Name schon sagt: Es geht um ein Quartett. Es geht nur nicht darum herauszufinden, welches Auto schneller oder toller ist, sondern welche Minderheit die meisten Punkte sammeln kann. Als Spieler des Quartetts kommt es vor allem darauf an, das Spiel selbst weniger ernst zu nehmen und seine politische Korrektheit zu Hause zu lassen. „Buhhh“ schreien die einen und „Megagut“ die anderen. Zugegebenermaßen bekommt man auf den ersten Eindruck das Gefühl, dass man sich über Minderheiten lustig macht und sie nicht ernst nehmen würde. Doch die beigefügte Broschüre zeichnet schon deutlich ab, worum es eigentlich geht: Satire und die Kritik an der eigenen Gesellschaft.

Was soll das eigentlich?

Zum Hintergrund: So ziemlich jeder bekommt, besonders auch wieder im diesjährigen Wahlkampf gesehen, die Diskussionen um Minderheiten mit. Ob Politiker oder Pseudoexperten, sie müssen ihren Senf zu Minderheiten abgeben und wollen über sie bestimmen und wissen natürlich genau, was das Richtige ist, auch wenn sie selbst meistens nicht zu den behandelten Minderheiten gehören. Dabei ist natürlich auch zu beachten, dass Minderheiten nicht aus individuellen Personen bestehen, sondern grundsätzlich als eine Masse betrachtet werden können. Es geht dann vor allem um DIE Schwulen oder DIE Rollstuhlfahrer oder DIE Muslime. Ein bestimmter Vorfall hat dann zur Entstehung des Spiels geführt: die Erweiterung des Diskriminierungsverbots. Die Grünen, die SPD und die Linkspartei wollten auf Antrag den Absatz des Diskriminierungsverbots um „sexuelle Identität“ erweitern lassen. Ein von der Union beauftragter Gutachter sprach sich dagegen aus. Würden sexuelle Minderheiten in der Verfassung geschützt, dann würde das die Integration der in Deutschland lebenden Muslime erschweren, sogar verhindern, da diese in Bezug auf die Akzeptanz nicht heterosexuell lebender Paare „wenig entwickelt“ seien. Die Erfinder des Spiels hätten dies nicht treffender zusammenfassen können:
„In der Union hat man scheinbar sehr genau erkannt, dass man die im Umlauf befindlichen Klischees zu einzelnen Minderheiten geschickt nach der aktuellen Hysterielage auswählen und für sich nutzbar machen kann, indem man vermeintliche Interessen mehrerer Randgruppen einfach gegeneinander ausspielt. Immerhin muss man so nicht selbst erklären, dass man Schwule scheiße findet und nicht im Traum daran denkt, sie rechtlich mit anderen Bürgern gleichzustellen. Diese Haltung kommt lediglich getarnt als Sorge um die Integration der Moslems zum Ausdruck und ist als Argument scheinbar ausreichend, um einer anderen Gruppe ihre Rechte vorzuenthalten. Dafür nimmt man dann auch gern in Kauf, Moslems per se als xenophobe, rückständige Dumpfbacken hinzustellen.“

Und das Spiel selbst…?

…enthält mit der Erweiterung zwölf Gruppen mit über 30 Minderheiten, die in den Kategorien Bildungsniveau, Wohlstand, Bevölkerungsanteil, Homogenität, Gesellschaftliche Akzeptanz und Schamgefühl gegeneinander ausgespielt werden sollen. Dazu kommen Aktions-, Gesellschafts- und Booster-Karten, die teilweise so dumm sind, dass sie exakt das Abbild so mancher politischer Handlungen sein könnten. Spielt man das Minderheiten Quartett ohne die Booster-Karten aus der Erweiterung macht es allerdings deutlich mehr Spaß. Man kommt recht leicht in das Spielgeschehen hinein und es entstehen die lustigsten Kombinationen, ideal für jeden, der sich selbst nicht so ernst nimmt und die Satire beim Spiel versteht. Es geht nicht darum ganz nazilike, die im Spiel selbst eine Minderheit darstellen, Minderheiten fertig zu machen, sondern über unsere Politik zu lachen. Manche werden immer noch sagen, das Spiel sei geschmacklos. Mag sein, aber die Realität ist es leider auch und hat die Vorlage zum Spiel geliefert.

von Laura-Ann Schröder

Alle Bilder © Minderheiten-Quartett.de