Eine „Lange Nacht des jüdischen Sounds“ veranstaltet der polenmARkT in diesem Jahr. Damit wollen die Veranstalter den Greifswaldern die Veränderungen der jüdischen Kultur in Polen nach dem Krieg näher bringen. Doch wie klingt der jüdische Sound?

Jede Volksmusik ist schön, aber von der jüdischen muss ich sagen, sie ist einzigartig! Sie ist so facettenreich, kann fröhlich erscheinen und in Wirklichkeit tief tragisch sein. Fast immer ist es ein Lachen durch Tränen.“ So beschrieb der russische Komponist Dimitrij Schostakowitsch jüdische Musik und bezog sich damit auf Klezmer. Die Instrumentalmusik ist besonders für ihre Improvisationskunst bekannt. Der Künstler Joshua Horrowitz beschreibt den Musikstil so: „Klezmermusik ist wie die jüdische Unterhaltung – alle reden gleichzeitig. Der Unterschied ist, dass wir aufeinander hören und grundsätzlich dasselbe sagen.“
Die Musikrichtung entwickelte sich im Mittelalter als Fest- und Ritualmusik, wurde in Osteuropa aufgrund des zweiten Weltkriegs allerdings fast vollständig ausgerottet. Erst in den 1970er Jahren besannen sich jüdisch-amerikanische Künstler auf ihre Wurzeln und entdeckten den Klezmer wieder für sich. Während auf der einen Seite viele Musiker die traditionelle Spielweise bevorzugten, entstanden andererseits neue Formen durch den Einfluss des Rock’n’Rolls oder der Jazzmusik.

Zu diesen Vertretern gehören auch Klemzafour. Die polnische Band wird in diesem Jahr Gast beim polenmARkt sein. Die fünf Musiker stammen aus Lublin im Osten Polens und nutzen die Geschichte der Stadt für ihre Musik. Ihr größtes Ziel ist es, „dass unsere Musik so klingt, als ob sie auf einem Instrument gespielt wäre. Das perfekte Gefühl für Klangfarben und dynamische Proportionen sowie geschicktes Umgehen damit ist unser Ziel, das wir von Anfang an bestreben.”

Jüdische Instrumentalmusik

Jew Surf heißt eine weitere Musikrichtung, die es beim diesjährigen polenmARkT zu hören gibt. Wer da Jungs mit kurzen, sonnengebleichten Haaren erwartet, wird enttäuscht. Viel mehr steckt hinter der Musikrichtung die Band Alte Zachen. Dunkelhaarig und verstrubbelt haben sie sich im Jahr 2011 zusammengefunden und sich des jiddischen Ausdrucks für alte Sachen bedient, um ihre Band zu benennen. Alt ist ihr Musikstil allerdings nicht – im Gegenteil: Alte Zachen sind die Erfinder des Jew Surf, bei dem chassidische Musik mit psychedelischen, Rock- und Surfelementen vereint wird.
Der Chassidismus kam im 18. Jahrhundert vor allem in Osteuropa auf, da sich eine Kluft zwischen der einfachen jüdischen Bevölkerung und den jüdischen Gelehrten bildete. Chassadim, wie die frommen Juden genannt werden, bezogen sich eher auf die Seele eines Objektes als auf dessen äußere Erscheinung und waren sehr spirituell. Sie sahen die Welt positiv und das spiegelte sich auch in ihren Tänzen und Gesängen wieder.

Schon seit 1997 lädt der polenmARkT die Bewohner Greifswalds und der Umgebung ein um polnische Kunst und Kultur näher kennen zu lernen. Was als Studenteninitiative startete, ist nun ein jährliches Festival geworden. Dieses Jahr laden die Veranstalter zwischen dem 14. und 23. November wieder ein, das Nachbarland zu entdecken.

von Katrin Haubold

Foto: © Katarzyna Zydroń