„Es war klar: Nur einer von uns wird überleben. Und am Ende war ich es. Nicht er.“ Das sind die finalen Worte eines Films, die noch lange nachklingen werden. Am 2. März 1998 wird die damals zehn Jahre alte Natascha Kampusch (Amelia Pidgeon; später Antonia Campbell-Hughes) von ihrem Peiniger, der sie mehr als acht Jahre lang in Gefangenschaft halten wird, entführt.

Wolfgang Priklopil (Thure Lindhardt), dessen psychopatische Charakterzüge im Film Ausdruck finden, richtet seinem Opfer im Keller ein in seinen Augen gemütliches Zimmer her, aus dem das Ausbrechen für ein junges Mädchen schier unmöglich ist. Zeitgleich baut er über 3 096 Tage lang eine krankhafte Beziehung zu „seinem“ Mädchen auf, deren Ende ihn letztendlich in den Tod treiben soll.

Diese Beziehung und die Entführungstat an sich sind nur schwer bis gar nicht in Worte zu fassen. Wie also soll ein Regisseur dazu einen Film produzieren? Gerade aufgrund der Abscheulichkeit seiner Thematik ist das Ergebnis so umstritten und geht dem Zuschauer unter die Haut. Schreie, Schläge und Befehle dominieren die Umsetzung. Sherry Hormann versteht es, den Inhalt möglichst zurückhaltend,  aber doch ungeschminkt an das Publikum zu vermitteln – insofern das bei diesem Hintergrund überhaupt möglich ist. Hierbei vermeidet die Regisseurin unnötige Perspektivenwechsel.

Die Trauer der Mutter und die polizeilichen Ermittlungen werden fast gänzlich außen vor gelassen. Gezeigt werden nur solche Szenen dieser Aspekte, die für die Handlung wirklich essentiell sind. Die Aufmerksamkeit und die volle Konzentration des Zuschauers soll ausschließlich auf die Beziehung zwischen Täter und Opfer gelenkt werden, wodurch eine den ganzen Film über andauernde Gänsehautstimmung erzeugt wird.
Zum Ende hin kommt so beim Zuschauer echtes Verlangen nach dem Tag der Flucht auf, der dem Leiden der inzwischen jungen Frau endgültig ein Ende bereiten soll. Die Versuchung, den Film vorzeitig zu beenden, ist groß und macht den Bann deutlich, in den solche Filme den Zuschauer ziehen können. Man will gehen und kann sich doch nicht von diesem gezeigten Schrecken lösen. Man bleibt und hofft auf ein gutes Ende.

von Markus Teschner

Foto: © Constantin Film