Present and vote: So oder so ähnlich könnte es bald wieder klingen, wenn im Rahmen des GreiMUN-Seminars UNO-Konferenzen simuliert und Studierenden die Abläufe der Vereinten Nationen näher gebracht werden. moritz sprach mit Léonie Busacker, der Präsidentin des Vereins.

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Léonie Busacker (24)
ist seit 2012 die Präsidentin von Greifswald Model United Nations e.V.

Das Kürzel GreiMUN steht für Greifswald Model United Nations. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
GreiMUN ist ein studentischer, universitätsnaher Verein, der jedes Jahr im Wintersemester ein Seminar anbietet, in dem Studierende lernen können, wie die Abläufe der UNO (United Nations Organization, Anm. d. Red.) funktionieren. Im Rahmen dieses Seminars lernen die Teilnehmer, was die UNO überhaupt macht und wie man sich auf internationalem Parkett verhält. Dazu veranstalten wir zwei Simulationen, in denen das Gelernte angewandt werden kann.

Wie sehen diese Simulationen im Einzelnen aus?
Zuerst bekommt jeder Teilnehmer ein Land zugelost, also zum Beispiel die USA. Derjenige hat eine Woche lang Zeit, sich für die Konferenz auf sein Land vorzubereiten. Als Delegierter der USA vertritt er dann die Interessen seines Landes zu bestimmten Themen. Er muss Anträge einreichen, an den Arbeitspapieren mitarbeiten und am Ende natürlich auch abstimmen.

Was für Themen sind es, die die Delegierten vorbereiten?  
Auf unserer ersten Konferenz haben wir das Thema ‚Wasser als Menschenrecht‘ neu aufgenommen. Unsere zweite Konferenz ist eine Klimakonferenz, die in etwa zur gleichen Zeit zu der richtigen Klimakonferenz stattfindet und sich auch an deren Themen orientiert.

Welche Voraussetzungen sind nötig, um an dem Seminar teilzunehmen?
Es kann jeder mitmachen, der möchte; eine Teilnehmerbegrenzung gibt es nicht. Grundkenntnisse über die englische Sprache wären allerdings gut, da das Seminar auf Englisch stattfindet. Ansonsten sind Studierende aller Fachrichtungen herzlich willkommen. Das Seminar beginnt direkt in der ersten Vorlesungswoche. Man kommt einfach vorbei, ohne sich anzumelden. Die erste Veranstaltung ist eine Infoveranstaltung, in der wir noch einmal ganz genau erklären, wer wir sind, was wir machen und was auf die Studierenden zukommt.

Das Seminar läuft ein Semester lang. Wie arbeitsintensiv ist das Ganze neben den eigentlichen Kursen?
Es besteht schon ein gewisser Aufwand. Wir geben kleine Hausaufgaben auf, die aber für den Prozess wichtig und notwendig sind und die in der Woche vielleicht eine Stunde beanspruchen. So zum Beispiel Vokabellisten oder die Ausarbeitung von verschiedenen mündlichen Anträgen, die man während der Konferenzen einbringen kann; einfach damit die Delegierten vorbereitet sind. Die Vorbereitungen sind immer unterschiedlich, je nach Teilnehmer und Land. Man sollte sich schon mit der jeweiligen Landespolitik und den vorgegebenen Themen auseinandersetzen. Wir geben da aber auch Recherchehinweise.

Du sagtest, ihr seid ein universitätsnaher Verein. Wie seid ihr genau mit der Universität verknüpft?
Das Seminar können sich Politikwissenschaftler als Kurs anrechnen lassen, wenn sie darüber eine Hausarbeit schreiben. Das können sie direkt mit dem Seminarleiter, Sebastian Nickel, absprechen. Ansonsten kann das Seminar als Teilpraktikum angerechnet werden. Das funktioniert allerdings nicht bei allen Fachschaften und muss im Einzelfall nachgeschaut werden. Bei den Politikwissenschaftlern funktioniert es auf jeden Fall. Am Ende des Seminars erhält so oder so jeder ein Teilnahmezertifikat.

Nachdem die Teilnehmer gelernt haben, wie die Abläufe der UNO funktionieren, bietet ihr die Möglichkeit an, nach New York zu fliegen und dort an einer Konferenz mit Studenten aus aller Welt teilzunehmen. Welche Voraussetzungen muss ein Teilnehmer haben, um von euch mitgenommen zu werden?  
Erst einmal: New York ist vom Seminar komplett abgekoppelt. Man kann auch am Seminar teilnehmen, ohne mit nach New York zu kommen. Die Reise hat nichts mit der Universität zu tun, sondern nur etwas mit dem Verein. Demnach suchen auch wir die Teilnehmer aus. Dabei geht es im Grunde immer darum, wer sich in den Sitzungen gut angestellt hat. Wir bekommen durch die Mitarbeit mit, wie viel Lust die Leute wirklich daran haben und ob sie sich einbringen oder nicht. Das Englisch spielt gar nicht die wichtigste Rolle, sondern vielmehr, dass man einfach zeigt, dass man mitmachen möchte, an den Resolutionen mitschreibt und einfach Spaß an der Sache hat.

Vertritt in New York jeder der Delegierten ein eigenes Land?
Wir bekommen in New York für die gesamte Delegation ein Land zugelost. Immer zwei Studierende vertreten unser Land in einem der vielen Komitees. Die Vorbereitung für die New-York-Konferenz verläuft in Teilen kollektiv. Die Studierenden können sich untereinander helfen, auch vor Ort, aber jedes Team trifft seine eigenen Vorbereitungen, je nach Thema ihres Komitees. Um uns gemeinsam vorzubereiten, besuchen wir im Semester auch immer noch einmal die Botschaft des Landes, das uns zugelost wird, in Berlin und in New York, um noch einmal gezielt Fragen stellen zu können.

„Die Reise nach New York war natürlich noch einmal ein Highlight.“

Wie schafft ihr es, dass ein richtiges Team und nicht viele Einzelkämpfer in New York ankommen?
Also aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wirklich toll ist, wenn man als Gruppe fährt und auch Freunde dabei hat, mit denen so ein Ereignis natürlich immer viel schöner ist. Diese Freunde findet man auch. Man verbringt ja auch gerade an den zwei Wochenenden der Konferenzen viel Zeit miteinander. Nebenbei unternehmen wir auch alle viel zusammen. Wir haben uns in den letzten Jahren überlegt, wie wir die einzelnen Teilnehmer zu einer Gruppe zusammenbringen können. Wir machen zum Beispiel nach der zweiten Konferenz traditionell eine Weihnachtsfeier, die erfahrungsgemäß die Delegation schon etwas mehr zusammenschweißt. Weiterhin lernen sich alle auf der Fahrt zur Botschaft näher kennen, beim Running Dinner, im Englisch-Workshop oder bei den gelegentlichen Meet and Greets abends in der Bar.

Was hat dich selbst so fasziniert am Seminar und an der Reise, dass du dabei geblieben bist?
Ich selbst bin als Ersti direkt zu GreiMUN gegangen und habe sofort Anschluss gefunden. Mich hat zunächst einmal fasziniert, wie die UNO tatsächlich funktioniert. Manches hört man ja in den Nachrichten, aber immer nur die Ergebnisse und nicht, wie es zu denen gekommen ist. Die Tagesnews waren daher viel verständlicher für mich. Ich fand es gut, dass die Themen auch immer kritisch beleuchtet wurden. Zum Beispiel, dass Prozesse in der UNO oftmals sehr langwierig sind. Zum anderen habe ich viele Freunde gefunden, mit denen ich bis heute eng befreundet bin, was mich dann auch dabei gehalten hat. Die Reise nach New York war natürlich noch einmal ein Highlight: Die Stadt an sich war toll, aber auch das Gefühl, als ich in der General Assembly Hall stand. Das war ein großartiges Gefühl. Mit tausenden Studierenden aller Nationen zusammen zu arbeiten, ist auch eine spannende Erfahrung.

von Laura-Ann Treffenfeld

Fotos: Privat, Laura-Ann Treffenfeld Profilbild