Rezension

„Man kann ein ganzes Volk eine Zeit lang belügen, Teile eines Volkes andauernd betrügen, aber nicht das ganze Volk dauernd belügen und betrügen. (Abraham Lincoln)“

Natascha Eusterbecks politische Karriere scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Staatssekretärin in der Bundesregierung! Für Natascha geht ein Traum Erfüllung, ebenso für die Bundeskanzlerin. Denn jetzt hat sie jemanden gefunden, der für sie arbeiten kann – inoffiziell versteht sich. Natascha soll die internen und externen Strukturen im „Biotop“ Bundesregierung durchleuchten und für die Kanzlerin ein Lageplan schaffen. Wer steckt mit wem unter einer Decke, wer zieht wo seine Fäden? Keine leichte Aufgabe für die Protagonistin.

Die ersten Feinde lauern schon um die Ecke und schlagen alsbald zu. Von ihrem ersten Tag an erhält sie mysteriöse E-Mails von der Pupille. Vertrauen kann sie niemanden. Einzig ihrer langjährigen Sekretärin Reber kann sie vertrauen. Und dann wäre noch diese Frau – eine Professionelle – die um ihr Leben bangt und auspacken möchte. Natascha ist weder klar, was die Frau von ihr will, noch welches Geheimnis sie wahrt und ob es mit ihrer inoffiziellen Aufgabe zu tun haben könnte.

Ihr Mann Hendrik stürzt sich derweil in eine leidenschaftliche Affäre. Zunächst scheint dieser Handlungsstrang fragwürdig. Doch auch Hendrik gerät schließlich ins Visier der Pupille. Spätestens als er mit seiner Frau gemeinsam für die Bundeskanzlerin arbeitet und ein Foto der inzwischen vermissten Professionellen und seiner Geliebten Michelle entdeckt, ist dem Leser klar: Es steckt mehr dahinter. Tatsächlich verstricken sich der Leser sowie Natascha in Theorien um die Ereignisse. Es beginnt ein Rätselraten und eine Hetzjagd. Als Natascha auf einen Mordkomplett aus längst vergangener Zeit stößt, wird es für sie und die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld brenzlig. Natascha ist der Spinne ins Netz gegangen.

„Die Sätze der heiligen Macht nehmen nun einmal mehr Gestalt an: ‚Divdide et impera‘: ‚Teile und herrsche‘.“

Der Autor Jan Faber weiß die Leserschaft zu verwirren. Gespannt verfolgt der Leser das Geschehen und versucht sich bald als Detektiv. Neben der Haupthandlung werden ominöse Telefongespräche und eine zunächst zusammenhanglose Handlung beschrieben. Jan Faber nutzt sein Wissen, um politische Gestalten in seinem Roman einzuflechten und lässt die eine oder andere Ähnlichkeit zu aktuellen PolitikerInnen durchblicken. Um leichte Kost handelt es sich bei dem Buch nicht wirklich, dennoch kann man sich ein Spaß daraus machen, herauszufinden welche Politiker hinter welchen Figuren stecken könnten.

von Preciosa Alberto

Foto: © Page&Turner