Antje Töppner

Antje Töppner leitet seit einigen Jahren den Kinderbereich der Stadtbibliothek „Hans Fallada”. Die 42-jährige studierte Bibliothekswissenschaften in Berlin, lernte und arbeitete an der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald (ZUB). moritz fragte die gebürtige Stralsunderin über ihren beruflichen Werdegang und ob sie dabei noch mit dem Klischee der langweiligen Bibliothekarin konfrontiert wird.

War es Ihr Traumberuf in der Bibliothek zu arbeiten?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon in den Ferien in der Bibliothek gejobbt. Durch Zufall und durch ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung bin ich in die Stadtbibliothek reingerutscht. Das Projekt nannte sich „Öffentliche Bibliothek und Schule – neue Formen der Partnerschaft“ und die Stiftung hat damit hinterfragt, ob die Zusammenarbeit zwischen Schule und Bibliothek sich verbessert, wenn es ein Curriculum und konkrete Ansprechpartner gäbe. Und das war definitiv der Fall. Ich, frisch vom Studium mit einem eher wissenschaftlichen Hintergrund, habe mich dann umorientiert und – auch zu meiner Verwunderung – gemerkt, dass ich im Öffentlichen Bibliothekswesen wesentlich besser aufgehoben bin. Da habe ich auch erkannt, dass ich sehr gerne mit Kindern arbeite. Ich habe hier wirklich meine Bestimmung gefunden. 2000 wurde die Finanzierung des Projekts beendet. Die Stadt hat sich dann entschieden die intensive Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule zu unterstützen, sodass ich fest eingestellt wurde.

Gibt es eine Konkurrenz zwischen den beiden Bibliotheken in Greifswald?
Nein, es läuft richtig gut. Bestandstechnisch sprechen wir uns ab, besonders was die Fachbereiche betrifft. Die Universitätsbibliothek macht die Fernleihe, weswegen wir uns da ganz rausgezogen haben. Faszinierend ist, dass die Studenten splitten: In der ZUB holen sie sich ihre Bücher fürs Studium, dort lernen sie, während sie sich hier eher Belletristik, Filme, CDs oder Hörbücher ausleihen. Sie holen sich partiell auch mal etwas fürs Studium, aber das ist natürlich nicht unsere Aufgabe.

Haben Sie oft studentischen Besuch in der Kinderbuchabteilung?
Im Bereich der Ausbildung der Pädagogikstudenten ist es intensiver geworden. Sie kommen zu uns, wenn sie beispielsweise Bilderbücher brauchen im Bereich der Frühförderung. Wir haben ein Seminar „Leseförderung“, wodurch die Lehramtsstudenten auch hierherkommen. Das Schöne daran ist, dass wir zukünftige Pädagogen darüber informieren können, wie wichtig es ist, wenn man eine Bibliothek vor Ort nutzen kann.

Bemerken Sie einen Trend weg vom Papier- und hin zum elektronischen Buch?
Ich persönlich hatte nie Angst, dass es irgendwann mal keine Bücher gibt. Natürlich gibt es vermehrt Leute, die ebook-Reader haben oder am PC lesen. Wenn man die Kinder beobachtet, die am Samstag zum Vorlesen kommen, dann bin ich mir aber völlig sicher, dass die junge Generation viel lieber ein Bilderbuch live anschaut als nur am Bildschirm oder auf dem Tablet. Die Leute wollen bei uns natürlich Bücher finden; sie wollen aber auch die Möglichkeit haben, ein ebook oder ein Hörbuch runterzuladen. Man kann für die wii-Konsole, aber auch für den Nintendo DS Sprachlernprogramme sowie Spiele ausleihen. Ich denke wirklich, dass dieser Medienmix wichtig ist und dass wir uns gut daran beteiligen.

Was bevorzugen Sie persönlich?
Das Buch aus Papier. Ich habe auch keinen ebook-Reader. Wenn ich etwas digital lese, dann eher Nachrichten oder Zeitungen. Aber ich tendiere auch eher dazu, das auszudrucken.

Inwieweit ist das Bibliothekarinnen-Klischee noch existent?
Ich bin schon der Meinung, dass ganz viele Menschen noch denken, dass wir in der Bibliothek sitzen und darauf warten, dass jemand kommt und etwas ausleiht. Wir sind sehr bestrebt, diesem negativen Touch von Dutt, Brille und grauer Maus entgegen zu treten. Ich finde, dass wir unsere Klientel vor Ort gut informiert haben über das, was wir machen. Das Klischee in Greifswald ist deswegen nicht so verstaubt. Aber ich merke selber, dass Menschen aus meinem Bekanntenkreis meinen Beruf als Bibliothekarin nicht unbedingt mit meinem temperamentvollen Wesen verbinden.

Frau Töppner, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Katrin Haubold und Sybille König.