Vor über einem Jahr stieß die Landesregierung eine Reform der Theater- und Orchesterstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern an. Nach den Wünschen von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) sollte es sogar zum Ende des letzten Jahres eine Entscheidung bezüglich der Umgestaltung geben. Auf diese wartet man aber immer noch.

Das halte ich für völlig unrealistisch.“ So reagierte der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, im November 2012 auf die Pläne der Landesregierung, bis zum Ende des Jahres eine Entscheidung über den Fortbestand der Theater gefällt zu haben. Inzwischen ist ein Jahr vergangen und in den Verhandlungen hat sich etwas getan.

Das Land möchte die Theater und Orchester zusammenlegen, um Geld einzusparen. Dazu ließ es von einer Managementberatung neun Modelle entwickeln, wie die Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern in Zukunft aussehen könnte (moritz berichtete im Heft 102). Im November einigte man sich auf zwei Modelle, die weiter verfolgt werden sollten: Beim ersten Modell sollen zwei Staatstheater gebildet werden; die Häuser in Schwerin und Rostock sowie Greifswald/Stralsund und Neubrandenburg/Neustrelitz würden miteinander fusionieren. Beim zweiten Modell würden jeweils nur die Musiktheatersparten zusammengelegt. Die kleineren Theater in Anklam, Güstrow, Parchim und Wismar müssen auch einsparen, sind aber von Zusammenschlüssen nicht betroffen. Die beiden Modelle wurden den Trägern der Theater vorgelegt, sodass diese sich entscheiden konnten, ob sie mit den Varianten einverstanden sind, beziehungsweise welche Änderungen sie als wünschenswert erachten.

Rostock stellt sich gegen Fusion mit Schwerin

Die Kunstschaffenden und die Träger der Theater heißen die Modelle aber nicht unbedingt gut. So schwelt seit Anfang des Jahres ein Streit zwischen der Hansestadt Rostock und dem Kultusministerium. Die Rostocker Bürgerschaft, die im März darüber zu entscheiden hatte, stellte sich gegen eine Fusion. Sie suchen nach einer Variante, bei der die Autonomie des Theaters weitestgehend erhalten bleibt. „Wenn es dem Minister nicht gelingt, die wesentlichen Partner eines solchen Projektes an einen Tisch zu bekommen, wie soll das dann erst später laufen? Der Stil des Ministers zerstört die Grundlage für eine produktive und konstruktive Zusammenarbeit“, sagte Stefan Rosinski, der Chef des Volkstheaters dem Norddeutscher Rundfunk im März diesen Jahres. „Das wird die Rostocker darin bestärken, hier einen eigenen Weg zu gehen.“
In Greifswald wurde im Februar auf einer Bürgerschaftssitzung ein erster Entwurf vorgelegt, der die Vorraussetzungen für eine Neustruktur der Theater im Osten des Landes zum Inhalt hatte. Schon damals schafften es die Vertreter der Theaterträger, an einem Tisch zu sitzen und über ein gemeinsames Grundlagenpapier zu beraten. Allerdings musste dieses durch die Ablehnung durch Rostock an die veränderte Situation im westlichen Teil des Landes angepasst werden. Anfang November wurde nun erneut ein Konzept für die Grundlagen vorgelegt. Wichtig ist, dass bei ausbleibenden Änderungen der Theaterstrukturen im Westen des Landes die Häuser im Osten keine Nachteile davontragen. Nun soll die Managementberatung mit den Trägern und dem Land die Konzepte des Landesorchesters beziehungsweise des Staatstheaters weiterentwickeln, damit später entschieden werden kann, welches Konzept von allen Beteiligten bevorzugt wird.

Nachdem eine Fusion zwischen Schwerin und Rostock nicht mehr verhandelt wird, soll nun ein Staatstheater Mecklenburg aus den Standorten Schwerin und Parchim hervorgehen. Im Juli 2013 gab es erste Gespräche, im August machte das Land das Angebot, zu dem Brodkorb erklärte: „Mit dem vorliegenden Angebot geht das Land weit über sein bisheriges Engagement hinaus. Zum ersten Mal seit 1990 erklärt das Land seine Bereitschaft, in die Trägerschaft von Theatern einzutreten.“ Allerdings sei dies an bestimmte Bedingungen geknüpft. Das Land sei bereit, in anderen Landesteilen ähnliche Angebote zu machen, jedoch müssen die Theater und Träger den Willen zeigen, ihre Struktur zu reformieren. Dies kritisiert der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin, aufs Schärfste: „An den Anfang der Reformbemühungen hatte die Landesregierung einen tatsächlich notwendigen Dialog gestellt. Nunmehr schwingt selbst der Regierungschef alleinig die Finanzkeule als Druckmittel.“ Die Linksfraktion hatte im Frühjahr dieses Jahres ein eigenes Konzept vorgelegt, welches jedoch vom Landtag abgewiesen wurde.

Innerhalb des letzten Jahres gab es bezüglich der Theaterstrukturen viele Debatten, bei denen auch der Ton schon mal etwas schärfer wurde. Ein Ende ist aber noch nicht in Sicht. Jetzt müssen erst einmal die Konzepte für den Osten des Landes mit Greifswald/Stralsund und Neustrelitz/Neubrandenburg sowie für Rostock abgewartet werden.

von Katrin Haubold

Karikatur: Martin Grimm