Man nehme eine alte blaue Polizeizelle sowie einen Charakter, der zwar niemals stirbt, jedoch alle paar Jahre das Gesicht wechselt und ein ganzes Universum voller böser Gegenspieler hat. Dann multipliziere man alles mit 50 Jahren und herauskommt die laut „Guinessbuch der Rekorde“ älteste und erfolgreichste Science Fiction-Serie aller Zeiten: Doctor Who. Zwei Liebeserklärungen zum 50. Geburtstag.

Wenn auf einmal ein verwirrter Mann mit einer magischen Polizeibox vor einem steht und einem das Angebot unterbreitet, mit ihm durch Raum und Zeit zu reisen, denkt man vielleicht kurz nach, bevor man mit ihm auf Reisen geht. Vor dieser Situation steht circa alle drei Jahre ein neuer potentieller Begleiter des Doctors. Denn der Doctor ist dieser verwirrte Mann mit einer magischen Box, der TARDIS, mit der er durch Raum und Zeit reisen kann. Der Doctor, das ist auch ein circa 920 Jahre alter Außerirdischer mit zwei Herzen und dank seines „Schall-Schraubenziehers“ meist nicht zu stoppen.

mm108_45_Kultur_DalekNur eines kann der Doctor nicht: alleine reisen. Wenn er zu lange alleine unterwegs ist, dreht er durch und verliert das bisschen Menschlichkeit, das er hat. Aus diesem Grund ist er immer auf der Suche nach geeigneten Weggefährten. Über die Jahre haben sich davon einige angesammelt: Die in den Doctor verliebte Rose Tyler, die Medizinstudentin Martha Jones, die humorvolle Donna Noble oder die fabelhaften Ponds. Die Ponds, das sind Amelia (Amy) und Rory Pond. Ein Paar, welches unterschiedlicher nicht sein könnte: Rory, der bereits unzählige Male gestorben ist und doch wieder auf die verrücktesten Arten und Weisen zurück kommt, und Amy, „the girl who waited“. Und das meistens auf den Doctor. Denn als Amy sieben Jahre alt war, landete der Doctor in ihrem Garten. Er versprach zwar wieder zu kommen und die kleine Amelia mit auf Reisen zu nehmen, doch musste diese zwölf lange Jahre warten, bis er sein Versprechen einlöste. Denn auch das ist der Doctor: Ein liebevoller Wegbegleiter, bei dem nicht immer alles nach Plan läuft. Bei der Zeiteingabe für die Landung der TARDIS liegt er manchmal so richtig daneben, aber auch der Ort ist manchmal, nun ja, nennen wir es „etwas flexibel“.

Er kam jedoch zurück und nahm die Ponds auf großartige Abenteuer mit: Dinosaurier mussten auf einem Raumschiff gerettet werden, Vincent van Gogh widmete Amy sein berühmtes Sonnenblumen Stillleben, Winston Churchill rief sie mehrmals zur Hilfe und auch einen zweiten „Big Bang“ haben die drei veranstaltet. Ein Leben wie aus dem Bilderbuch. Oder in diesem Falle, aus der Feder eines Mannes: Steven Moffat, Showrunner seit 2010. Er selbst ist als Kind mit Doctor Who aufgewachsen und weiß deswegen genau, dass dem Doctor und seinen Begleitern keine Grenzen gesetzt sind. Dass dieses Abenteuerleben jedoch nicht immer gut ausgeht, weiß wohl keiner besser als der Doctor selbst: „What happened to the other people who travelled with you?“ – “Some left me. Some got left behind. And some… not many, but… some died.“

von Nathalie Rath

mm108_45_kultur_Matt-Smith„Exterminate!“ – Schallt dieses Wort aus dem Fernseher, ist der größte Feind von Doctor Who aufgetaucht: Die Daleks. Schon seit 50 Jahren machen sie ihm das Leben schwer und versuchen, ihn auszulöschen und die Erde zu erobern. Die kriegerischen Außerirdischen, die keine Emotionen kennen, sind in Metallpanzern versteckt – und das ist auch gut so, denn besonders appetitlich sehen sie nicht aus. Überhaupt gibt es ziemlich viele gruselige und bizarre Wesen, die im Doctor Who-Universum auftauchen – einige der Folgen sollte man also lieber nicht im Dunkeln schauen.

Dem Charme des Doctors und seinen Erlebnissen durch Zeit und Raum können nicht viele widerstehen. Er hängt natürlich vom jeweiligen Schauspieler ab, der den Doctor gegenwärtig verkörpert sowie von den witzigen Dialogen, die schon in den 60ern die Serie von anderen abhob. Nicht zu verachten ist auch die Wirkung der Requisiten. Gerade die alten Folgen bestechen durch ihre einfache Dekoration, die Versprecher der Schauspieler und die kleinen Produktionsfehler. Das hat sich mit der Zeit natürlich gewandelt. Die Serie bekam ein höheres Budget, wodurch das Aussehen der Aliens und die Innenausstattung der TARDIS – das ist das Raumschiff des Doctors und steht für „Time and Relative Dimension in Space“ – aufwendiger wurden. Aber auch bei den Staffeln der fortgeführten Serie ab 2005 – zwischen 1989 und 2005 wurde die Serie eingestellt – leben die Daleks in ihren Metallgehäusen, die nun allerdings detailreicher gestaltet sind. Ebenso haben sich die Cybermen gewandelt: von in Mullbinden eingewickelten Menschen mit Plastikschläuchen haben sie sich zu silbern schimmernden, roboterartig aussehenden Wesen entwickelt. Und genau das macht die Serie aus: Die Kreativität bei den Kostümen, bei den Charakteren, den einfallsreichen Dialogen sowie bei den einzelnen Staffelgeschichten, die doch irgendwie miteinander zusammenhängen und auf ein großes Staffelfinale hinauslaufen.

von Katrin Haubold

© alle Bilder: BBC