Rezension

Honey Driver ist Hotelbesitzerin, die bei der Besichtigung eines Hauses deren Vorbesitzerin tot auffindet. Weil ihr Freund und zuständiger Polizist mit einer Rückenverletzung im Bett liegt, ermittelt Honey auf eigene Faust und stöckelt von einem Verdächtigen zum nächsten.

Da man schon vor dem Fund des Opfers weiß, wer der Mörder ist, bleibt die Spannung zunächst auf der Strecke. Als dann aber die Leiche des Hauptverdächtigen gefunden wird, kommt doch noch Krimi-Feeling auf.
Gegen Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und alle Nebengeschichten fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen. Die Hintergründe bleiben durch die vielen Nebenschauplätze lange schleierhaft und manche Fragen sogar über das Ende des Buches hinaus ungeklärt.

Der Ort des Geschehens, die englische Küstenstadt Bath, ist voll mit stereotypischen Prominenten und anderen mysteriösen Gestalten, die größtenteils viele Klischees bedienen. Das Zusammentreffen dieser Personen ist meist belustigend und interessant:

„Honey beäugte die spindeldürre Frau, ihre mit Juwelen geschmückten Finger und kugelrunden Brüste. Nichts essen, und dann unters Messer des Chirurgen. Das wäre nichts für mich, dachte Honey. Es schauderte ihr beim bloßen Gedanken.“

Honey Driver scheint im ersten Augenblick auch ein Teil dieses Personenkreises zu sein. Im Laufe des Buches merkt man jedoch, dass sie trotz ihrer High Heels und netten Kostümen eher zur taffen und selbstständigen Art von Frau gehört, die zwar von einer kuriosen Situation in die nächste stolpert, das aber mit Humor nimmt.

Die kleinen und großen Pannen, die ihr zustoßen, lassen sie sympathisch wirken. So wird sie einmal zu einer Hochzeit eingeladen – was sie aber nicht weiß: Die fast 80-jährige Braut war am Vortag leider verstorben. Diese Information erreicht Honey – in ihrem scharlachroten Kostüm – etwas zu spät. Als wäre das unpassende Outfit bei der Beerdigung nicht genug, sitzt auch der Rock noch sehr ungünstig.

„Honey nahm den Hut vom Kopf. ‚Echt peinlich. Kein Wunder, dass alle so komisch geschaut haben.‘ Smudger grinste. ‚Mit der Farbe hat das wenig zu tun. Hinten steckt noch dein Rock in der Unterhose…“

Stetige Begleiter von Honey sind – neben ihrem Freund – ihre Mutter und ihre Tochter sowie eine Hellseherin aus dem Hotel. Die kurioseste Person ist jedoch das Opfer, die Besitzerin des Hauses, selbst. Nach und nach erfährt man die traurige Geschichte, die hinter dem Charakter der von allen gehassten Toten steckt.

von Wibke Osterhaus

Foto: © aufbau taschenbuch