Ricarda Lange

Wer unter der Woche auf dem Greifswalder Markt schlendert, der kommt um ihren Wagen kaum herum: Den mobilen Fischladen von Ricarda Lange. Sie stammt gebürtig von der Insel Rügen, lebt nun mit ihrem Mann – einem Küstenfischer – auf Usedom. moritz wollte wissen, warum sie ihr ganzes Leben dem Fisch widmet und wie sich Studenten benehmen, wenn sie morgens auf dem Weg von der Party nach Hause schon ein Fischbrötchen haben wollen.

 Wie kamen Sie dazu, einen Fischbrötchenstand aufzumachen?
Mein Vater war Fischer, mein Opa, mein Onkel, mein Cousin, mein Bruder auch. Alle waren Fischer. Ich habe dann meinen Mann kennengelernt, der ebenfalls den Beruf erlernte. Ich wollte nicht, dass er, so wie mein Vater, Hochseefischer wird. Ich kannte meinen Vater nicht wirklich. Er war immer auf See und somit lange weg. Mein Mann bekam eine Stelle als Küstenfischer auf Usedom, sodass wir dorthin gezogen sind. So war er jeden Abend zu Hause bei der Familie. Das war aber alles vor der Wende. Danach wurde alles anders. Wir sind die Fische nicht mehr losgeworden. Wir haben kaum noch Geld verdient und uns dann entschieden, einen Verkaufswagen zu kaufen. Am Anfang habe ich das alleine gemacht. Da hatten wir ja nur ein kleines Sortiment, bestehend aus Räucherfisch, Salaten und Frischfisch. Seit fünf Jahren machen wir den Imbiss. Mein Mann ist auch mit dabei, da er in der Fischerei kein Geld mehr verdient, um die Familie zu ernähren.

Also machen Sie das hier hauptberuflich?
Ja. Mein Mann ist selbstständiger Küstenfischer. Da es aber nicht mehr so gut funktioniert, kommt er mit mir auf den Markt. Alleine schaffe ich das nicht. Es sind an manchen Tagen um die 250 Brötchen, die wir verkaufen.

War Fisch zu verkaufen ihr Traumberuf oder kam das durch die Familie?
Das kam eher durch die Wende, da wir uns ja nicht mehr von der Fischerei ernähren konnten.

Aber in dem Bereich hätten Sie sonst gerne gearbeitet?
Nö. Ich hatte die Nase voll davon, dass alle in meiner Familie Fischer waren. Gelernt hatte ich eigentlich Kellnerin und gearbeitet hatte ich auf Usedom im Kindergarten. Hätte mir vor 30 Jahren jemand gesagt, dass ich mal in Greifswald auf dem Markt stehen und Fisch verkaufen würde, dann hätte ich gesagt: „Nee. Du spinnst!“ Ich hätte das niemals gedacht. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich mache das schon seit über 20 Jahren und es macht mir Spaß. Die Kunden kommen gerne zu mir und wir haben auch ganz viele liebe Studenten, zu denen man schon so eine besondere Verbindung hat. Das ist einfach schön.

Eine Kunde fragt, was Frau Lange ihm empfehlen könnte.
Um ehrlich zu sein, wir verkaufen zu 95 Prozent Backfisch-Brötchen.
Ein andere Kundin schaltet sich ein:
Das war auch das beste Backfisch-Brötchen, das ich je gesehen und gegessen habe.

Was ist denn ihr Lieblings-Fischbrötchen?
Ich esse kaum Fisch. Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen und da gab es ganz wenig Fisch, weil sie auch in einer Fischerfamilie großgeworden ist. Dadurch bin ich nie an den Fisch rangekommen.

Kommen oft Studenten zu Ihnen?
Wenn mein Mann hier kurz vor sechs Uhr auf den Markt kommt, dann kommen auch schon die ersten Studenten und wollen ein Fischbrötchen essen.

Kommen die etwa von einer Party?
Genau! Übriggebliebene von gestern.

Dann erleben Sie mit denen auch lustige Geschichten?
Ja! Ab und an wird das ganz heiß hier.

Gibt es eine, die Ihnen im Kopf hängengeblieben ist?
Da wird nichts verraten. Das ging schon hart an die Grenzen.

Stehen Sie das ganze Jahr auf dem Markt?
Ja, von Januar bis Ende November und ab der letzten Novemberwoche stehen wir vor der Mensa, weil hier der Weihnachtsmarkt hinkommt. Das ist natürlich kalt. Wir haben auch schon mal bei -20 Grad hier gestanden. So einiges haben wir schon durchgemacht.

Frau Lange, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Katrin Haubold und Olivia Rzetkowska.

Foto: Marco Wagner